Fricktal

Mit den «Hinterwäldler» geht die Post ab – Die Kultur nimmt langsam wieder Fahrt auf

Die Hinterwäldler auf der Bühne: (v.l.) Simon de Roche, Tobias Rechsteiner und Gabriel Kramer. Hinten am Schlagzeug Roland Hasler.

Die Hinterwäldler auf der Bühne: (v.l.) Simon de Roche, Tobias Rechsteiner und Gabriel Kramer. Hinten am Schlagzeug Roland Hasler.

An den «kleinen Sommerkulturtagen» in Laufenburg spielten die Hinterwäldler in der Badstube gleich zwei Mal. Das Publikum musste sich der Coronasituation anpassen.

Wenn man meint, nichts geht mehr, geht vielleicht doch etwas. Wegen Corona sind zwar die Laufenburger Kulturtage um ein Jahr verschoben worden. Aber: «Wir haben beschlossen, kleine Sommerkulturtage durchzuführen», berichtete Renata Vogt, Vorsitzende des Laufenburger grenzüberschreitenden Kulturausschusses, vor dem Auftritt der Hinterwäldler am Samstagabend.

Volker Paetz hatte mit seiner Coronapredigt den Auftakt gemacht, nun legte also das Trio mit Tobias Rechsteiner, Gabriel Kramer und Simon de Roche nach. Als Hinterwäldler – nicht zu verwechseln mit der fast gleichnamigen Schwarzwälder Kuhart, denn diese heisst Hinterwälder – gaben sie zwei solide und zugleich mitreissende Konzerte.

Das Publikum musste sich dem Coronamodus anpassen – Adresse angeben, gekennzeichnete Stühle benutzen – was die gute Stimmung aber nicht trübte. Eine Pause gab es nicht, auch wurden keine Getränke offeriert. Es war also eine trockene Angelegenheit, der in weiser Vor­aussicht manch ein Gast ein Schnippchen schlug, indem er oder sie sich selbst mit Flüssigem versorgte. Was wiederum einem besonderen Ereignis am Ende des Konzerts am Samstag zugutekam. Denn die Band wollte eine Nottaufe ihrer soeben eingetroffenen neuen CD «Hinterwäldler 2» vornehmen, doch es fehlten sowohl Sekt als auch Kirsch, weshalb die Wahl auf ein deutsches Bier fiel. Aus der neuen Scheibe gab es drei Lieder als Zugabe.

Ein Lied über Mamis Schönheitssalon

Davor hatten die Hinterwäldler mit erfrischender Spielfreude Eigenkompositionen und verschweizerdeutschte Coverversionen präsentiert. Es gab das von Ringo Starr auf der Beatles-Platte «Help» gesungene «Act Naturally» zu hören, «House oft the Rising Sun» von Eric Burdon & The Animals, und es wurde der Soundtrack von «Pulp Fiction» gestreift, alles natürlich so dargeboten, wie den Sängern der Schnabel gewachsen ist. Dass Mami einen Schönheitssalon hat, war ein Lied wert, die schönen Rebberge und der blaue Mond über dem Fricktal sowieso.

Der mehrstimmige Gesang und die abwechselnde Besetzung der Instrumente ergaben eine feierliche Kreativität, die von Roland Hasler am Schlagzeug und später von Sonja Wunderlin am Dudelsack gefestigt wurde. Als Simon de Roche dann noch die Geige auspackte, ging die Post definitiv ab. Die Hinterwäldler machten aus der amerikanischen Folkmusik ein eigenes Genre, mit viel Leidenschaft, Spontanität und Witz. «Wir haben ein sympathisches Publikum», stellten sie fest und stiessen singend «den Zug zur Erlösung» an. Der fuhr am Sonntag ein zweites Mal und wieder in der Badstube vor.

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