Laufenburg
Der Nachtwächter wird jetzt aus dem Stadtsäckel bezahlt: Die Tourist-Führungen laufen ab 2023 unter neuer Regie

Sie waren schon seit längerem weitgehend bei der Tourist-Info angedockt. Ab Januar 2023 wird die ins Rathaus integrierte Stelle nun vollumfänglich für die Stadtführungen zuständig sein und diese vom Förderverein Tourismus Laufenburg übernehmen. Laufenburg glaubt, mit dem neuen Modell bei den Gästen besser zu punkten.

Hans Christof Wagner
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Die Nachtwächter-Führung, hier mit Adi Ruoss, rangiert in der Beliebtheit der total zehn Stadtführungen ganz oben.

Die Nachtwächter-Führung, hier mit Adi Ruoss, rangiert in der Beliebtheit der total zehn Stadtführungen ganz oben.

Hans Christof Wagner

Sie heissen «Zwei Länder, eine Stadt», «Mystischer Streifzug durch dunkle Gassen» oder «Graf Hans IV. – unterwegs mit dem letzten Grafen von Habsburg-Laufenburg»: Bei den Stadtführungen durch Laufenburg, oft auch grenzüberschreitend, erfahren Touristinnen und Touristen Wissenswertes über die lange miteinander verbundenen Schwesterstädte am Rhein.

Die Führungen werden aktuell noch arbeitsteilig erledigt: Die 2021 in die Stadtverwaltung integrierte Tourist-Info ist für Administration, Werbung und Buchungen zuständig. Der Förderverein Tourismus Laufenburg (FVTL) bildet die Stadtführerinnen und Stadtführer aus und sorgt für die Weiterentwicklung der Touren, von denen es zehn verschiedene gibt.

Stadt ohne direkten Einfluss auf Themen- oder Preisgestaltung

Aber offenbar hat das Konstrukt seine Tücken. Die Stadt ist von der Planung über die Zusammenarbeit mit den rund 20 Guides sowie die Administration von der Offerte bis zur Abrechnung zuständig, «ohne jedoch direkten Einfluss auf zum Beispiel Themen- oder Preisgestaltung zu haben», wie Ivan Brigante, Stadtschreiber II, auf Anfrage sagt. Ausserdem erschwere die ehrenamtliche Organisationsstruktur des Fördervereins die Zusammenarbeit. Brigante weiter:

«Die Entscheidungswege waren daher lang, kompliziert und teilweise nicht kundenfreundlich.»
Die Stadtführerausbildung in Laufenburg obliegt noch dem Förderverein Tourismus Laufenburg.

Die Stadtführerausbildung in Laufenburg obliegt noch dem Förderverein Tourismus Laufenburg.

Andrea Worthmann

Schon in der Vergangenheit hätten der Förderverein und die Stadt gemeinsam an einer Leistungsvereinbarung gearbeitet. Sie sei aber nie zu Stande gekommen, erklärt Brigante. Im Frühjahr habe die Stadt den Ball wieder aufgenommen und dem Verein angeboten: Entweder ihr macht künftig alles oder wir übernehmen komplett. In einer ausserordentlichen Generalversammlung beschloss der Verein daraufhin die Abgabe an die Stadt. FVTL-Präsidentin Franziska Winter sagt:

«Die Zeit verändert sich und man muss mit dem Wandel mitgehen. Schlussendlich haben das alle im Vorstand eingesehen und mit grosser Mehrheit der Übergabe an die Stadt zugestimmt.»

Auch Winter sieht «Lücken» im bisherigen System und geht davon aus, dass ab dem 1. Januar diese Lücken geschlossen werden. Denn ab dann wird für alle Stadtführungsbelange die städtische Tourist-Info alleinige Ansprechstelle sein. Schlankere Prozesse, weniger Administration und mehr Wirtschaftlichkeit und Professionalität – das verspricht sich die Stadt vom neuen Modell.

Buchungszahlen steigen nach der Pandemie

Die Stadtführungen seien nach den coronabedingten Einbrüchen bei den Buchungszahlen wieder im Aufwind. Brigante erklärt:

«Wir verzeichnen einen Zuwachs bei den Buchungen sowohl von privaten Gruppen als auch von Firmen.»

Der Hauptanteil der Buchungen sowie der öffentlichen Führungen entfalle auf die klassische geschichtliche Tour «Zwei Länder, eine Stadt», welche die breitesten Informationen über Laufenburg gibt. Aber auch die Nachtwächter-Tour und die Graf-Hans-Tour erfreuten sich grosser Beliebtheit, so der Stadtschreiber II. 2021 sei ausserdem die Führung «Auf den Spuren Erwin Rehmanns» neu lanciert worden und an allen angebotenen sechs Terminen fast ausgebucht gewesen.