Noch sind die Seiten leer, noch hat niemand einen Wunsch ins Zuzger Wunschbuch geschrieben. Es liegt ja auch erst seit wenigen Tagen auf der Gemeindekanzlei auf. Gemeindeammann Daniel Hollinger hofft schon, dass sich in den nächsten Tagen und Wochen ein paar Seiten füllen werden – schliesslich möchte er, der erst seit Anfang Jahr als Ammann im Amt ist, gerne den Puls der Bevölkerung fühlen.

«Das Wunschbuch ist ein Versuch, auf die Bevölkerung zuzugehen und sie zu animieren, sich zu äussern», erklärt Hollinger. Es sei eine «niederschwellige Möglichkeit», Anregungen, Wünsche oder auch Sorgen anzubringen, ob mit Namen oder anonym. «Sicher niederschwelliger, als beispielsweise an einer Gemeindeversammlung aufzustehen und vor vielen Menschen zu sprechen», sagt Hollinger mit einem Lachen.

Die Idee für das Wunschbuch in Zuzgen stammt von Gemeindeschreiberin Sabrina Stalder. Sie kannte das Wunschbuch schon aus ihrer Lehrzeit in Magden und machte den Vorschlag, es auch in Zuzgen einzuführen. «Der Gemeinderat fand das eine schöne Idee», sagt sie.

Schon einige Wünsche erfüllt

In Magden gibt es das Wunschbuch seit vielen Jahren. «Das begann schon vor meiner Amtszeit als Ammann», sagt Gemeindeammann André Schreyer. Er schätzt das Wunschbuch, weil «wir so 1:1 den Puls der Bevölkerung spüren können». Bei Versammlungen oder anderen offiziellen Terminen drehten sich die Gespräche meist um bestimmte Projekte oder Probleme. «Ins Wunschbuch schreiben die Leute hingegen frisch von der Leber weg, was sie denken und was sie bewegt», sagt Schreyer. «An Weihnachten sind die Wünsche ja völlig frei – und manchmal vielleicht auch etwas verrückt.»

Die niedergeschriebenen Wünsche und anderen Einträge werden jeweils im neuen Jahr im Gemeinderat diskutiert. Natürlich müssten die Wünsche auf die Machbarkeit geprüft werden, sagt Schreyer. Dabei geht es um die folgenden Fragen: Ist ein Vorschlag finanzierbar? Ist er rechtlich umsetzbar? Ist er sinnvoll für das ganze Dorf?

Einige Wünsche aus der Magdener Bevölkerung erfüllten die Kriterien in den vergangenen Jahren und konnten bereits umgesetzt werden. Zuletzt war das die Weihnachtsbeleuchtung in den Strassen, die vor wenigen Tagen eingeweiht wurde (die AZ berichtete).

Auch in Sisseln, wo das Wunschbuch im letzten Jahr erstmals auflag, scheint der direkte Draht zur Bevölkerung hergestellt. «Manchmal werden wir durch das Wunschbuch auf etwas aufmerksam gemacht, das uns gar nicht bewusst war. Das sind für uns wertvolle Hinweise», sagt Gemeindeschreiber Heribert Meier.

Der Gemeinderat schreibt zurück

Im Wunschbuch von Sisseln zu finden ist beispielsweise der Wunsch nach SBBTageskarten der Gemeinde, nach früheren Busverbindungen am Wochenende oder nach einem neuen Spielgerät auf dem Schulhausplatz – Letzterer konnte in Zusammenarbeit mit der Schulpflege bereits umgesetzt werden, wie Meier sagt.

Ganz egal, ob ein Wunsch umgesetzt wird oder nicht: Wer seinen Eintrag im Wunschbuch von Sisseln mit dem eigenen Namen versieht, kriegt vom Gemeinderat eine Antwort. «Darin erläutern wir, welche Gründe für oder gegen die Umsetzung des Wunsches sprechen», erklärt Meier. Das hat auch der Zuzger Gemeinderat vor. «Jeder Eintrag mit Namen wird von uns eine Antwort kriegen», sagt Hollinger. Damit haben die Sissler und Zuzger Gemeinderäte dem Christkind sogar etwas voraus – dieses schreibt nämlich selten zurück, warum ein Wunsch unerfüllt bleibt.

Ob und welche Wünsche ins Zuzger Wunschbuch geschrieben werden, kann Hollinger nicht abschätzen. «Für uns ist das auch Neuland», sagt er. «Aber wir sind gespannt auf alle Einträge, unabhängig davon, um was es sich handelt – konkrete Wünsche, Sorgen und Anregungen oder einfach ein Dankeschön.»