Rheinfelden

Ex-Bachelorette-Kandidat flüchtet mit 200 km/h vor der Polizei – jetzt muss der Töffraser Jahre ins Gefängnis

Bei einer Verfolgungsjagd gelang es dem Angeklagten, die Polizei abzuhängen – doch seine Raserfahrt hat Konsequenzen. (Symbolbild)

Bei einer Verfolgungsjagd gelang es dem Angeklagten, die Polizei abzuhängen – doch seine Raserfahrt hat Konsequenzen. (Symbolbild)

Er entzog sich einer Kontrolle und filmte sich beim Rasen – jetzt musste sich der mehrmals vorbestrafte Töff-Fahrer vor Gericht verantworten.

Das Polizeivideo lässt einem den Atem stocken. Ein Töff rast mit fast 200 Stundenkilometern über die A3 zwischen Eiken und Rheinfelden. Hinter ihm eine Patrouille der Aargauer Kantonspolizei mit Blaulicht. Der Töfffahrer im weissen Lederkombi will sich einer Kontrolle entziehen – mit allen Mitteln: Er überholt links und rechts, fährt über Sperrflächen, zwängt sich einmal sogar zwischen einem Lieferwagen und einem Auto hindurch, die auf gleicher Höhe fahren. Auf dem Video ist zu hören, wie ein Beamter seinen Kollegen fragt, ob es ihm noch wohl sei. «Falls nicht, breche ich ab.»

Das Video stammt vom 7. Mai 2015 nach 22 Uhr abends. Die Polizisten verlieren den Motorradfahrer schliesslich aus den Augen. Die Geschichte ist damit aber noch nicht vorbei, im Gegenteil. Nach wochenlangen Ermittlungen können die Beamten den Fahrer festnehmen. Es stellt sich heraus: Der Mann ist bereits polizeibekannt.

Video auf «Youtube» geladen

Am Mittwoch steht der 30-jährige Schweizer vor dem Bezirksgericht Rheinfelden. Es handelt sich um einen Ex-Bachelorette-Kandidaten aus der Staffel mit Frieda Hodel. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nicht weniger als 28 Gesetzesverstösse und -übertretungen vor. Denn bei den Ermittlungen tauchte ein weiteres Video auf, das ihn schwer belastet. Ein Video, welches das Bezirksgericht schon einmal beschäftigte.

Es zeigt, wie zwei Töfffahrer im Sommer 2013 auf Rennmotorrädern durch das untere Fricktal brettern. Die beiden filmten sich dabei und luden das Video ins Internet. Der zweite Fahrer stand wegen der Fahrt im letzten Dezember vor Gericht. Er wurde – auch wegen anderer Vergehen – zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren bedingt sowie einer Geldstrafe verurteilt.

Nun also sein Kumpel. Wobei der Angeklagte schon zu Beginn des Prozesses betont, dass er «mit dem damaligen Umfeld nichts mehr zu tun» habe. Er habe sich inzwischen als Personaltrainer selbstständig gemacht und vor allem auf Social-Media-Plattformen «eine gewisse Bekanntheit» erreicht. «Ich habe mein Leben seit der Flucht vor der Polizei komplett geändert und mich an die Regeln gehalten.»

Mehrere Vorstrafen

Allerdings ist es für dieses Umdenken wohl zu spät – zu viel hat sich der Angeklagte in der Vergangenheit zu Schulden kommen lassen. Er ist mehrfach vorbestraft. Seit 2006 musste er seinen Führerausweis ausserdem bereits mehrmals abgeben, zwischenzeitlich wurde er gar annulliert.

Im Juli 2013 entzog ihm das Strassenverkehrsamt den Ausweis dann für unbestimmte Zeit, wenig später folgte ein vorsorglicher Sicherheitsentzug aufgrund «charakterlicher Nichteignung». Im selben Zeitraum wurde der Angeklagte unter anderem verurteilt, weil er ein Motorrad geklaut hatte. Das war nur wenige Wochen, bevor er sich zur Raserfahrt mit seinem Kumpel hinreissen liess. In der Untersuchungshaft gab er ausserdem zu, trotz Ausweisentzug Auto und Töff gefahren zu sein.

Richter Christoph Lüdi fragt immer wieder, warum. Warum fahren Sie so schnell? Warum steigen Sie trotz Ausweisentzug auf den Töff? Warum zeigen die Vorstrafen keine Wirkung? Die Antworten bleibt der Angeklagte schuldig. «Ich kann mir nicht erklären, wie ich so dumm sein konnte», sagt er, aber: «Die Person, die ich damals war, gibt es heute nicht mehr.»

«Unbelehrbarkeit bewiesen»

Der Staatsanwalt hingegen betont in seinem Plädoyer, der Angeklagte habe «seine Unbelehrbarkeit mehrmals bewiesen. Es handelt sich nicht um einen kurzen Exzess, sondern um eine Lebenseinstellung.»

Das Gericht verurteilt den Mann nach der mehrstündigen Verhandlung schliesslich zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, wobei er zwei Jahre absitzen muss. Für das Jahr auf Bewährung wird eine Probezeit von fünf Jahren angesetzt. Dazu kommt eine Geldstrafe von 110 Tagessätzen à 80 Franken. Der Angeklagte beginnt bei der Urteilsverkündung zu weinen. «Das Damoklesschwert schwebte schon lange über Ihnen, zeigte aber keine Wirkung. Wir gehen davon aus, dass diese zwei Jahre Haft dies ändern», sagt Richter Christoph Lüdi.

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