Fricktal
Marroni aus dem Mettauertal: Reiche Nahrungsquelle für Insekten

Landwirt Stefan Zumsteg pflanzt seit einigen Jahren Edelkastanien an – nun sucht er gemeinsam mit Jurapark Aargau Paten für die Bäume.

Nadine Böni
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Im Oktober pflanzte Stefan Zumsteg im Mettauertaler Ortsteil Wil einen Hain mit 24 Edelkastanienbäumen an.

Im Oktober pflanzte Stefan Zumsteg im Mettauertaler Ortsteil Wil einen Hain mit 24 Edelkastanienbäumen an.

Jurapark Aargau

Sie gehören zur Vorweihnachtszeit wie Lebkuchen und Mandarinen: heisse Marroni. Im Mettauertal gibt es sie seit einiger Zeit sogar frisch ab Baum. Der Landwirt Stefan Zumsteg hat 2008 die ersten Edelkastanienbäume in der Egghalde im Ortsteil Wil angepflanzt, zehn Jahre dauerte es ab da bis zur ersten richtigen Ernte. 15 Kilogramm Marroni aus dem Mettauertal gab es damals 2018 – zufälligerweise just im Jahr, in dem die Edelkastanie zum Baum des Jahres erkoren wurde.

Mittlerweile hat Zumsteg den Bestand an Edelkastanienbäumen noch deutlich ausgebaut. Erst im Oktober hat er den ersten grösseren Kastanienhain im Jurapark Aargau gepflanzt. Dieser allein zählt 24 Bäume, womit der Bestand auf 37 Bäume wächst. Bis zu 30 Kilogramm Marroni konnte er in guten Jahren bisher ernten, in Zukunft werden es wohl deutlich mehr.

Ökologische Vorteile, aber auch Herausforderungen

«Kastanienbäume sind wärmeliebend. Sie könnten von den künftig trockeneren und wärmeren Sommern profitieren und gelten daher als Zukunftsbäume im Klimawandel», sagt Zum­steg, der sich auch anderweitig innovativ zeigt. So baut er seit einigen Jahren Silosorghum an anstelle von Silomais als Futtermittel für seine Angus-Mutterkühe. Das Süssgras – auch Sudangras genannt – stammt ursprünglich aus den wasserarmen Regionen Afrikas und übersteht daher Trockenheitsphasen besser. Und noch ein Vorteil hat das Gras gegenüber dem Mais: Wildschweine interessieren sich nicht dafür.

Aber zurück zu den Edelkastanien: Bei Stefan Zumsteg dienen diese auch ein Ersatz für seine überalterten Kirschbäume. «Mein Ziel ist es, den Bestand an Hochstammbäumen zu halten», sagt er. Dies unter anderem aus ökologischen Gründen. Die Edelkastanien seien diesbezüglich sehr wertvoll, sagt Zumsteg. «Die Blüten bieten den Insekten im späten Frühjahr eine reiche Nahrungsquelle.» Sind die Bäume ausserdem etwas älter, bilden sich in ihrer Rinde Furchen, die von Moosen und Flechten, aber auch von Insekten und Vögeln besiedelt werden können.

Edelkastanien können sich nicht selbst befruchten

Neben all diesen Vorteilen ist der Anbau der Edelkastanien aber auch mit einigen Herausforderungen verbunden. So gedeihen die Bäume in einem Boden mit tiefem pH-Wert deutlich besser, der Boden in der Region aber weist einen eher hohen pH-Wert auf. «Die Edelkastanie gehört ausserdem zu den Arten, die sich nicht selbst befruchten können und deshalb auf Fremdbestäubung angewiesen sind», erklärt Zumsteg.

In den vergangenen Jahren hat er deshalb viel gepröbelt und experimentiert. Und er hat Lösungen gefunden. Um den pH-Wert im Boden zu senken, setzt er unter anderem auf Rindenkompost sowie sogenannte effektive Mikroorganismen. Dabei handelt es sich um verschiedene Bakterienstämme, welche die Bodenfruchtbarkeit erhöhen. Die Befruchtung – so hofft Zumsteg – kann mit der Anpflanzung verschiedener Sorten verbessert werden. Für den Kastanienhain etwa hat er gleich sechs Sorten ausgewählt.

Resultat wird erst in einigen Jahren sichtbar

«Wie gut das alles funktioniert, zeigt sich erst in einigen Jahren, wenn die Bäume erstmals Früchte tragen», sagt Zumsteg. Aber: Er ist zuversichtlich. Über den Absatzmarkt für seine Marroni habe er sich noch keine detaillierten Gedanken gemacht, sagt er und fügt mit einem Lachen an: «Ich habe ja noch etwas Zeit.» Ideen aber bestehen. So seien etwa Bäckereien oder Gastronomen in der Region mögliche Abnehmer.

Daneben lanciert Zumsteg nun gemeinsam mit dem Jurapark Aargau das Projekt Kastanienhain. Gesucht werden Marroni-Gottis und -Göttis, die eine Hochstammpatenschaft für den Kastanienhain auf Zumstegs Anlage übernehmen. Sie werden jedes Jahr zu einem Herbstfest eingeladen – und wenn es dann in einigen Jahren so weit ist, dürfen sie natürlich Marroni aufsammeln und über dem Feuer rösten.