Fricktal
Eine Seilbahn nach Deutschland oder ein riesiger Gemüsegarten? Das sind die Ideen der Fricktaler Politiker zum Sisslerfeld

Der Kanton will sich an der Entwicklung des Sisslerfelds beteiligen und plant den Kauf einer grösseren Landfläche, um diese möglichst rasch an Firmen weiter zu verkaufen. Die Idee des Landkaufs kommt bei Fricktaler Politikern parteiübergreifend gut an – nur: Die Meinungen darüber, was danach mit dem Land geschehen soll, gehen weit auseinander.

Nadine Böni
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Dass der Kanton im Sisslerfeld Land kaufen will, kommt bei Fricktaler Politikern gut an.

Dass der Kanton im Sisslerfeld Land kaufen will, kommt bei Fricktaler Politikern gut an.

Gerry Thönen (24. Juni 2015)

Der Regierungsrat plant, für 21,5 Millionen Franken, Grundstücke im Sisslerfeld zu kaufen, sie zur Baureife zu entwickeln und an Firmen zu verkaufen. Im Fricktal kommt die Idee parteiübergreifend gut an. Nur: Die Meinungen, was nach dem Kauf mit dem Land geschehen soll, gehen auseinander. Und: Die Fricktaler Politiker sehen gerade beim Thema Mobilität eine riesige Herausforderung.

«Das Vorhaben ist grundsätzlich begrüssenswert», sagt FDP-Grossrat Bruno Tüscher. «Mitbeteiligung ist einhergehend mit Mitbestimmung – und das ist bei einem Projekt dieser Bedeutung sicher ein Vorteil.» Als Gemeindeammann einer Sisslerfeld-Gemeinde, nämlich Münchwilen, sieht Tüscher bezüglich der Entwicklung des Industriegebiets allerdings auch Herausforderungen:

«Die vier Sisslerfeld-Gemeinden müssen gerade bei den Rahmenbedingungen für die Infrastruktur eng zusammenarbeiten, um für alle verträgliche und befriedigende Lösungen zu finden.»

Vor allem die Erschliessung und die Mobilität der künftig im Sisslerfeld arbeitenden Menschen gelte es zu beachten, so Tüscher.

Eine Seilbahn als Entlastung

Mit dieser Ansicht steht er nicht alleine da. Auch bei anderen Fricktaler Politikern ist das Thema Mobilität das erste Stichwort, das in Bezug auf das Sisslerfeld und dessen künftige Nutzung genannt wird. Schliesslich sollen rund 10'000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Das wurde am Freitag an der Fricktalkonferenz bei der Vorstellung der ersten Ideen aus der Testplanung klar.

Auf der Rheinbrücke zwischen Stein und Bad Säckingen kommt es bereits heute immer wieder zu Stau.

Auf der Rheinbrücke zwischen Stein und Bad Säckingen kommt es bereits heute immer wieder zu Stau.

Nadine Böni (8. März 2019)

Die Rheinfelder SP-Grossrätin Claudia Rohrer etwa sagt: «Es braucht gute Lösungen, wie die Menschen ins Sisslerfeld und von dort wieder nach Hause kommen. Lösungen, welche die angrenzenden Gemeinden nicht zu sehr belasten.» Sie bringt diesbezüglich eine neue Idee ins Spiel: eine Seilbahn über den Rhein. «Wenn ich von dieser Idee spreche, ernte ich oft ein Schmunzeln», sagt sie lachend. Dann fügt sie ernst an:

«Ich bin überzeugt, dass wir unkonventionelle Idee und ganz neue Ansätze unvoreingenommen prüfen müssen, um die Strassen zu entlasten.»

Grundsätzlich begrüsse die SP die Idee des Kantons, strategisch wertvolles Land mit einem Kauf zu sichern, so Rohrer weiter. Ein Fragezeichen setzt sie allerdings gegen das Vorhaben der Regierung, das Land weiter zu verkaufen: «Wir finden es sinnvoller, das Land im Baurecht abzugeben – so hätte man über lange Zeit mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten.»

«Keine gute Idee», findet das Daniele Mezzi, Präsident der CVP-Bezirkspartei Laufenburg, neu: Die Mitte. Er erklärt:

«Die Abgabe im Baurecht brächte juristische Parameter, die mögliche Investoren abschrecken können.»

Für ihn ist deshalb klar: Die Strategie des Kantons macht Sinn – und ermöglicht es, verschiedene Ziele zu erreichen. Die Erhöhung der Steuerkraft im Bezirk Laufenburg etwa.

Auch Mezzi sieht in der Entwicklung des Sisslerfelds Herausforderungen. Auch bei ihm fällt das Stichwort Verkehr. «Wir müssen den Anteil des Autoverkehrs am Gesamtverkehr deutlich vermindern», sagt er. Eine zentrale Rolle misst er dabei den beiden Bahnhöfen in Stein und Bad Säckingen zu. Neben dem öffentlichen Verkehr müssten auch die Veloverbindungen verbessert werden – wie das die Testplanung vorsieht.

Selbstversorgung statt Pharmabranche

Eine ganz andere Sicht der Dinge hat die Wittnauer Grünen-Grossrätin Gertrud Häseli. Den Landkauf durch den Kanton findet sie zwar gut, aber: «Das Ziel für die Nutzung des Landes muss ein anderes sein.» Häseli schwebt ein riesiger Gemüsegarten für die Bevölkerung vor. Sie erklärt:

«Wir müssen wieder weniger Zeit damit verbringen, immer noch mehr Geld zu verdienen und mehr damit, uns selbst zu versorgen.»

Der Ansiedlung weiterer wertschöpfungsintensiver Firmen aus der Pharmabranche kann sie hingegen wenig abgewinnen. «Das ist zwar ein Wirtschaftszweig, mit dem sich leicht Geld verdienen lässt. Aber: Das wertvolle Land wäre für alle Zeit verloren.» Dem Kauf durch den Kanton werde sie als Grossrätin zustimmen, kündigt Häseli an. Der geplanten Erschliessung allerdings nicht.