Sein Motto nannte Heinz Kim schon damals, vor rund fünfeinhalb Jahren: Die vier «M» seien ihm wichtig – «man muss Menschen mögen», sagte er an der Generalversammlung des Gemeindeverbands Sozialbereiche Bezirk Rheinfelden im Herbst 2013. Kim wurde an der Versammlung zum Vorstandspräsidenten gewählt.

An der Generalversammlung diese Woche nun trat er von seinem Amt zurück, der Magdener Gemeindeammann André Schreyer löst ihn ab. «Der Vorstand besteht aus amtierenden Gemeinderatsmitgliedern der Verbandsgemeinden», erklärt Kim. «Da ich vor einem Jahr als Gemeindeammann von Zuzgen abgetreten bin, galt es nun, auch dieses Amt abzugeben.» Er tut dies mit gutem Gewissen und einem zufriedenen Lächeln: «Ich denke, meine Ziele konnte ich erreichen.»

Fokus auf neue Strukturen

Dabei stellte gleich der Beginn seiner Amtszeit eine Herausforderung dar. Es galt zum einen, den Fokus auf die neuen Strukturen im Verband zu legen. Bis Ende 2013 arbeitete dieser in verschiedenen Kommissionen in den Fachbereichen. Ab Anfang 2014 wurde das Geschäftsleitermodell eingeführt. «Die Kommissionsarbeit und damit die Ehrenamtlichkeit war an ihre Grenzen gestossen», blickt Kim zurück. «Der Schritt zum neuen Modell war daher nötig und richtig – aber er brachte eben auch Veränderungen mit sich.» Die Rädchen im neuen System mussten zuerst ineinandergreifen.

Zum anderen trat praktisch zur gleichen Zeit das neue Kindes- und Erwachsenenschutzrecht in Kraft und löste das zuvor geltende Vormundschaftsrecht ab. Unter dem alten Recht war noch der Gemeinderat am Wohnsitz der hilfsbedürftigen Person Vormundschaftsbehörde. Mit dem neuen Gesetz änderte das: Seither sind Familiengerichte an den jeweiligen Bezirksgerichten als Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) tätig und entscheiden erstinstanzlich alle Kindes- und Erwachsenenschutzfälle.

Gesellschaft im Wandel

«Für den Verband bedeutete die Gesetzesänderung sicherlich einen Mehraufwand», sagt Heinz Kim. Und auch: mehr Fälle. Woran das liegt, darüber kann Kim nur Vermutungen anstellen. Da ist die Art der Anlaufstelle: «Die Hemmschwelle ist bei einer Beratungsstelle wohl geringer als bei der eigenen Gemeinde», sagt Kim.

Da ist – und das hat weniger mit der Gesetzesänderung zu tun – aber auch die Gesellschaft, die sich in seinen Augen stark gewandelt hat. Die Menschen seien heute sensibilisiert für Themen wie Mobbing und häusliche Gewalt, aber auch Beziehungsprobleme und berufliche Neuorientierungen.

Die familiären Bande seien zudem nicht mehr so ausgeprägt wie einst, die Beziehungen zu den nächsten Angehörigen nicht mehr so eng – etwa aufgrund räumlicher Distanzen. «Früher suchte man sich bei Problemen oder Fragen Unterstützung in der Familie. Heute werden eher Beratungsstellen aufgesucht», sagt Kim.

Das widerspiegelt sich in der aktuellen Statistik des Verbands. Die Berufsbeistandschaft und die Fachstelle für persönliche Beratung – beides Bereiche, die auch vom Familiengericht mit Beratungsfällen betraut werden – weisen 2018 gegenüber dem Vorjahr markant steigende Fallzahlen aus. Die Fachstelle etwa betreute im vergangenen Jahr 642 Fälle und damit über 80 mehr als im Vorjahr.

Zunahme als Herausforderung

Die Stellenprozente sämtlicher Fachbereiche des Verbands wurden in den vergangenen fünf Jahren aufgestockt, um der Nachfrage gerecht zu werden. Dass die Tendenz der steigenden Fallzahlen bald gebrochen wird, glaubt Heinz Kim nicht. «Das Fricktal ist eine Wachstumsregion. Allein schon deshalb wird die Zahl der Fälle kaum kleiner werden», sagt er.

Die steigenden Fallzahlen und die damit verbundenen Kosten sieht Kim denn auch als eine der grössten Herausforderungen für die kommenden Jahre. «Ich glaube, der Verband ist gut aufgestellt», sagt er, betont aber auch: «Die Gemeinden müssen Sorge tragen dazu.» Sorge tragen zu einem «wichtigen Instrument und Partner, sowohl für die Gemeinden als auch für die Bevölkerung», wie er sagt.

Heinz Kim hat sein Motto, man müsse Menschen mögen, in seiner Amtszeit vorgelebt. Und er ist überzeugt, dass es auch das richtige Rezept für die Zukunft ist.