Laufenburg

Floss-Fahrt auf dem Rhein: Ein Abenteuer wie vor 200 Jahren

Fast wie früher: Eine Flossfahrt auf dem Rhein mit Ziel Laufenburg. Exkursionsleiter Daniel Maurer hat so einiges zu erzählen.

Fast wie früher: Eine Flossfahrt auf dem Rhein mit Ziel Laufenburg. Kapitän J-C ist am Steuer-Riemen. Und Exkursionsleiter Daniel Maurer hat so einiges zu erzählen.

(Juni 2015)

Aargau Tourismus und Jurapark Aargau bieten neu eine Flossfahrt auf dem Rhein an. Auf einer Fahrt war einiges zu erfahren: Die Flösserei war einst ein gefährlicher Beruf - und die Flösser galten als Zigeuner der Flüsse.

Der Flösser meldet sich mit einem lauten Knall an. Böller zündeten schon die Flösser, die bis ins 19. Jahrhundert auf dem Rhein Holz bis nach Rotterdam transportierten. So wussten die Bauern am Ufer, dass ein Floss anlegen wollte, und eilten zum Ufer, um die Seile entgegenzunehmen.

Die Zigeuner der Flüsse

Gestern, an diesem heissen Mittwochnachmittag, eilen aber keine Bauern herbei. Flösser J-C Weiersmüller alias Captain J-C lädt in Rheinsulz eine Delegation des Juraparks Aargau und von Aargau Tourismus auf sein schwimmendes Gefährt. Auf einer Fahrt nach Laufenburg lernen sie das Angebot kennen, das neu von Aargau Tourismus beworben wird: Eine Flossfahrt auf dem Rhein, begleitet von Landschaftsführer Daniel Maurer.

Maurer weiss viele Anekdoten über das in Vergessenheit geratene Gewerbe zu erzählen. Die Flösserei war bis ins 19. Jahrhundert und zum Ausbau der Eisenbahn ein bedeutendes Gewerbe. So gelangte viel Holz via Aare und Reuss nach Stilli. Hier nahmen die ansässigen Berufsleute die Flosse in Empfang und führten sie von Stilli via Aare und Rhein nach Laufenburg. Und dann von dort immer weiter – bis nach Rotterdam.

Maurer erzählt von den Böllern, die die Flösser unterwegs zündeten. Und von Flössern, die auf ihrem Heimweg zu Fuss über den Flösserweg auch mal in Hottwil im «Bären» einkehrten und versumpften. «Manchmal hockten sie so lange in der Beiz, dass sie am nächsten Morgen gleich direkt zur Arbeit mussten», erzählt Müller. Die Flösser seien eben ein raues und draufgängerisches Volk gewesen, für viele Menschen so etwas wie die Zigeuner der Flüsse. Aber: «Untereinander waren sie auch sehr kollegial. Geriet ein Floss in Schwierigkeiten, halfen andere», sagt Maurer.

Auf sechs Tonnen Holz

Das war auch nötig, denn die Flösserei war ein gefährlicher Beruf. Ein Floss bestand aus mehreren Lagen von Stämmen, war etwa 30 Meter lang und wog je nach Ladung bis zu 100 Tonnen. «Das zu manövrieren war natürlich enorm schwierig», sagt Landschaftsführer Maurer.

Da hat es J-C Weiersmüller mit seinem Floss etwas einfacher. Dieses hat eine Fläche von dreissig Quadratmetern und ist etwa sechs Tonnen schwer. Gebaut ist es aus Holz, Seilen und einem versteckten Schwimmkörper. Das Floss bietet Platz für acht Personen. Und wenn er die Passagiere in Laufenburg an Land gebracht hat, muss er den Heimweg nicht zu Fuss antreten. Er schiebt sein Floss mit einem Motorboot wieder rheinaufwärts.

Das Angebot von Aargau Tourismus beinhaltet ein Picknick, eine geführte Wanderung, die Flossfahrt und eine Stadtführung durch Laufenburg mit anschliessendem Zvieri (www.aargautourismus.ch). Auch über den Jurapark sind Flossfahrten buchbar.

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