Fricktal
Der verregnete Sommer trübt die Bilanz der regionalen Bierbrauer – sie hoffen auf einen goldenen Herbst

Viele abgesagte Events, kaum Public Viewings während der EM und unzählige verregnete Tage – der diesjährige Sommer machte es den regionalen Bierbrauern wahrlich nicht leicht. Entsprechend durchzogen fällt ihre Bilanz aus. Aber: Trübsal blasen mögen sie nicht. Stattdessen ruhen die Hoffnungen auf einem goldenen Herbst.

Nadine Böni
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Der Rheinfelder Hobby-Bierbrauer Richie Waldis hofft auf einen goldenen Herbst.

Der Rheinfelder Hobby-Bierbrauer Richie Waldis hofft auf einen goldenen Herbst.

Nadine Böni (23. Oktober 2020)

Sie fehlten. Die lauen Sommerabende, an denen man mit Freunden stundenlang draussen sitzt, irgendwo auf einer Terrasse, einem Balkon oder einfach in der Natur – und dabei ein paar kalte Biere geniesst. Das meist kühle und nasse Wetter in den vergangenen Wochen lud kaum einmal dazu ein. Das bekamen vor allem auch die lokalen Bierbrauer zu spüren.

«Durchzogen. So wie das Wetter halt», fällt denn auch das auf den Punkt gebrachte Sommer-Fazit von Richie Waldis aus. Es braut in Rheinfelden Bier, in der Bierwerkstatt NordSud. Ähnlich tönt es bei Roger Frei, besser bekannt als «Schoggi», und seiner gleichnamigen Brauerei in Herznach:

«In den vergangenen Jahren wurden wir im Sommer jeweils richtig verwöhnt mit vielen schönen Abenden. Dieses Jahr nun gar nicht.»

Das merkten die Kleinbrauereien beim Absatz. Roger Frei schätzt die Einbusse gegenüber vorigen Jahren – den von der Pandemie geprägten Sommer 2020 ausgenommen – auf etwa zehn Prozent.

Gut durch die Pandemie gekommen

Das Thema Corona beschäftigt die Brauereien derweil auch in diesem Jahr. «Die Situation ist nach wie vor schwierig», sagt Mirko Dapoto von «Tiersteiner Bräu» in Frick. Der Absatz beim wöchentlichen Rampenverkauf habe sich nie mehr richtig erholt seit Beginn der Pandemie.

Zwar ist die Gastronomie seit einigen Monaten wieder offen, viele Events aber wurden abgesagt. Auch private Treffen oder spontane Feste fanden weniger statt. «Es kam kaum einmal jemand spontan vorbei und bestellte eine grössere Menge Bier für ein Geburtstagsfest oder Ähnliches, wie das in anderen Jahren öfter vorkam», sagt Frei. Entsprechend hatte er weniger Vorrat im Keller, reduzierte auch die Produktion leicht. Nichtsdestotrotz sagt er: «Es geht uns nicht schlecht.»

Roger Frei merkte, dass weniger Events und private Feiern stattfanden.

Roger Frei merkte, dass weniger Events und private Feiern stattfanden.

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Auch Richie Waldis ist weit entfernt davon, sich zu beklagen. «Ich bin bis jetzt gut durch die Pandemie gekommen», sagt er. Das Bierbrauen ist für ihn ein grosses Hobby. Das Ziel sei es, dieses kostendeckend zu betreiben – was auch in den vergangenen Monaten stets gelang.

Aber auch ihm fehlten die Events. Besonders die Festivals rund um das regionale Bier, von denen ebenfalls viele abgesagt wurden. Waldis erklärt:

«Diese Festivals sind enorm wichtig, um den direkten Kontakt zu den Kunden zu pflegen.»

Es gebe keine bessere Gelegenheit, über Bier zu fachsimpeln und die Eigenheiten der eigenen Biere zu erklären, sagt auch Dapoto. Eines der Highlights war für Waldis denn auch das Craft Beer Festival, das Mitte August in Aarau stattfand.

«Es hat richtig gutgetan, wieder einmal so einen Anlass zu erleben.»

Die EM hatte kaum einen Effekt

Apropos Anlass: Einen Grossanlass, der in diesem Sommer stattfand, sprechen die Bierbrauer gar nicht an – die Fussball-Europameisterschaft. In anderen Jahren hätten sich die grossen Fussballturniere jeweils deutlich bemerkbar gemacht bei der Nachfrage, sagt Roger Frei, darauf angesprochen.

Dieses Jahr hingegen kaum. «Das mag einerseits am Wetter gelegen haben, andererseits wohl auch an den coronabedingten Einschränkungen», sagt Frei. So haben beispielsweise nur wenige Public Viewings stattgefunden.

Trotz der durchzogenen Sommerbilanz blicken die Fricktaler Bierbrauer hoffnungsvoll in die Zukunft. Wobei die Hoffnungen eng daran geknüpft sind, dass nicht erneut drastischere Massnahmen gegen die Pandemie nötig werden. Waldis sagt:

«Ich wünsche mir, dass das gesellschaftliche Leben nach diesen schwierigen Monaten nun wieder in Fahrt kommt.»

Die Menschen würden sich das normale Leben zurücksehen, sagt Roger Frei. Und Mirko Dapoto wünscht sich, «dass man zusammensitzen oder Anlässe besuchen kann, ohne über Schutzkonzepte nachdenken zu müssen». Dass dann auch wieder das eine oder andere kühle Bier die Kehlen runter fliesst, gehört natürlich zur Hoffnung dazu – «schliesslich ist das ja auch an einem lauen Herbstabend schön», sagt Frei lachend.

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