Nein, es ist noch nicht Fasnacht. Obwohl dieser Eindruck an der Kulturnacht in Laufenburg entstehen konnte. Zumindest im Rehmann-Museum. Dort, inmitten der Skulpturen von Erwin Rehmann, gaben die Schlossbärghüüler ein zweiteiliges Konzert zum Besten. Mit der sonst beschaulichen Ruhe im Kunsttempel war also nichts, aber einmal im Jahr darf es schon mal krachen. Die Idee, eine Guggenmusik in das Museum zu holen, hatte etwas Verwegenes, funktionierte aber insofern, als allfällige Berührungsängste abgebaut werden konnten.

Etwas Neues probieren – das war auch an anderen Stationen in Laufenburg der Fall. Die 10. Auflage der grenzüberschreitenden Kulturnacht hielt am Samstag einige Überraschungen und Sehenswürdigkeiten bereit. Die Laufenbrücke etwa nutzte der Bildhauer Roland Köpfer als Ausstellungsraum, angereichert mit Bonsais von Heinz-Pfirter-Todorov. Die Künstlergruppe H´ART um Klaus Kipfmüller nutzte die Codman-Anlage für Aktionskunst und eine Lichtinstallation. Noch mehr Kunst – ohne Guggenmusik – präsentierten Elena Romanzin und Simone Urbanke auf deutscher sowie Dieter von Arx und Silvia Gillardon auf Schweizer Seite. Von Arx präsentierte die Kunstarbeit «Bühnenbild», angereichert von einer Lesung über die Schwarzen Bilder von Goya.

Auch sehenswert: Im Zelt auf dem Laufenplatz hatte sich die KulturWerk-Stadt Sulz angesiedelt. Dorly Weiss schuf Keramik von der Töpferscheibe, Edwin Rüede zeigte Fotografien aus der Natur und Corina Weiss gemalte Bilder. Im Mittelpunkt stand aber klar ein roter Faden, hergestellt an einer Strickmaschine. Der Faden zog sich vom Zelt am ehemaligen Zollhaus vorbei bis zur Brücke. Wobei niemand die Frage beantworten konnte, ob der Faden, sobald er die Grenze ins Deutsche überschritten hatte, verzollt werden musste.

Grenzüberschreitend, multikulturell

An der Eröffnung wiesen Bürgermeister Ulrich Krieger und Stadtammann Herbert Weiss auf den grenzüberschreitenden, multikulturellen Charakter der Kulturnacht hin. Auch ohne Stadthalle und Schlössle kamen die Besucher voll auf ihre Kosten. Zumal das Wetter sich von der besten Seite zeigte. Unter freiem Himmel flanieren, ohne nass zu werden – wer hätte das nach dem verregneten August gedacht. So wurde die Kulturnacht zu einem genüsslichen Gang durch die Vielfalt der Kulturen.

Afrikanische Märchen von Martin Moffor gab es neben schweizerdeutsch gesungenen Liedern von Sonja Wunderlin und Gabriel Kramer zu hören. Dahinter zeigte Manuela Maurer Schriftbilder und Keramikobjekte. In der Marktgasse lud Lisa Brutschi zum Bemalen einer Parkbank ein, bei Edita Soldati gab es Malerei zu sehen. Das Theater Wiwa erfreute mit kurzen Szenen, die Schoggiwerkstatt in der Burgmatt verhiess Süsses. Es gab derart viel zu sehen, zu hören und riechen, dass eigentlich zwei Kulturnächte nötig gewesen wären.