Die Stiftung für Menschen mit Behinderung im Fricktal (MBF) hat vom Kanton, wie andere Einrichtungen auch, unerfreuliche Post bekommen: Der Kanton muss sparen und kürzt deshalb seine Beiträge an die Stiftung, in der gut 200 Menschen mit einer Behinderung leben und arbeiten, im nächsten Jahr um 2,54 Prozent. Für die Stiftung MBF bedeutet dies: Einsparungen von knapp 600 000 Franken.

Die Hiobsbotschaft aus Aarau traf die Stiftung «zum Glück», wie Geschäftsleiter Jean-Paul Schnegg sagt, nicht unvorbereitet. Bereits im Mai zeichnete sich ab, dass der Kanton seine Beiträge zumindest nicht einfriert, wohl aber kürzt. «Seither läuft bei uns die Suche nach Sparmassnahmen auf Hochtouren», erklärt Schnegg.

Einstellungsstopp verfügt

Als Erstes verfügte der Geschäftsleiter einen Einstellungsstopp. Vakanzen dürfen seither nur mehr nach Rücksprache mit ihm wiederbesetzt werden. «So können wir bis Ende Jahr netto sechs Stellen ohne Kündigungen einsparen», sagt Schnegg. Klar ist aber auch: Den Stellenabbau, der sämtliche Bereiche betrifft, «wird man im Leistungsumfang spüren».

Nochmals optimiert wurden auch die laufenden Kosten. Der Sachaufwand wurde auf weitere Sparmöglichkeiten hin durchleuchtet, die Aufgaben in der Administration wurden zum Teil neu zugeordnet.

Neben den Sparmassnahmen will die Stiftung MBF Mehreinnahmen durch eine höhere Belegung respektive Auslastung der Wohn- und Arbeitsgruppen erwirtschaften. Bei den 15 Wohngruppen liegt diese derzeit – wie auch bei den Ateliers und den Werkstätten – bei rund 97 Prozent. «Wir haben zwar Leute, die auf einen freien Wohnplatz warten, aber sie passen mit ihrem Profil nicht auf die freien Plätze.»

Mit Rochaden innerhalb der Wohngruppen, die für Menschen mit Behinderung immer auch belastend sind, werden die freien Plätze nun belegt. Damit wird die Belegung auf 100 Prozent erhöht, was mehr Einnahmen generiert. Ebenso muss die Auslastung der geschützten Arbeitsplätze sowie der Beschäftigungsplätze bei mindestens 98 Prozent liegen, um weitere Mehreinnahmen erwirtschaften zu können.

Kein Teuerungsausgleich

Auch die rund 200 Angestellten müssen das Sparprogramm mittragen: Sie bekommen, wie schon im letzten und zum Teil vorletzten Jahr, weder eine Lohnerhöhung noch eine Teuerungszulage. «Das ist für die Mitarbeiter nicht gerade motivierend.» Zudem mache dies «im Sandwich zwischen Zürich und Basel, die ohnehin schon deutlich höhere Löhne zahlen, die Rekrutierung von guten Mitarbeitern nochmals schwieriger».

Die Mitarbeiter müssen ab 2016 zudem die Arbeitnehmerbeiträge bei der Krankentaggeldversicherung wieder vollumfänglich selber tragen. Die Stiftung übernahm in diesem Jahr den Teil, den die diesjährige Prämienerhöhung ausmachte, «als kleines Zeichen, da wir ja bei den Löhnen nichts machen konnten».

Trotz allen Sparbemühungen: Aktuell fehlen Schnegg noch rund 50 000 Franken. Das Budget wird zurzeit nochmals gründlich durchforstet. Zudem ist der Geschäftsleiter im Gespräch mit dem Kanton: «In den 2,54 Prozent, die wir einsparen müssen, sind 0,7 Prozent Mutationsgewinne eingerechnet», sagt Schnegg, «Das ist nicht in Ordnung.» Denn die Mutationsgewinne – dabei handelt es sich um die Einsparung, die ein Unternehmen einzig dadurch erzielt, dass es einen Pensionierten durch einen kostengünstigeren, jüngeren Mitarbeiter ersetzt – mögen beim Kanton in dieser Höhe anfallen. «Bei uns sind die Mutationsgewinne praktisch inexistent.»

Faire Sparmassnahmen gefordert

Er wehre sich nicht dagegen, zu sparen, betont Schnegg, «aber die Massnahmen müssen fair sein». Und das sei beim Mutationsgewinn definitiv nicht der Fall. «Zudem müssen die Konsequenzen der kantonalen Sparmassnahmen auf den Menschen mit Behinderung im Dialog mit allen Betroffenen thematisiert werden und gemeinsam adäquate Lösungen erarbeitet werden.»

Nicht einfach macht es sich Schnegg. Sein Ziel ist es nach wie vor, mit einer schwarzen Budget-Null ins 2016 starten zu können. Dazu lässt er derzeit auch prüfen, ob Investitionen zurückgestellt werden können.

Und wenn nicht? Drohen dann Kündigungen? «Nein», sagt Schnegg, der gebürtige Welsche, bestimmt. «Das will ich à tout prix verhindern.» Lieber starte er mit einem kleinen Defizit ins Geschäftsjahr 2016 und leite nach einer breiten Leistungsanalyse weitere Schritte ein. Klar ist für ihn dabei: «Wir haben finanziell keine Luft mehr. Jede weitere Einsparung führt unweigerlich zu einem weiteren Leistungsabbau.»

Wie dieser Leistungsabbau aussehen könnte, kann Schnegg noch nicht abschätzen. «Wir wollen aber sicher nicht Leistungen in unseren Kernbereichen zurückfahren.» Vorstellen kann er sich, dass beispielsweise gewisse Freizeitangebote gekürzt werden oder dass dafür neue Finanzierungsmodelle gesucht werden.

Als Beispiel nennt Schnegg die Ferienlager. Heute kann jede Wohngruppe mehrheitlich auf Kosten der Stiftung einmal im Jahr ein einwöchiges Lager durchführen. Man müsse diskutieren, so Schnegg, ob dies unter den veränderten finanziellen Rahmenbedingungen noch möglich sei oder ob allenfalls der Turnus geändert oder ein «Sponsor» für die Lager gesucht werden müsse. «Auch solche Kürzungen sind unschön», weiss Schnegg. «Aber sie wären wohl das kleinste Übel.»