Rheinfelden
Nach Facebook-Streit: Frau wirft Politiker Michael Derrer Beleidigung vor – und wird selbst zu einer Busse verdonnert

Der Rheinfelder Politiker Michael Derrer ist gegen eine Frau rechtlich vorgegangen, die ihm in den Sozialen Medien vorgeworfen hatte, sie beleidigt und beschimpft zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat nun eine Busse gegen die Frau ausgesprochen. Derrer hofft auf Rehabilitation.

Nadine Böni
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Die Frau hatte den Vorwurf von ihrem Smartphone aus gepostet – nun muss sie eine Busse zahlen.

Die Frau hatte den Vorwurf von ihrem Smartphone aus gepostet – nun muss sie eine Busse zahlen.

Keystone

Die fünf Wörter kommen die Frau aus Rheinfelden teuer zu stehen: In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Rhyfälde, wenn...» postete sie im Herbst den Vorwurf, Michael Derrer hätte sie «auf Messenger beschimpft und beleidigt». Der Rheinfelder Politiker – der Unternehmer und Bezirksrichter kandidierte im Herbst als Unabhängiger für den Stadtrat – liess das nicht auf sich sitzen.

Michael Derrer, Politiker aus Rheinfelden.

Michael Derrer, Politiker aus Rheinfelden.

Markus Raub / Aargauer Zeitung

Er stellte einen Strafantrag wegen Verleumdung gegen die Frau, damals Administratorin der Gruppe. Inzwischen wurde dieser behandelt: Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt – sie ist zuständig, weil sich die Frau zum Tatzeitpunkt in Basel aufhielt – hat sie für schuldig befunden. Die Frau muss demnach eine Busse in Höhe von mehreren hundert Franken bezahlen.

Plötzlich kamen die persönlichen Angriffe

Dem Vorfall geht eine wochenlange Vorgeschichte voran. Derrer publizierte in der Facebook-Gruppe bis im vergangenen Sommer immer wieder Beiträge, Ideen oder Fragen, zu denen er die Meinung der Gruppenmitglieder abholte. Etwa, ob Rheinfelden ein eigenes Schiff brauche. Oder ob die Stadt eine günstigere Variante zum abgelehnten Rheinsteg verfolgen solle. Teils standen die Beiträge auch in Zusammenhang mit seinem Verein «Mehr Farbe für Rheinfelden».

«Diese Beiträge erhielten viele ‹Likes› und wurden eifrig kommentiert – pro und kontra», erinnert sich Michael Derrer. Aber:

«Plötzlich häuften sich in den Kommentaren gezielte persönliche Angriffe gegen meine Person, durch Menschen, die ich nicht kannte.»

Es habe für ihn ausgesehen, wie eine «orchestrierte Kampagne, deren Ziel es war, mich in negativem Licht dazustellen», so Derrer. Schliesslich sei er gar aus der Gruppe ausgeschlossen worden. Was Grund oder Auslöser waren, weiss Derrer bis heute nicht. Er hatte keinen persönlichen Kontakt zu der Frau. Die Folgen davon spüre er allerdings bis heute. Er sagt:

«Ich hoffe, dass die Verurteilung mittels Strafbefehl dazu führt, dass die Menschen, die aufgrund jener Vorkommnisse eine negative Wahrnehmung mir gegenüber haben, ihre Einstellung überdenken und hinterfragen.»

Den Schritt, strafrechtlich gegen die Administratorin vorzugehen, habe er sich lange überlegt, fügt Derrer an. «Es war mir aber wichtig, dass die Wahrheit festgestellt wird – ansonsten kann ja jeder oder jede irgendetwas behaupten.»

Hatte der Vorfall Einfluss auf die Wahlen?

Derrer sieht im Vorfall aber auch eine grössere Bedeutung über seinen Einzelfall hinaus. «Ich bin erschrocken, was aus diesem Post entstanden ist. Eine solche unwahre Behauptung kann auf den Sozialen Medien eine grosse Eigendynamik entwickeln.» Es gehe ihm daher auch darum, zu sagen: «Halt, so etwas geht auch in den Sozialen Medien nicht», erklärt Derrer.

Eine solche Verleumdung könne gravierende Folgen haben, mahnt er. Und nennt ein Beispiel:

«Ich gehe davon aus, dass mich das im Wahlkampf einige Stimmen gekostet hat.»

Ob dies am Ende ausschlaggebend war, sei schwierig einzuschätzen und lasse sich nicht belegen, sagt er. Knapp 400 Stimmen hatten ihm im Juni für die Wahl in den Stadtrat gefehlt. «Klar ist, dass ich mehr Zeit und Kapazitäten für andere Aktionen im Wahlkampf hätte aufwenden können. Insbesondere hätte ich mit noch mehr Menschen auf der Strasse reden können, wenn ich nicht dadurch absorbiert gewesen wäre, zu zeigen, dass hier Unwahrheiten verbreitet werden», so Derrer.

Die ehemalige Administratorin der Gruppe bestätigt auf Anfrage der AZ den Strafbefehl, will sich aber nicht weiter zum Vorfall äussern.

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