In der Reformierten Kirchgemeinde Frick hängt der Haussegen schief. Der Grund: Kurator Markus Fricker, eingesetzt von der Landeskirche, um in der Kirchgemeinde für einen Neustart zu sorgen, möchte verhindern, dass Pfarrer Johannes Siebenmann an den Gesamterneuerungswahlen vom 23. September wiedergewählt wird. Gegenüber der AZ macht Siebenmann nun publik, dass er die nötigen 20 Unterschriften der Mitglieder der Kirchgemeinde zusammen hat, um sich als Pfarrer wiederwählen lassen zu können – diese Unterschriften braucht Siebenmann, weil ihn Fricker nicht zur Wahl vorschlägt.

«Ob ich gehen soll oder nicht, muss die Kirchgemeinde an der Urne entscheiden. Das kann nicht der Kurator», sagt Siebenmann. Bei seinem Entscheid, sich zur Wiederwahl zu stellen, gehe es ihm nicht um seine Person, sondern um die Gemeinde, in deren Dienst er seine Gaben stellen wolle. Dazu gehöre insbesondere ein «nicht selbstverständlicher» Zugang zu den Jugendlichen. «Für sie schlägt mein Herz. Sie sind der wesentliche Grund, wieso ich mich zur Wahl stelle», erklärt Siebenmann.

«Er hätte zurücktreten sollen»

Fricker stösst die Entscheidung von Siebenmann sauer auf. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. «Ich hatte lange gehofft, dass Johannes Siebenmann einsehen würde, dass er sich und der Kirchgemeinde einen Dienst tut, wenn er sich beruflich neu orientiert und von sich aus zurücktritt.» So nähme Siebenmann mit seiner Entscheidung bewusst in Kauf, dass sich der Konflikt in der Kirchgemeinde, den er «massgeblich mitverursacht» habe, weiter zuspitzte und die Kirchgemeinde grossen Schaden erleide. Aus Rücksichtnahme hätte Fricker gerne darauf verzichtet, verschiedene Kritikpunkte gegen Siebenmann aufs Tapet zu bringen, sähe sich nun aber dazu «im Interesse der Kirchgemeinde» gezwungen.

Unter anderem wirft Fricker Siebenmann eine Unfähigkeit zur Zusammenarbeit vor: «Er hat vor allem das gemacht, was er wollte und Absprachen und Abmachungen nicht eingehalten.» Siebenmann entgegnet, dass es zu einfach sei, ihm die Schuld dort in die Schuhe zu schieben, wo die Zusammenarbeit nicht möglich sei. «Manchmal funktionieren Menschen einfach nicht gut miteinander. Das ist dann aber nicht eine Frage von Schuld.» Auch den Vorwurf, dass er «offensichtlich kaum seelsorgerliche Besuche von sich aus» mache, lässt Siebenmann nicht einfach so auf sich sitzen. So sei ihm «einfühlsames Zuhören» als Seelsorger wichtig, doch der traditionellen Erwartung, «der Pfarrer kommt dann schon von sich aus einmal vorbei, kann so manch ein Pfarrer heutzutage nicht mehr selbstverständlich entsprechen».

Problematisch findet es Fricker, dass Siebenmann die Jugendlichen zu «religiös einseitigen» Veranstaltungen mitnehmen will, wie jenen der Jugendkirche International Christian Fellowship (ICF). «Das ist eine Gruppierung mit extremer Frömmigkeitsausprägung, ja sektiererischen Zügen.» Siebenmann bezeichnet dieses Urteil als unhaltbar. «Die Landeskirche Zürich führt demnächst eine Impulstagung durch, um vom ICF zu lernen.» Für Siebenmann ist klar, dass Fricker vom ICF ein «völlig verzerrtes Bild» zeichne, um im Hinblick auf den Gang zur Urne Stimmung gegen ihn zu machen. Auch, dass die Gottesdienstbesucher Mühe mit den Predigten von Siebenmann haben, weil sie «kaum vorbereitet» und «zu wenig in die Tiefe» gingen, verschweigt Fricker nicht. «Ja, die Menschen, die mit meinen Predigten Mühe haben, gibt es. Das sind aber längst nicht alle», sagt Siebenmann.

Sicher ist für Fricker, dass bei einer Wiederwahl von Siebenmann «sehr viel am kirchlichen Leben verkümmert» und sich viele der Leute abwenden würden. Deswegen sei ein «Nein» zu Siebenmann, ein «Ja» zur Zukunft der reformierten Kirche Frick. Siebenmann sieht dies anders: «Vor der Wahl festzulegen, wo die Zukunft der Kirchgemeinde liegt, ist falsch. Dies sollen alleine die Mitglieder am Tag der Wahl mit ihrem Gewissen entscheiden.»