Herznach
Nach Attacke auf Jogger: So schützen Bussarde ihre Jungen

Ein Mäusebussard schützt nahe der Schiessanlage seinen Nachwuchs – auch mit Angriffen auf Jogger. Das gilt es zu beachten.

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Wenn er seinen Nachwuchs beschützen will, kommt es vor, dass ein Mäusebussard Jogger angreift.

Wenn er seinen Nachwuchs beschützen will, kommt es vor, dass ein Mäusebussard Jogger angreift.

Aargauer Zeitung

«Ein Jogger hat sich auf der Gemeindekanzlei gemeldet und berichtet, dass er im Bereich des Zielhangs der Schiessanlage von einem Mäusebussard angegriffen worden ist», erzählt der Herznacher Gemeindeschreiber Harry Wilhelm. Da dem Jogger letztes Jahr bereits Ähnliches widerfahren ist, bittet die Gemeinde nun Jogger und Walker, das Gebiet in den nächsten paar Wochen zu meiden. «Wir hängen an drei Orten in der Nähe auch Warnschilder auf», so Wilhelm.
Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach kennt das Phänomen. «Es gibt immer wieder Fälle von Mäusebussarden, die Attacken oder Scheinattacken auf Jogger fliegen», so der Experte. «Es handelt sich allerdings nur um rund ein Dutzend pro Jahr.»

Gemessen an den 20'000 bis 25'000 Brutpaaren in der Schweiz und den zahlreichen Joggern ein sehr kleiner Wert. «Das Risiko, sich den Fuss zu vertreten, ist deutlich höher», so Kestenholz. Mit ihrem Verhalten wollen die Mäusebussard-Eltern ihre Jungen schützen. Diese verlassen zwischen Mitte Mai und Mitte Juli den sicheren Horst und unternehmen erste Flugversuche. «Die Jungen sind noch nicht so gewandte Flieger und landen auch mal in der Nähe von Waldwegen», so Kestenholz. Sehen die Eltern ihren Nachwuchs in Gefahr, versuchen sie, mit Attacken den vermeintlichen Feind zu erschrecken und fernzuhalten.

Der grösste Teil der Angriffe richtet sich gegen Jogger, vereinzelt sind auch Velofahrer betroffen. Spaziergänger werden dagegen laut Kestenholz kaum attackiert. Eine abschliessende Erklärung dafür gibt es nicht. «Wir gehen aber davon aus, dass die Vögel die höhere Geschwindigkeit als Bedrohung ansehen.» Auch Kestenholz rät deshalb Joggern, betroffene Gebiete zu meiden – oder das Tempo zu verlangsamen. (mf)