Pandemie
Hohe Dunkelziffer: In der Schweiz geimpfte Berufspendler werden von deutschen Landkreisen nicht erfasst

Die Zusammensetzung der Impfzahlen in Deutschland ist kompliziert. Dies zeigt sich im Landkreis Lörrach. Viele im Gesundheitswesen tätige Pendler wurden in der Schweiz geimpft, im Landkreis Lörrach jedoch nicht erfasst. Mehr als 1000 sind es bereits am Unispital in Basel.

Kathrin Ganter
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Die Landesgrenze – hier zwischen Stein und Bad Säckingen – ist keine Impfgrenze.

Die Landesgrenze – hier zwischen Stein und Bad Säckingen – ist keine Impfgrenze.

Bild: Dennis Kalt (5. Juli 2017)

Grenzgänger, die in der Schweiz in der Gesundheitsbranche arbeiten, sind häufig schon geimpft beziehungsweise werden sehr bald geimpft. Bislang war dies aber für die Verantwortlichen kaum herauszufinden. Dadurch war es im Landkreis Lörrach noch unklarer als schon ohnehin, wie viele Menschen schon geimpft sind.

Laut Schweizer Statistik arbeiteten im vierten Quartal 2020 1448 deutsche Grenzgängerinnen und Grenzgänger allein in Basel im Gesundheitswesen. Mehr als 1000 sind es allein am Unispital in Basel. Der Kanton Basel-Stadt teilte auf Anfrage mit, dass bis Mitte vergangener Woche bereits rund 1000 Gesundheitsfachpersonen mit Wohnsitz Deutschland geimpft wurden und weitere 400, die in Frankreich wohnen.

Priorisierte Impftage für das Gesundheitspersonal

Am 1. Mai und am kommenden Wochenende fanden und finden priorisierte Impftage für das Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt in Basel statt, bei denen insgesamt 5000 Personen geimpft werden sollen – auch darunter werden etliche Deutsche sein.

Wie viele Grenzgänger aus dem Gesundheitswesen in den Kantonen Baselland und Aargau geimpft wurden, können die Kantone nicht sagen. Aber auch dort wird im Gesundheitswesen unabhängig vom Wohnort geimpft. 565 deutsche Grenzgänger arbeiten laut Statistik im Kanton Baselland, weitere 878 im Aargau. Auch von ihnen dürfte ein guter Teil schon geimpft sein. Wie viele davon im Kreis Lörrach leben, ist nicht bekannt.

Wer in der Schweiz geimpft wird, wird statistisch in Deutschland nicht erfasst, teilte das Landratsamt Lörrach noch vergangene Woche auf Anfrage mit. Jetzt hat der Landkreis aber erstmals Einblick in die Statistik des Landes bekommen, die die Impfungen nach Postleitzahl aufschlüsselt. Auch die Schweiz rechnet die geimpften Grenzgänger aus ihren Statistiken nicht heraus. In der vergangenen Woche haben grosse Firmen, darunter auch Novartis und Roche, angekündigt, auch sie würden impfen, sobald ausreichend Vakzin vorhanden sei – das könnte schon im Mai der Fall sein.

Gespräche mit grösseren Firmen laufen

Der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen bestätigte gegenüber dem Sender SRF, man sei im Gespräch mit verschiedenen grösseren Firmen, ob und wie sie eine Rolle in der Impfstrategie des Kantons spielen könnten. Angesichts von mehr als 20'000 Grenzgängern allein im Kreis Lörrach dürfte auch hier eine vierstellige Zahl von Menschen darunter sein, die solche Angebote nutzen werden.

Eine genaue Einschätzung, wie viele Menschen im Landkreis Lörrach geimpft sind, kann man tagesaktuell nicht sagen. Denn nicht nur die Grenzgängerinnen und Grenzgänger werden vom Landkreis nicht erfasst. Auch die Zahl der Impfungen beim Hausarzt, die laut der Kassenärztlichen Vereinigung bereits Mitte April bei 5000 lag, fliesst nicht in eine Gesamtstatistik ein.