Verhehlen kann Gemeindepräsidentin Françoise Moser nicht, dass bei einigen Bewohnern in den «Liebrüti-Hochhäusern» die Nerven blank liegen. Die Bäume im «Liebrüti»-Quartier sind das Zuhause Hunderter von Krähen, die so manchen Bewohner mit ihrem Gekrächze um den Schlaf bringen. «Einige Betroffene haben uns aufgefordert, endlich etwas zu unternehmen», sagt Moser. Doch bisher waren in Sachen Krähenvertreibung dem Gemeinderat die Hände gebunden. Dies ändert sich per 1. August, wenn die Schutzzeit für die Krähen abläuft und der Gemeinderat dem Krähen-Lärm den Kampf ansagt.

Drei Massnahmen sollen hierzu umgesetzt werden. Erstens wird die Feuerwehr ab dem 2. August die Nester aus den Bäumen entfernen. Zweitens wird ab dem 3. August ein Falkner aufgeboten und drittens wird «die Jagdgesellschaft im Auftrag der Gemeinde den Abschuss der Krähen koordinieren», heisst es in den Gemeindenachrichten. Moser ist sich bewusst, dass die Jagd auf die Krähen eine «drastische Massnahme» ist und sicher nicht überall auf eine positive Resonanz stossen wird. Dennoch habe die Naturschutzkommission in Anbetracht der «massiven Problematik» dieses Vorgehen für angemessen befunden. «Kein Mitglied der Naturschutzkommission brachte Einwände gegen diese Massnahme vor», so Moser. Geschossen werde selbstverständlich nicht im Wohngebiet, sondern auf den Feldern, dort, wo die Krähen auf Futtersuche gehen.

Ob der Verbund der drei Massnahmen von Erfolg gekrönt sein wird, kann Moser nicht prognostizieren. Im Vertreibungskampf gegen die Krähen betrete man Neuland. Man werde sehen, was funktioniert, und dann die Massnahmen nach dem Prinzip «Versuch und Irrtum» optimieren und gegebenenfalls ergänzen.

Ornithologin Eva Inderwildi, die als Projektleiterin für Birdlife Schweiz tätig ist, steht den Abschüssen skeptisch gegenüber. Zwar sei der Abschuss der Krähen ausserhalb der Schonzeit durch die Jagdgesellschaft erlaubt, «Birdlife Schweiz befürwortet solche radikalen Methoden allerdings nicht». Des Weiteren sei es so, dass sich die Krähen nach der Brutzeit in alle möglichen Richtungen zerstreuen. Abschüsse auf den Feldern träfen demnach nicht unbedingt diejenigen Krähen, die nächsten Frühling in Kaiseraugst brüten würden. Zudem könnte aufgrund der hohen Intelligenz die Jagd auf die Krähen kontraproduktiv sein. «Es besteht die Möglichkeit, dass die Krähen nach einer Zeit lernen, dass in der Stadt auf sie nicht geschossen wird», so Inderwildi.

Es gibt kein Patentrezept

Zwar könne der Einsatz eines Falkners effektiv sein, um die Krähen aus dem Quartier zu vertreiben, die Gefahr sei jedoch gross, dass sich die Krähen dann einfach im nächsten Quartier ansiedeln. «Damit wird das Problem einfach nur an einen anderen Ort verschoben», sagt Inderwildi. Auch eine Nestentfernung nutze nur wenig. «In der Regel bauen sich die Krähen in der nächsten Brutsaison einfach wieder neue Nester am Standort auf, ausser ein unproblematischer Ausweichstandort befindet sich in der Nähe», so Inderwildi und schiebt nach, dass es für das Problem kein Patentrezept gibt.