Das Ergebnis war deutlich: Mit 93 zu 39 Stimmen bestätigte die Reformierte Kirchgemeinde Wegenestettertal die deutsche Pfarrerin Johanna Spittler im Amt. Dies, obwohl die Kirchenpflege Spittler nicht für die Wiederwahl empfahl und es massive Kritik an der Pfarrerin hagelte: zu wenig Erfahrung, eine mangelnde Kommunikation und eine «zu starke Verwurzelung in der deutschen evangelisch-kirchlichen Tradition» wurden ihr von der Kirchenpflege vorgeworfen.

Ruth Imhof, Kirchenpflegepräsidentin ad interim, ist trotz des klaren Wahlausgangs nicht der Ansicht, dass die Kirchenpflege bezüglich der Pfarrwahl an der Kirchgemeinde vorbeiagiert habe. «Wir waren nach der zweijährigen Probezeit der Pfarrerin aufgefordert, Stellung zu beziehen. Den Entschluss der Nicht-Empfehlung haben wir sorgfältig getroffen», sagt sie.

Überrascht vom Ergebnis der Wahl ist Imhof nicht. «Ohne massive Kampagne war damit zu rechnen, dass eine Mehrheit der Wählenden Pfarrerin Johanna Spittler die Stimme geben würde.» Auf eine Kampagne habe man bewusst verzichtet, um «den Konflikt so wenig wie möglich in die Kirchgemeinde hereinzutragen» und «um nicht die Basis für die Weiterarbeit im Fall einer Wiederwahl der Pfarrerin zu zerstören».

Gemeinsame Arbeitsbasis finden

Aufgabe der Kirchenpflege wird es nun sein, im Interesse der Gemeindemitglieder eine gemeinsame Arbeitsbasis mit Pfarrerin Spittler zu finden. Dabei wird sich das Gremium gemäss Imhof auch extern beraten lassen und einen neuen Weg der Kommunikation finden müssen.

Konkrete Massnahmen, wie das Vertrauensverhältnis wieder hergestellt werden kann, werden Thema der nächsten Sitzung der Kirchenpflege sein. «Wir reichen Johanna Spittler die offene Hand. Im Moment gilt es aber noch, das Ende ihrer Erholungszeit nach ihrem Verkehrsunfall abzuwarten», so Imhof. Diese dauert mindestens noch bis Ende des Monats.

Imhof betont, dass es für die Kirchenpflege wichtig sei, mit Spittler das Thema «partnerschaftliche Gemeindeleitung» aktiv anzugehen – für ihren hierarchischen Führungsstil stand Spittler in der Kritik. «Partnerschaftliche Gemeindeleitung heisst, dass die Mitglieder der Kirchenpflege und die gewählten ordinierten Dienste gemeinsam die Kirchgemeinde leiten», sagt Imhof.

Um der Glaubwürdigkeit der Kirche willen

Auch Spittler ist darum bemüht, einen Schritt auf die Kirchenpflege zuzugehen. «Ich nehme das Modell der partnerschaftlichen Gemeindeleitung ernst», sagt sie.

Neben dem grossen Vertrauen, das ihr die Gemeindemitglieder an der Urne geschenkt haben, freut sich Spittler darüber, dass nun die Kirchenpflege dazu bereit ist, offene Fragen mit fachlicher externer Unterstützung, wie es bereits schon die Aargauische Landeskirche empfohlen habe, anzugehen. «Die Wählerschaft hat beiden Seiten den Auftrag zur Zusammenarbeit erteilt und wir sind um der Glaubwürdigkeit der Kirche willen verpflichtet, ihn nach besten Wissen und Gewissen zu erfüllen», sagt Spittler.

Damit dies gelingt, dürften ein respektvoller Umgang, das gegenseitige Zuhören und das Miteinander-Reden ein erster Schritt auf diesem Weg sein, so Spittler.