Die Natur meinte es in der ersten Hälfte des Jahres gut mit der Energiedienst Holding AG. Der Rhein führte im Januar teilweise so viel Wasser – die Abflussmengen waren rund doppelt so hoch wie für gewöhnlich –, dass dieses von den Turbinen der Kraftwerke Laufenburg und Rheinfelden gar nicht mehr in Gänze verarbeitet werden konnte. Doch mit dem Aufkommen des heissen und trockenen Sommers ist seit Mitte Juni die Stromproduktion unterdurchschnittlich.

«So langsam werden wir unzufrieden», sagt Jochen Ulrich, Leiter Asset Management bei Energiedienste. Der Vorsprung in der Stromproduktion, den man sich in der ersten Jahreshälfte aufgebaut habe, sei inzwischen aufgebraucht. Mittlerweile hinke man aufgrund des schwachen dritten Quartals der Stromproduktion sogar hinterher. «Momentan liegt die Stromproduktion der Kraftwerke in Laufenburg und Rheinfelden zusammengenommen zwischen drei und vier Prozent unter jener eines durchschnittlichen Jahres», sagt Ulrich.

Weniger Wasser als im Sommer

Mit Blick auf den aktuellen Pegelstand ist davon auszugehen, dass die Kraftwerke am Rhein weiterhin nur unterdurchschnittlich Strom produzieren werden. «Aktuell führt der Rhein noch weniger Wasser als im Sommer», so Ulrich. Normal für den Oktober wäre eine Abflussmenge von 870 Kubikmetern pro Sekunde. Derzeit sind es nur rund 500 Kubikmeter pro Sekunde und damit rund 100 Kubikmeter weniger als Mitte August, als bereits viele der Kleinkraftwerke im Südschwarzwald zum Stillstand kamen. Die Gefahr, dass dies den Rheinkraftwerken in Rheinfelden und Laufenburg passieren kann, besteht laut Ulrich jedoch nicht. «Die geringste Abflussmenge lag bei 400 Kubikmeter pro Sekunde, und selbst da wurde noch Strom produziert.»

Keine betrieblichen Auswirkungen

Zwar nutzt das Unternehmen den niedrigen Wasserpegel dazu, um beispielsweise Arbeiten an den Turbinen zu erledigen, dennoch würde man natürlich lieber wieder mehr Strom produzieren, «zumal der Börsenpreis für Strom aktuell sehr hoch ist», so Ulrich. Was das für die Bilanz bedeute, könne man noch nicht abschätzen, da noch drei Monate bevorstehen. «Im besten Fall kommt es hinsichtlich der Produktion im Herbst zu vielen starken lokalen Niederschlägen», sagt Ulrich. Wichtig sei auch, dass es sich bei den herbstlichen Niederschlägen in der Alpenregion um Regen und nicht um Schnee handle, weil dieser nicht direkt ins Flachland und damit in den Rhein abfliesse.

Auch falls bis zum Ende des Jahres die Stromproduktion weiter unterdurchschnittlich bleibe und dadurch die Jahresbilanz mau ausfalle, werde dies keine Auswirkungen auf betriebliche Entscheidungen im Kraftwerksbetrieb haben, sagt Ulrich. «Wasser unterliegt als natürliche Ressource Schwankungen. Deswegen planen wir im Kraftwerksbetrieb immer langfristig, da sich auf Dauer die Schwankungen immer ausgleichen.»