Fricktal
Obstbauern erwarten nach Frost eine geringe Ernte – dafür aber eine gute Qualität

Christoph Müller aus Schupfart geht von Frostschäden zwischen 50 und 100 Prozent je nach Sorte bei seinen Zwetschgen aus. Zwischen 50 und 70 Prozent je nach Sorte rechnet Gregor Rehmann aus Kaisten bei seinen Kirschen. Der geringe Behang fördert jedoch das Wachstum und die Güte.

Dennis Kalt
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Viele der Blüten auf der Zwetschgenplantage von Christoph Müller in Schupfart haben Frostschäden erfahren.

Viele der Blüten auf der Zwetschgenplantage von Christoph Müller in Schupfart haben Frostschäden erfahren.

Bild: Dennis Kalt / Aargauer Zeitung

Nach dem Frost der vergangenen Nächte verzeichnen die Obstbauern in der Region erste Schäden. So etwa auch Christoph Müller aus Schupfart. Er sagt:

«Tragisch sind die Zwetschgen, da hat es schon ziemlich viele genommen.»

Der Grund: Im Gegensatz zu den Kirschbäumen standen sie bereits zu grossen Teilen in der Blüte. Massnahmen gegen den Frost habe er bei den Zwetschgenbäumen nicht ergriffen, denn: «Das lohnt sich nicht aufgrund ihrer tiefen Preise.»

Auch seine Kirschbäume, die noch in den Knospen stehen, sind betroffen. Hier gibt es besonders in unteren Bereichen der Bäume Frostschäden, denn «die kalte Luft zieht nach unten», so Müller.

Zwischen 50 und 70 Prozent Schäden

Nach einer ersten Grobschätzung geht auch Gregor Rehmann in Kaisten davon aus, dass zwischen 50 und 70 Prozent seiner Kirschen – je nach Sorte – Frostschäden erlitten haben. Er sagt:

«Es wird von der Menge her sicher eine nicht ganz so starke Ernte geben.»

Positiv daran sei, dass es in diesem Jahr keinen Überbehang an den Bäumen gebe, was zuweilen für die Qualität problematisch ist. «Wenn weniger Chriesi an den Bäumen hängen, werden diese grösser», so Rehmann.

Eine Schadensabschätzung – zumindest bei den Sorten, die noch in den Knospen standen – sei derzeit Kaffeesatzleserei, sagt André Steinacher aus Schupfart. «Ob und wie schwer es sie getroffen hat, sieht man erst, wenn sie blühen.» Auch Steinacher geht davon aus, dass es dieses Jahr keine grosse Ernte geben wird. Aber:

«Es wird sicher ein Haufen guter Chriesi geben.»

Nach dem Frost, so weiss Steinacher, ist so manch ein Obstbauer übernächtigt. So haben einige Landwirte in der Nacht Frostkerzen angezündet, um auf den Plantagen gegen den Frost anzukämpfen. 200 dieser Paraffin-Kessel brannten bei Rehmann unter den Bäumen. Jeweils um 22 Uhr, kurz nach Mitternacht und gegen 2 Uhr habe er die Temperatur kontrolliert. Er sagt:

«Mit den Frostkerzen muss man sparsam umgehen, sonst hat man, wenn es richtig kalt wird, sein Pulver bereits verschossen.»

Vor dem Hintergrund, dass Rehmann mehrere tausend Franken für die Frostkerzen ausgegeben hat, wäre dies mehr als ärgerlich.

Die Wetterlage entspannt sich

Doch erst einmal können die Obstbauern aufatmen. Die Meteorologen sagen für die kommenden Tage wärmeres Wetter voraus. Auch in den Nächten sollen die Temperaturen nicht oder zumindest nur minimal unter den Gefrierpunkt sinken.

In den nächsten Tagen, wenn die Kirschbäume zu blühen beginnen, sei es gut, wenn das Wetter nicht allzu kühl und regnerisch ist, sagt Rehmann. Denn dann verlassen die Bienen ihre Bienenstöcke und bestäuben die Blüten. Beobachtet hat Müller, dass die Hummeln bereits eifrig umherfliegen. Er sagt: «In Kürze stelle ich in meine Chriesianlage ein Bienenvolk hin.»

Um die Qualität seiner Kirschen sicherzustellen, deckt sie Rehmann später ab. Er sagt:

«Damit verhindere ich, dass die Frucht bei Starkregen aufplatzt.»

Die ersten Kirschen gab es bei Rehmann letztes Jahr Mitte Juni. Wann dieses Jahr die Ernte beginnt, lässt sich aber nur schwer prognostizieren. So ist der Zeitpunkt der Ernte, wie so vieles beim Obstanbau, vom Wetter abhängig.

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