Laufenburg
In der «Kultschüür» ist wieder Leben: «Viele Witze erfordern auch eine gute Bildung»

Im Laufenburger Kulturlokal fanden zur ersten Veranstaltung in diesem Jahr viele Interessierte zusammen. Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart und Journalist Urs Heinz Aerni zeigten, weshalb der Witz eine unterschätzte literarische Gattung ist, erklärten, was bei jedem Witz ein absolutes No-Go ist – und erzählten den kürzesten Witz der Welt.

Andrea Worthmann
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In der Kultschüür Laufenburg philosophieren Hanspeter Müller-Drossaart (rechts) und Urs Heinz Aerni über den Witz.

In der Kultschüür Laufenburg philosophieren Hanspeter Müller-Drossaart (rechts) und Urs Heinz Aerni über den Witz.

Andrea Worthmann

«Kennen Sie den?» Auf diese altbekannte Einleitung folgt in der Regel ein Witz. Und mit diesen Worten startete auch das Bühnenprogramm des Schauspielers und Autors Hanspeter Müller-Drossaart und des Journalisten Urs Heinz Aerni.

«Der Witz: Die unterschätzte literarische Gattung», so der Name des Programms, zu dem Martin Willi als Gastgeber das Publikum begrüsste und sich freute, dass die Veranstaltung nun im dritten Anlauf stattfinden konnte, nachdem sie zweimal coronabedingt verschoben werden musste.

Lieber Geschichte als Einleitung

Ein absolutes «No-Go» sei die Ankündigung eines Witzes, sagte Müller-Drossaart und spielte damit eben auf das einleitende «Kennst du den schon?» an. Besser sei es, eine Geschichte daraus zu machen. Oft werden Witze gemacht, wenn man mit mehreren Leuten zusammen ist, um eine Verbindung herzustellen. «Gruppenlustpeitsche» nennt der Schauspieler die Art von Witz – und erntet einen ordentlichen Lacher vom Publikum.

Das Programm gestaltet sich als eine Unterhaltung am Tisch, bei der Aerni meist durch das Gespräch führt und Müller-Drossaart ausführlich wird und auf seine charmant, witzige Art seine Kunst des Schauspielens zeigt.

Der gebürtige Obwaldner kann zudem nahezu jeden Dialekt kopieren und so darf die Gattung «Völkerverständigungswitz» nicht fehlen, in dem die gängigen Kantonsbewohner ihr Fett weg kriegen.

Die Ostschweizer mit ihrem Dialekt oder die Zürcher, die «zu viel Silben ausspucken, aber keinen Inhalt». Und natürlich die Berner, die im Witz, in dem mehrere Kantone in einem Schnecken-Sammel-Wettbewerb gegeneinander antreten, leider keine Schnecke einfangen können. «Husch, sie sind so schnell weg», sagt der Berner und die Pointe sitzt.

Weiter ging es mit dem kürzesten Witz der Welt. Der geht so: «Treffen sich zwei Jäger.» Den kann man sich ausnahmsweise auch mal merken.

Mehr als eine Aneinanderreihung von Witzen

Aber die Vorstellung ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Witzen. Die unterschiedlichen Kategorien werden unterhaltsam beleuchtet. Da gibt es Randgruppenwitze, religiöse Witze, Genderwitze, erotische Witze, Witze über Berufe und natürlich auch über das Alter und das Lebensende.

Dabei schrammt man immer haarscharf am Tabu vorbei und – das sei sehr wichtig, sagt Aerni:

«Viele Witze erfordern auch eine gute Bildung und Hintergrundwissen. Gerade bei karikierenden oder gesellschafts- und politikkritischen Witzen.»

Aerni und Müller-Drossaart nehmen sich selber auch nicht allzu ernst und deshalb gab jeder noch, seiner Gattung gestiftet, einen Witz zum Besten: «Was antwortet also ein Journalist, dem man sagt, er habe nur noch drei Monate zu leben? Er fragt: Und von was?», so Aerni.

Der Applaus von den gut 40 Gästen klang nach dieser einstündigen Vorstellung begeistert und Martin Willi freute sich über diesen positiven Jahresauftakt.

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