Planungsverband

Gemeindeseminar: E-Government soll auf Gemeindeverwaltungen Usus werden

90 Gemeindevertreter informierten sich über Digitalisierung

90 Gemeindevertreter informierten sich über Digitalisierung

Digitalisierte Prozesse seien ein Standortvorteil, heisst es im Gemeindeseminar des Planungsverbands Fricktal Regio.

Digitale Strategien, Organisationen und Ressourcen sind für Städte wie Zürich, Bern und Luzern, die Kantone und den Bund schon länger Thema. Am ersten Seminarmorgen des diesjährigen Gemeindeseminars wollte man auch die Gemeindevertreter für die Vorteile der Digitalisierten Verwaltung sensibilisieren.

«Im Internet geht es um Daten und Kommunikation», sagte Markus Krack, der erste Referent von gestern Morgen. Um die Digitalisierung, die Prozessschritte einsparen lässt, nutzen zu können, müsse man die Prozesse sehr gut kennen. Die Digitalisierung sei das Ende unseres Föderalismus.

Routinetätigkeiten kann man getrost dem Computer übergeben.» So liessen sich etwa Steuerhinterzieher anhand von Musterverbindungen, sprich Algorithmen, eruieren. Der Dozent für Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau an der Fachhochschule Nordwestschweiz sprach von einer veränderten Gesellschaft, in welcher der Mensch vom Bediener zum Gestalter werde.

Dank Digitalisierung ein reeller Mehrwert?

Es folgte ein Input von Gérald Strub, seit 20 Jahren im Gemeinderat Boniswil und Inhaber der Firma für Organisations- und Prozessberatung Strub Partner AG. Er vertrat gestern die Arbeit der Fachstelle E-Government Aargau, die Rahmenbedingungen, sprich Strukturen und Vorgehenspläne für digitale Gemeindeverwaltungen erstellt.

Mit einem digitalen Wohlfühlbarometer mussten die 90 Gemeindevertreterinnen und -vertreter ihre Haltung zum Thema Digitalisierung in Gemeindeverwaltungen, die unmittelbar auf der Leinwand publiziert wurden, preisgeben.

«Digitalisierte Prozesse verhelfen zu einem Standortvorteil», war Strub überzeugt und nannte elektronische Prozesse wie den E-Umzug. «Schon 30 Prozent der Umzüge heute sind digital. Der Service hat sich, gemessen an den Kosten, bestens bewährt.»

Im Referat der ehemaligen SP-Ständerätin Pascale Bruderer erklärte die Teilhaberin und exekutive Verwaltungsrätin des fünfjährigen Start-ups «Crossiety» die gleichnamige Kommunikationsapp. Das digitale Dorf soll das lokale Zusammenleben und das Engagement im Dorf fördern. Die Daten würden zwar nicht verwertet, jedoch überwacht.

«Gelöscht werden beispielsweise Beiträge von Wutbürgern, die mit rassistischen Kommentaren auffallen.» Föderalismus sei wichtig und die Digitalisierung sollte einen reellen Mehrwert generieren, betonte die ehemalige Politikerin. Sie erwähnte 50 Schweizer Gemeinden und Städte sowie Städte in Deutschland, welche die App schon nutzten.

Anstatt mittels mehrerer Kanäle wie Whatsapp und Facebook zu kommunizieren, die Daten weiterverkauften, sollten Behörden, Vereine und Bürger nur noch via «Crossiety» kommunizieren. «Je mehr sich eine Gemeindeverwaltung auf «Crossiety» zeigt, desto mehr nutzen sie auch die Bewohner», ist Bruderer überzeugt.

Es folgten Inputs zu Digitalstrategien für Gemeinden von Gérald Strub, Manuel Bruder und Andreas Schmid, alle drei Mitarbeiter bei E-Government Aargau. Im Gegensatz zu Bruderer teilt Gérald Strub die Meinung des Ingenieurs Markus Krack, dass Digitalisierung und Föderalismus nicht Hand in Hand gehen könnten.

Gérald Strub suchte im Publikum nach «Public Innovators», deren Wissen es zu sammeln und in Form von Daten und Algorithmen in den Computer einzugeben gilt. «Die föderalen Ebenen müssen aufgebrochen werden.

Die Exekutive und das Verwaltungskader sollten als Vorbilder dienen und sich mit der digitalen Transformation auseinandersetzen.» Andreas Schmid zeigte den Sinn für digitale Prozesse beim Wasserzähler und beim Sammeln von Sozialhilfedaten auf.  Es wird sich zeigen, wie viele Gemeinden sich sowohl E-Government als auch «Crossiety» finanziell leisten.

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