Der beissende Geruch, der noch vor wenigen Wochen in den Räumlichkeiten der Spyk Bänder AG lag, hat sich verzogen. Beim Grossbrand vor 25 Tagen, bei dem eine Angestellte das Feuer legte und sich das Leben nahm, weil ihr Mann, der im gleichen Betrieb arbeitet, von Mitarbeitern des Unternehmens gemobbt worden sei, entstand ein Schaden von rund zwei Millionen Franken am Gebäude. Laut Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, dauern die Ermittlungen zum Brand in Herznach noch an.

Indes steht Andreas Schmid, Co-Geschäftsleiter der Spyk Bänder AG, mit dem Mann der Verstorbenen in Kontakt. «Es ist die moralische wie auch soziale Pflicht des Unternehmens, dem Mitarbeiter in dieser Tragödie so gut wie irgendwie möglich beizustehen.» Groll hege der Mitarbeiter keinen gegen das Unternehmen. Beide sehen sich als «Opfer der tragischen Umstände». Dennoch habe sich im letzten Dialog zwischen Schmid und dem langjährigen Mitarbeiter herauskristallisiert, dass es vermutlich keine gemeinsame Zukunft geben wird. «Für ihn ist es derzeit unvorstellbar, an den Ort des Schicksalsschlages zurückzukehren. Und auch unsere Mitarbeiter haben diesbezüglich Unbehagen ausgedrückt», sagt Schmid. Wenn die Zeit so weit sei, werde man ihm bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unterstützen. Derzeit helfe eine Mitarbeiterin des Unternehmens dem Mann der Verstorbenen bei der Zusammenstellung der Formulare für die Pensionskasse.

Viel Kraft aufgewendet

Derweil sind die Mitarbeiter auf dem Weg, die Produktion in der Bänderfabrik wieder in gewohnte Bahnen zu lenken. In Gesprächen mit einem Team der Krisenintervention Schweiz konnten die Angestellten ihre Ängste und Sorgen sowie Verbesserungsvorschläge für das Betriebsklima zum Ausdruck bringen. «Unter anderem wurde dort eine kollektive Pausenecke angesprochen, die wir anschliessend im Speditionsbereich eingerichtet haben», sagt Schmid.

Weil beim Brand sämtliche Büroräume zerstört wurden, arbeitet das Verkaufs- und Administrationspersonal derzeit an kleinen Schreibtischinseln in der Spedition. «Gerade beim Telefonieren kann dort der Krach zum Störfaktor werden. Zudem sind die Mitarbeiter an den Schreibtischinseln platzmässig eingeschränkt», erzählt Schmid. Froh sei deswegen das Verkaufs- und Administrationspersonal, wenn – voraussichtlich bis Ende September – die rund 20 Büro-Container auf dem Parkplatz des Unternehmens zweistöckig angeordnet und bezugsbereit sind. Co-Geschäftsleiter Rainer van Spyk geht davon aus, dass die Verwaltung der Firma für mindestens 18 Monate im Container-Komplex untergebracht sein wird.

Bilder des Grossbrands:

Van Spyk kann nicht verhehlen, dass die letzten Wochen viel Kraft absorbiert haben. «Unsere Kernaufgaben, der Verkauf und die Vermarktung der Produkte, sind in den Hintergrund getreten.» Sachen wie der Kauf neuer IT-Geräte, das Entleeren der Behälter der Entfeuchtungsgeräte oder die Korrespondenz mit Versicherungen seien in den Vordergrund gerückt. Bei Schmid seien die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zuweilen verschwommen, wenn er abends nach der Arbeit von zu Hause aus mit Mitarbeitern Gespräche geführt oder sich mit dem Mann der Verstorbenen unterhalten habe.

Van Spyk wünscht sich, dass sich die Familie der Verstorbenen und das Unternehmen mit dem Schicksal aussöhnen können, einen Zustand erreichen, in dem beide mit ihm abschliessen können. «Ob das gelingt, ist fraglich. Wenn, dann ist es bis dahin ein langer Weg. Ein Weg, zu dem wir uns jedoch schon aufgemacht haben.»

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