Public Viewing
Penalty-Schlacht lässt in Sulz keinen kalt: 400 Fans verfolgen den Nervenkrieg gemeinsam mit der Nati

So voll, so emotional und so aufreibend wie beim Viertelfinal der Schweizer Nati gegen Spanien war es in der Public-Viewing-Arena in Laufenburg-Sulz sicher noch nie - je länger der Abend, umso mehr kochten die Emotionen hoch. Und alle waren sich nach Verlängerung und Elfmeter-Drama einig: Verloren hat die Schweiz gar nicht.

Hans Christof Wagner
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Hopp Schwiiz - das Viertelfinalspiel der Schweiz gegen Spanien verfolgten in Laufenburg-Sulz rund 400 beim Public Viewing mit.

Hopp Schwiiz - das Viertelfinalspiel der Schweiz gegen Spanien verfolgten in Laufenburg-Sulz rund 400 beim Public Viewing mit.

Hans Christof Wagner

Soll noch einer sagen, Fussball verbindet die Menschen nicht. Familie Küng-Getzmann lebt getrennt voneinander. Aber zum Viertelfinal-Match der Schweizer Nati haben sie sich wiederzusammengefunden: Mutter Iris Küng, Vater Thomas Getzmann, Sohn Gion und dessen Freundin Sarah. Gemeinsam schauen sie sich das Spiel beim Public Viewing auf dem Turnhallenareal in Laufenburg-Sulz an: Und dabei geht kein Riss durch die Patchwork-Familie. «Wir sind alle für die Schweiz» sagt Iris Küng, «alles andere wäre auch Selbstmord hier auf dem Areal.»

Geht doch - auch bei Familie Küng-Getzmann (vorne) gab es zeitweise kein Halten mehr.

Geht doch - auch bei Familie Küng-Getzmann (vorne) gab es zeitweise kein Halten mehr.

Hans Christof Wagner

Stimmt – für die Spanier ist unter den rund 400 Public-Viewing-Gästen niemand oder er hält sich sichtlich zurück. Nur einer hat ein Spanien-Trikot im Gepäck. «Ich bin neutral», sagt er.

Auch nach der 8. Minute bleiben die Sulzer treu

Dann der 1:0-Rückstand in der 8. Minute. Manche sagen: Ein so frühes Tor der Spanier ist nicht gut für die Moral der Nati. Aber Freundin Sarah ist noch guter Dinge. Ihr Vertrauen ins Schweizer Team ist ungebrochen. Aber sie und die weiteren 400 müssen sich noch gedulden, gelingt doch der Ausgleich in der ersten Halbzeit noch nicht. Doch danach sind die Schweizer zurück im Spiel. Und sie holen den verdienten Ausgleich - der Jubel in der Sulzer Arena kennt keine Grenzen. Die Verlängerung und die Chance auf den Halbfinal sind wieder da. Alle Blicke sind jetzt nach vorne gerichtet – auf den 10-Quadradmeter-LED-Screen. Und alle stehen wie ein Mann hinter Yann Sommer, dem grossen Helden der Verlängerung und der Nervenschlacht danach.

«Sommer»-Rufe sollen bis nach St. Petersburg dringen

Doch auch Sommer kommt an seine Grenzen – die Spanier treffen, die Schweizer verschiessen. «Sommer» schreien sie in Sulz aus vollen Kehlen, als könnte er es im fernen St. Petersburg hören. Doch vergeblich – die Spanier machen den Halbfinal klar. Eine «sackstarke Leistung des Schweizer Teams», sagt der Moderator. In Sulz teilen sie diese Meinung. Sieger der Herzen – das sind die Schweizer für die Sulzer Fans, die mit ihnen bis zur letzten Sekunde auf dem Public Viewing-Areal mitgekämpft, mitgefiebert, mitgeschwitzt haben. Und die ruhig geworden sind nach dem Abpfiff – geschockt, verletzt, traumatisiert. Ein Fussball-Krimi erster Güte – da tut die nervliche Entspannung fast schon ein Stück weit gut – auch bei Familie Küng-Getzmann