Rheinfelden
Plötzlich kein Besuch mehr: Wie ein Seniorenverein unter der Pandemie leidet – und wie es jetzt wieder aufwärtsgeht

Von heute auf morgen musste im März 2020 praktisch das ganze Vereinsleben eingestellt werden. Nun, verbunden mit den Lockerungen und Impfungen erwacht auch «Senioren für Senioren» aus der Pandemie-Starre. Das Büro im «Roten Haus» ist seit Mitte April wieder besetzt. Und auch der Besuchsdienst für die Altersheime Salmenpark und Lindenstrasse kommt langsam wieder in Gang.

Hans Christof Wagner
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Mit Senioren spazieren zu gehen, gehört auch zu den Aktivitäten des Rheinfelder Vereins Senioren für Senioren.

Mit Senioren spazieren zu gehen, gehört auch zu den Aktivitäten des Rheinfelder Vereins Senioren für Senioren.

Symbolbild / Gettyimages

Sie helfen, wenn die Kraft fürs Rasenmähen fehlt. Sie unterstützen, wenn der Gang zum Grossverteiler zu mühsam ist. Aber die ehrenamtlichen Helfer des Rheinfelder Vereins Senioren für Senioren (SfS) sind auch einfach nur zum Reden da, um die Einsamkeit zu vertreiben. Und diese war und ist in der Coronazeit gross. Denn im März 2020, von heute auf morgen, kam das Vereinsleben mit dem Lockdown zum Erliegen.

Das Büro im «Roten Haus» musste geschlossen werden – auch um die schon zur Risikogruppe gehörenden Freiwilligen, die dort Dienst tun, vor einer Infektion mit dem Virus zu schützen.

Know-how für die Nachbarschaftshilfe nutzen

So konnten auch die Dienstleistungs- und Serviceangebote, die für den 1997 gegründeten Verein von Beginn an prägend waren, nicht mehr vermittelt werden. Das Prinzip dahinter: Warum das Know-how von Mitgliedern brachliegen lassen, wenn es noch im Sinne der Nachbarschaftshilfe eingesetzt werden kann?

So vermittelt der Verein die nötige Hilfe für diejenigen, denen etwa das Umstechen des Gemüsebeets nicht mehr selbst gelingt oder denen das Abringen der Deckenleuchte zu heikel ist. Der SfS-Medienverantwortliche Christian Singer sagt:

«Was als Lohn verlangt wird, ist Verhandlungssache. Aber die meisten wollen gar keine Entschädigung. Der Verein gibt nur Richtlinien vor.»

Doch Singer zufolge geht der Trend der Vereinsaktivitäten ohnehin in eine andere Richtung. In eine Richtung, für die es ganz spezielle Qualifikationen braucht – Einfühlungsvermögen, Geduld, Verständnis. Der Besuchsdienst sei in den vergangenen Jahren immer mehr in den Vordergrund getreten, erzählt er.

Extrem belastende und einsame Situation für die Heimbewohner

Dabei gehen SfS-Mitglieder in die städtischen Alters- und Pflegeheime wie im Salmenpark oder in der Lindenstrasse und lockern, ausgebildet von der Pro Senectute, den Alltag der dortigen Bewohner auf. Indem sie ihnen vorlesen, erzählen, spielen oder sie zum Spaziergang mitnehmen.

Aber als im März 2020 der Lockdown kam und die Heime mit als Erstes die Tore schlossen, brach der Besuchsdienst von heute auf morgen ein. Verbunden mit den Besuchsverboten für die Angehörigen sei für die Senioren eine «extrem belastende und einsame Situation» entstanden. Singer erinnert sich:

«Immer mal wieder hat es 2020 Hoffnungen auf Lockerungen gegeben, aber sie wurden stets enttäuscht.»

Die wenigen möglichen Besuchstage habe man oft eher den Angehörigen überlassen. Aber jetzt, mit den inzwischen geimpften Heimbewohnern, könne der Service wieder hochfahren.

Der Verein fühlt den Stadtratskandidaten auf den Zahn

Auch bei den sonstigen Vereinsaktivitäten – coronabedingt waren auch sie 2020 praktisch zum Erliegen gekommen – will der Verein mit seinen aktuell rund 400 Mitgliedern wieder durchstarten. Den Auftakt bildet am 26. Mai die Vorstellung der Stadtratskandidaten im reformierten Kirchgemeindehaus.

Gründungsgeschichtlich war laut Singer die Verbindung zum Stadtrat stets eng. «Die Initiative zur Gründung ist sogar vom Rheinfelder Stadtrat ausgegangen», erinnert sich Singer, der auch schon seit rund 20 Jahren Mitglied ist. Und mit welchen Fragen will man die Kandidaten konfrontieren? Singer sieht Themen im starken Wachstum der Stadt und in der Kommunikation des Stadtrates, gerade im Hinblick auf die Zukunft des Altersheims Kloos.

«Noch bis vor rund fünf Jahren konnten wir immer sagen, dass wir mit mehr als 500 Mitgliedern einer der grössten Vereine in der Stadt sind», sagt Singer. Doch deren Zahl sei aktuell auf nur noch etwa 400 geschrumpft. Und der Altersdurchschnitt von jenseits der 70 stelle auch eine Herausforderung dar. Wobei man im Rheinfelder Verein Senioren für Senioren auch frühestens mit 55 Jahren Mitglied werden kann.