Im Anfang war ein Wort. Oder genauer: eine Anfrage. Norbert Plumhof, reformierter Pfarrer von Laufenburg und passionierter Bibelsammler, schlug dem Museumsverein Laufenburg vor, im «Schiff» eine Ausstellung rund um das Buch der Bücher und insbesondere die ersten gedruckten deutschen Bibelausgaben zu machen. «Die Idee gefiel uns sofort», erinnert sich Hannes Burger, Präsident des Vereins.

Ein ideales Datum für die Ausstellung war ebenfalls schnell gefunden: 1519, das Jahr, in dem die Schweizer Reformierten auf 500 Jahre Reformation zurückblicken. Im Januar 1519 trat Huldrych Zwingli seine Stelle als Leutpriester am Grossmünster in Zürich an – und schrieb von hier aus Geschichte.

Und die Geschichte hinter dieser Geschichte, das geschriebene Wort eben, das im Anfang stand, die Bibel also war ein wesentlicher Treiber der Reformation. «Sola scriptura», mahnten die Reformatoren, allein die Schrift.

Rund 100 dieser Schriften, samt und sonders Prunkstücke der frühen Druckkunst, sind ab dem 30. März im «Schiff» ausgestellt. «Biblia deutsch. Entstehung – Handwerk – Kunst» heisst die neue Ausstellung, welche die siebenköpfige Ausstellungsgruppe unter der Leitung von Martin Blümcke konzipiert hat und derzeit aufbaut. Heute wird der funktionstüchtige Nachbau einer Gutenbergpresse angeliefert, den Antikschreiner Walter Schraner im Auftrag des Museumsvereins gebaut hat. «Einfach traumhaft», sagt Burger.

Traumhaft muten auch die ausgestellten Bibeln an. Eine «Biblia deutsch» von Günther Zainer etwa ist zu sehen – gedruckt um 1474/75 in Augsburg. «Die Zainerbibel ist die dritte deutschsprachige Bibelausgabe und zugleich die erste mit Illustrationen gedruckte Bibel», heisst es dazu im Museumsführer.

«Moment», mag nun der eine oder andere einwenden. War nicht Luther der Erste, der eine deutschsprachige Bibelausgabe publizierte. War er nicht. Vor Luther habe es schon 18 vorreformatorische Bibelausgaben auf Deutsch gegeben, weiss Plumhof, und Luther sei auch in der Reformation nicht der Erste gewesen. «Zwar hatte er zuerst das Neue Testament übertragen, aber bei der kompletten Bibel waren dann die Zürcher fünf Jahre schneller und sogar die katholische Gegenübersetzung von Dietenberger erschien noch kurz vor Luthers erster Komplettausgabe von 1534», so Plumhof. Selbstredend sind auch diese Bibeln zu sehen.

«Dass es in Laufenburg eine solche Bibelsammlung gibt, ist alles andere als selbstverständlich», sagt Burger. «Man muss schon weit gehen, bis man etwas Vergleichbares zu sehen bekommt.»

Beim Sehen bleibt es in der Ausstellung indes nicht. Zum einen kann jeder, der will, in rund 30 der 100 ausgestellten historischen Bibeln selber blättern. Zum anderen geht die Ausstellung auch ausführlich auf Druckkunst, Handwerk und Überlieferungsprozess ein. Darüber hinaus bietet das Museum an speziellen Anlässen die Möglichkeit, sich selber am Binden von Büchern zu versuchen, «um selbst ein Gespür für diese handwerkliche Tätigkeit zu bekommen», wie Diakon Thomas Frey, Pastoralraumleiter der Region Laufenburg und Mitglied der Ausstellungsgruppe, im Museumsführer schreibt.

Brücke schlagen

Die Ausstellung erlaube «einen Blick auf die unerschöpfliche und vielfältige Bedeutung der Bibel, auf ihren Einfluss vor und nach der Reformation und bis heute», würdigt Gottfried Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, die Ausstellung in Laufenburg. Laufenburg sei ein sehr geeigneter Ort für diese Ausstellung, meint Locher mit Verweis auf die Brückenfunktion des Städtchens. «Hier werden Menschen miteinander verbunden, wie schon die Reformation Brücken schlagen wollte.»

Eine neue Brücke zur Bibel schlug die Vorbereitung auf die Ausstellung auch bei Hannes Burger persönlich. Norbert Plumhof schenkte ihm eine kleine Ausgabe des Neuen Testamentes in der Neuen Genfer Übersetzung. Darin liest Burger nun seit dreiviertel Jahren. Jeden Abend ein paar Verse. Aktuell ist er bei Johannes angelangt, der schreibt: Im Anfang war das Wort; das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Biblia deutsch: Vernissage am 30. März, 16 Uhr, Museum Schiff, Laufenburg.