Ittenthal
Kunden kommen seit ­Corona mehr denn je: Sie kann ihr «Kind» jetzt ziehen lassen

Sonja Moritz, Mitbegründerin des Ittenthaler Dorfladens, geht in Pension – mit gutem Gefühl.

Hans Christof Wagner
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Sonja Moritz hat gut lachen.

Sonja Moritz hat gut lachen.

hcw (Ittenthal, 12. Januar 2021

Ittenthal ohne seinen Dorfladen wäre für mich wie... Wenn Sonja Moritz den Satz vervollständigen soll, dann antwortet sie: «Das könnte ich mir gar nicht vorstellen. Der gehört für mich einfach zum Dorf dazu.»

Über all die Zeit hinweg hat sie dieses Credo angetrieben. Es hat sie jeden Tag gerne zur Arbeit gehen lassen. Es hat sie «ein wenig böse» werden lassen, wenn die Lieferanten ihr gegenüber demonstrierten, «wer klein ist und wer das Sagen hat». Doch daran ist sie auch gewachsen. Das hat sie zur Kämpferin werden lassen. Das hat sie dazu qualifiziert, 16 Jahre lang «den Laden zu schmeissen», wie es Peter Kalt, Präsident der Ladengenossenschaft, formuliert.

Danach hatte es Mitte der 90er-Jahre nicht ausgesehen, als sie als Aushilfe zu dem damals als Filiale von Kaisten betriebenen Volg-Laden im damals noch selbstständigen Ittenthal hinzustiess. «Für mich war das die Chance, im Dorf selbst arbeiten zu können», sagt die gelernte Drogistin: Der Job war gut mit Kinderbetreuung und Familienarbeit zu kombinieren. Und: «Wir konnten uns dadurch das zweite Auto sparen.»

Volg-Schliessung trieb sie auf die Barrikaden

Doch bald schon zogen dunkle Wolken über dem Lädeli auf. Volg war die Filiale im 220-­Seelen-Dörfli zu unrentabel, kündigte die Schliessung an. Auch Moritz trieb das auf die Barrikaden – motiviert nicht nur vom Wunsch, den Job zu behalten, sondern auch aus Sorge vor der Verödung Ittenthals. «Damals war die Mobilität im Dorf noch nicht so gross wie heute. Es gab noch vergleichsweise viele Bauersfrauen ohne Führerausweis. Die waren auf den Einkauf vor Ort angewiesen», sagt sie.

Um den neuen Laden möglichst fest im Ort zu verankern, war es auch Moritz, die eine genossenschaftliche Form ins Spiel brachte. 76 Ittenthaler kauften Anteilsscheine. Am 11. Juni 2004 war Neueröffnung.

Kunden kommen seit ­Corona mehr denn je

16 Jahre Dorfladen Ittenthal, das war für mich... Wenn Sonja Moritz den Satz vervollständigt, sagt sie: «Ein dauerndes Auf und Ab, aber eine schöne Zeit.» Klar ist: Wer so um seinen Job gekämpft hat, wer sagt, dass die Motivation, morgens aufzustehen, immer das Wohl der Kunden gewesen ist, der macht keinen Job, der zählt keine Stunden. «Halbherzig kann man hier nicht arbeiten», sagt sie. «Man muss mit Herzblut dabei sein, es gerne machen.» Langweilig sei es jedenfalls nie gewesen, «keinen einzigen Tag.»

Nach 16 Jahren Engagement in der Leitung des Ittenthaler Dorfladens kann Sonja Moritz mit gutem Gewissen in Pension gehen. Ihr 2004 geborenes «Kind» ist aus dem Gröbsten raus. Den Laden sieht sie 2021 über den Berg – dank neuer Lieferanten, 65 Genossenschaftern im Hintergrund und «ganz toller Kunden», die ihn seit Corona wieder mehr denn je aufsuchen. Sonja Moritz gehört dazu – auch nach ihrer Pensionierung.