Stein

Für 22 Millionen: Stiftung für Behinderte baut Zuhause für Pensionierte

Bei Siegerprojekt «Tetris 2» werden insgesamt drei solcher zweigeschossigen Baukörper errichtet.

Bei Siegerprojekt «Tetris 2» werden insgesamt drei solcher zweigeschossigen Baukörper errichtet.

Die Stiftung MBF baut für 22 Millionen Franken neue Wohn- und Atelierplätze. Das wird auch mehr Personal erfordern. Bis 2020 sollen 34 Stellen geschaffen werden.

So lange wie möglich in der vertrauten Umgebung bleiben ist der Wunsch ganz vieler. Das ist auch in der Stiftung MBF – ein Unternehmen für Menschen mit Behinderung im Fricktal – nicht anders. «Mehr als ein Drittel unserer Klientinnen und Klienten sind über 50 Jahre alt», sagt Jean-Paul Schnegg, Geschäftsleiter der Stiftung MBF. Jene Altersgruppe, die das Pensionsalter erreicht hat, nimmt stetig zu. Frauen und Männer, die aufgrund einer geistigen, körperlichen, psychischen oder Mehrfachbehinderung bisher in einer Wohngruppe der Stiftung MBF leben, einen Platz in der geschützten Werkstätte und/oder in den Ateliers haben, sollen auch künftig da bleiben können, wo sie sich zuhause fühlen.

«Entweder erfüllen wir den Auftrag gegenüber den Menschen mit Behinderung im Fricktal, oder diese Leute stehen ohne adäquate Angebote da beziehungsweise auf der Strasse», sagt Jean-Paul Schnegg. Das wird nicht der Fall sein. Insgesamt 22 Millionen Franken wird die Stiftung bis 2020 in das Projekt «Wohnen – Ateliers 2020» investieren. Das ambitionierte Vorhaben umfasst einen grossen Neubau sowie den Umbau des Wohnheims Rüchlig (siehe Box).

Es gibt bereits Wartelisten

«Heute sind alle Wohnplätze belegt, die Arbeits- und Ateliersplätze sind fast vollständig belegt. Gleichzeitig haben wir viele Anfragen, 16 Personen stehen zurzeit auf der Warteliste Wohnen», zeigt Jean-Paul Schnegg die Ist-Situation auf. Er sitzt am Tisch in seinem Büro. Deutet auf einen Ausdruck, der einen von der Sonne rot-golden gefärbten Himmel zeigt, darüber ein Zitat von George Bernard Shaw: «Sie sehen Dinge und fragen: Warum? Aber warum nicht träumen von Dingen, die nie waren, und sich sagen: Warum nicht?» Für Jean-Paul Schnegg hat das Symbolcharakter. «Warum nicht?», sagte er denn auch gemeinsam mit Gleichgesinnten. Sie begannen, Träume wahr werden zu lassen.

«Einen ersten Stein haben wir 2010 am Fricktal Forum in Rheinfelden gelegt.» An jenem Forum, so Jean-Paul Schnegg, ging es insbesondere um die Wachstumsprognosen im Fricktal. Die demografische Entwicklung zeigte deutlich, dass mit der Entwicklung des Fricktal und dem Älterwerden der Menschen verschiedene Herausforderungen und Aufgaben auf die Region zukommen. So auch auf die Stiftung MBF. «Wir sagten damals, wir lösen die Baukommission des eben erst abgeschlossenen Werkstatt-Neubaus gar nicht erst auf, wir machen gleich weiter», schmunzelt der Geschäftsleiter der Stiftung MBF, um dann gleich wieder ernst zu werden. Das Sparen beim Kanton auf der einen Seite und andererseits das Projekt «Wohnen – Ateliers 2020» seien riesige Herausforderungen. «Herausforderungen, die wir stemmen werden.»

Einbiegen in die Zielgerade

Der frühe Beginn der Planungen im Jahre 2010, die sehr detailliert ausgearbeiteten Unterlagen, zwischenzeitlich erfolgte Anpassungen und Kostenoptimierungen machten sich bezahlt. Mitte November bewilligte die Abteilung Sonderschulung Heime und Werkstätten (SHW) des Kantons Aargau – er ist bei ähnlichen Projekten aufgrund des herrschenden Spardrucks sehr zurückhaltend – das Vorprojekt. Das Vorhaben «Wohnen – Ateliers 2020» mit dem aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangenen Siegerprojekt «Tetris 2» biegt somit auf die Zielgerade ein. Gleichzeitig hat die Abteilung SHW das Vorprojekt für den Umbau des 1991 erbauten Wohnheimes Rüchlig in Stein bewilligt. Dieser wird gleich im Anschluss an die Fertigstellung des Neubaus in Angriff genommen. Die Bewohner von «Rüchlig» können dann in den Neubau einziehen. Somit werden teure Provisorien vermieden.

Mehr Fachpersonal

Die Realisierung von neuen Wohn- und Atelierplätzen sowie die Erweiterung des Angebots verlangt auch nach mehr Personal. 34 Stellen werden bis 2020 neu geschaffen. Die Neugestaltung und Erweiterung der Begleitungs- und Unterstützungsangebote umfasst unter anderem die Behandlungspflege, Demenz, Palliative Care bis hin zur Sterbebegleitung. Eine herausfordernde Aufgabe, weiss Jean-Paul Schnegg. Die entsprechende Konzeptentwicklung werde ab kommenden Jahr erfolgen. Er fügt zudem an: «Wir werden auch vermehrt mit der Spitex zusammenarbeiten.»

Mit dem Einbiegen auf die Zielgerade gibt es für Jean-Paul Schnegg drei grosse Herausforderungen zu meistern. Zum einen ist das der Bau, zum anderen müssen die zukünftigen Betriebskosten pro Platz im bisherigen Rahmen gehalten werden. «Die dritte und grösste Herausforderung ist der Mensch selbst. Es wird Veränderungen geben wie neue Wohnsituationen, andere Teamkonstellationen oder das Einstellen von neuen Fachkräften», so der Geschäftsleiter. «Das ist die grösste Aufgabe.»

Vor Jean-Paul Schnegg liegt noch immer das Bild mit der leuchtenden Sonne. Mit den neuen Wohn- und Ateliersplätzen sowie der Neugestaltung und Erweiterung der Begleitungs- und Unterstützungsangebote werden geträumte Dinge zur gelebten Wirklichkeit.

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