Frick
Isabelle liegt mit der Puppe Sisyphos im Bett

Auch im Bett kann man ganz vortrefflich philosophieren über die Dinge des Lebens. Doch nicht alleine, wie die Künstlerin Katja Baumann im Meck zeigte.

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Den Sinn ihres Tuns hinterfragt: Isabelle mit der Puppe im Bett. – Foto: ari

Den Sinn ihres Tuns hinterfragt: Isabelle mit der Puppe im Bett. – Foto: ari

Für das Figurentheater «Im Bett mit Sisyphos» hatte Katja Baumann die freizügig bekleidete, sprechende Puppe Sisyphos auf die Kleinkunstbühne im Meck in Frick mitgebracht.

Ein anderer Part für Sisyphos

Der Name Sisyphos steht eigentlich für den tragischen Helden aus der griechischen Mythologie, der in der Unterwelt dazu abgestraft wurde, in ewig sinnloser Wiederholung einen Steinquader auf einen Berg hochzubringen. Doch der rollte stets wieder nach unten. Eine Fron, die in diesem Stück eher für die leistungsorientierte Karrierefrau Isabelle steht. Denn Sisyphos hat hier einen etwas anderen Part übernommen. Er liebt die absolut gemütliche Gangart des Alltags, befasst sich lebensfroh mit solch verzichtbaren Dingen wie dem Liebesleben der Affen.

Zwei absolute Gegensätze prallen mit «Sissi», dem Geniesser und Isabelle, die beruflich immer höher hinaus will, konfrontativ aufeinander. Mit hintersinnigem Humor und Nachdenklichkeit diskutieren die beiden im Bett, schweigen und missverstehen sich, kuscheln und lieben sich heftig.

Isabelle hat einige Mühe, ihre beruflich zielorientierte Tätigkeit zu erklären, beginnt, den Sinn ihres Tuns zu hinterfragen. Sie kommt dabei in einige Nöte, meint kurz angebunden zu «Sissi», dass er ja nur eine Puppe sei, Teil von ihr selbst. Erkennt plötzlich, dass sie manches in ihrem Leben bisher einfach verdrängt, nicht wahrhaben wollte.

Eine lebensgrosse Puppe

Durch das Spiel mit der wuscheligen Puppe kommt nicht Zugelassenes witzig und unterhaltsam ans Tageslicht, wunde Punkte werden aufgezeigt, kritische Fragen gestellt, Schutzbehauptungen zerplatzen wie Seifenblasen. Nach einer fast schlaflosen Nacht, in der «Sissi» mit seinem selig grunzenden Schnarchen Isabelle fast verzweifeln lässt, kommen ihr im Morgengrauen dann doch so manch neue Überlegungen in den Sinn.

Ist das Unnütze wirklich so unproduktiv? Muss man immer nur funktionieren? Sind nur die materiellen Dinge so erstrebenswert? Die Beantwortung solcher Fragen ist, ganz klar, ein längerer Prozess. Vorerst begibt sich Isabelle wieder in ihre gewohnte Tretmühle, hängt Sisyphos am Ende erst reichlich genervt am Kleiderhaken auf, trägt ihn dann aber doch reuig auf den Armen davon.

Katja Baumann hat diese lebensgrosse Puppe in 300 Stunden Handarbeit selbst hergestellt. Die 45-Jährige hat eine Ausbildung als Bewegungsschauspielerin in Zürich und als Musicaldarstellerin in Wien abgeschlossen. Sie ist Mitbegründerin des NordArt-Theaters und des jährlich stattfindenden Theaterfestivals in Stein am Rhein. Auch andere Figuren und Masken stellt sie selbst her. (ari)

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