Urteil

Hund biss anderen Hund zu Tode – Halter freigesprochen

Tödliche Attacke.  (Symbolbild)

Tödliche Attacke. (Symbolbild)

Weil für den Halter die Situation nicht vorhersehbar war, hat er laut dem Bezirksgericht Rheinfelden keine Pflichtverletzung begangen. Der zu Tode gekommene Hund soll nicht einfach gewesen sein, auch das wird zu der Entscheidung beigetragen haben.

Die Anklage gegen Kobe (Name geändert) vor dem Bezirksgericht Rheinfelden lautete auf Missachtung der Aufsichtspflichten als Hundehalter. Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg warf dem Einwohner Möhlins fahrlässiges Handeln vor.

Im Juli vergangenen Jahres war es im Riburgpark in Möhlin zu einem tragischen Ereignis gekommen, als Kobe mit Larissa auf dem Heimweg war. Zwei dem Halter bekannte Mädchen kamen, um mit der angeleinten Larissa zu spielen.

Unbemerkt von Kobe näherte sich ein Junge mit dem ebenfalls angeleinten Malteser Mogli, der nach einer Pfote der Hündin schnappte, woraufhin diese ihn in Kopf und Halsbereich biss. Kobe trennte die Hunde sofort voneinander, allerdings verstarb Mogli noch vor Ort. Die Staatsanwaltschaft warf Kobe vor, dass er bei gehöriger Aufsicht und Kontrolle die Attacke auf den Malteser verhindern hätte können.

Larissa ist ein American Staffordshire Terrier und seit der Gesetzeseinführung 2003 ein sogenannter Listenhund. Bei der ­Befragung durch Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab erklärte der 40-jährige Kobe, dass es noch nie einen Vorfall mit der zwölfjährigen Larissa gegeben habe. Im Gegenteil habe diese erfolgreich Hundekurse und Prüfungen absolviert. Zudem habe Larissa dreimal die Woche Umgang mit anderen Hunden in einer Hundepension.

«Mein Hund ist trainiert», so Kobe. Bei dem Vorfall führte er Larissa an einer etwa armlangen Leine. Kobe führte aus, dass das Annähern von Mogli und dem Jungen durch ein Gebüsch verdeckt worden sei. «Es war wie ein Horrorfilm», sagt Kobe. «Auf einmal war ein anderes Tier zwischen den Mädchen.»

Die Verteidigerin forderte den Freispruch von Kobe, da der Angeklagte seine Aufsichtspflicht nicht vernachlässigt habe. «Die Staatsanwaltschaft erwähnt nicht, was er hätte anders machen können», widersprach die Verteidigerin dem Vorwurf der fahrlässigen Missachtung der Aufsichtspflicht. «Er konnte nicht vorhersehen, dass sich Mogli hinter dem Gebüsch anschleicht.»

Larissa wurde an kurzer Leine geführt, während Mogli von einem Kind an langer Auszugsleine geführt wurde. Sie verwies auf die Stellungnahme einer Nachbarin, die schriftlich erklärt hatte, dass es mit Larissa noch nie Probleme gegeben habe, allerdings Mogli ein schwieriger Hund gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Busse von 900 Franken sowie die Übernahme der Kosten für den Polizeieinsatz und eine Strafbefehlsgebühr gefordert. Das Gericht folgte aber der Einschätzung der Verteidigung und urteilte, Kobe von Schuld und Strafe freizusprechen. «Es ist nicht ersichtlich, welche Sorgfaltspflicht er verletzt haben soll», begründete Lützelschwab die Entscheidung. «Im vorliegenden Fall ist nicht ersichtlich, was er hätte unternehmen können.»

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