Laufenburg

«Mit Hegen und Pflegen hat das nichts zu tun» – Entenjagd sorgt für Kritik

Stockenten dürfen in Baden-Württemberg und im Aargau von September bis Januar gejagt werden.

Stockenten dürfen in Baden-Württemberg und im Aargau von September bis Januar gejagt werden.

Auf badischer Rheinseite in Laufenburg wurde Jagd auf Wildenten gemacht – Bernhard Kallup, Kreisjägermeister im Kreis Waldshut, sieht keine Gefahr für Spaziergänger am Rheinufer.

Zwischen Weihnachten und Neujahr machten auf badischer Rheinseite in Laufenburg Jäger Jagd auf Enten – sehr zum Unmut von Dieter Deiss. Er machte seinem Ärger mit deutlichen Worten in einem Leserbrief Luft. Der Jäger sei in erster Linie Heger und Pfleger, schreibt er.

Grundsätzlich habe er deshalb nicht einmal etwas gegen die Jagd. «Mit Hegen und Pflegen hat aber diese Entenjagd am Rhein überhaupt nichts zu tun», so Deiss, der in unmittelbarer Rheinnähe in Laufenburg wohnt, weiter.

Keine Überpopulation

So habe es während des letzten Sommers nur sehr wenige Enten auf dem Rhein gehabt. «Erst in den letzten Wochen hat es wieder einigen Zuzug gegeben, allerdings in sehr bescheidenem Rahmen.» Von einer Überpopulation, die reguliert werden müsste, könne da noch lange nicht gesprochen werden, ist er deshalb überzeugt.

Das Tun der Jäger sei «nichts anderes als ein primitives Hobby, wo man genüsslich seine Lust am Töten auslässt. Mit dieser Knallerei werden zudem die Menschen entlang des Rheins mit unnötigem Lärm belästigt und durch mögliche Fehlschüsse gefährdet.»

Derzeit keine Schonzeit für Wildenten

Bei allem Unmut von Deiss ist klar: Sowohl auf deutscher wie auch auf Schweizer Seite ist die Jagd auf Wildenten im Dezember legal. Die Schonzeit beginnt auf badischer Seite erst wieder am 15. Januar, in der Schweiz gar erst Ende Januar. Darauf verweist auch Bernhard Kallup, Kreisjägermeister im Kreis Waldshut.

Kallup nahm selber nicht an der Entenjagd in Laufenburg teil. Er sagt aber: «Ziel und Aufgabe der Jagd ist laut gesetz­licher Vorgabe eine angepasste Wildpopulation sicherzustellen und nicht die Auslöschung von Wildarten. Ich gehe daher von einem massvollen Eingriff in den Bestand aus.»

Wildentenstrecke ist rückläufig

Offizielle Zählungen zum Entenbestand fehlten in Deutschland, so Kallup weiter. Die Jagdstrecke 2018/19 des Bundeslandes Baden-Württemberg – sie beinhaltet neben der Anzahl der erlegten Tiere auch die verendet aufgefundenen Tiere sowie die Verluste durch Strassenverkehr und Eisenbahn – weist daraufhin, dass die Entenpopulation relativ gross ist.

So sind in Baden-Württemberg im Erfassungszeitraum 2018/19 10786 Stockenten und 351 andere Wildenten vermerkt. Die Wildentenstrecke sei allerdings seit 35 Jahren rückläufig, heisst es im Kommentar zur Statistik. Für den Kreis Waldshut bewegten sich die Abschusszahlen aber «in einem sehr überschaubaren Bereich», wie Bernhard Kallup sagt. Im Aargau weist die Jagdstatistik für das Jahr 2018 den Abschuss von 295 Wildenten aus.

Gefährdungszone ist sehr klein und im Sichtbereich

Staatsübergreifende Abmachungen, etwa wer die Enten auf dem Rhein bejage, gebe es zwischen der Schweiz und Deutschland nicht, so der Kreisjägermeister weiter. Die badischen Jäger stünden aber «in engem Austausch mit Jagd Aargau».

Eine Gefährdung von Spaziergängern durch die Entenjagd am Rhein, wie sie Deiss in seinem Leserbrief in den Raum stellte, hält Kallup «für ausserordentlich gering». Die Entenjagd werde ausschliesslich mit Schrotflinten und kleinen Schrotkorngrössen von zirka 2,5 Millimetern durchgeführt. «Die Gefährdungszone ist daher sehr klein und immer im Sichtbereich des Schützen.»

Da die Schützen zudem immer eine auffällige Warnkleidung trügen und die Entenjagd nicht versteckt stattfinde, könnten Spaziergänger überdies ­jederzeit den entsprechenden Bereich meiden, so der Kreis­jägermeister weiter.

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Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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