Fusion

Es ist durchgesickert: Wittnau brachte das Oberstufen-Projekt zu Fall

Es war Wittnau, das ablehnte und so das Aus für das gemeinsame Schulprojekt Thierstein besiegelte.

Es war Wittnau, das ablehnte und so das Aus für das gemeinsame Schulprojekt Thierstein besiegelte.

Der Wittnauer Gemeinderat hatte bei der geplanten Fusion mit dem Wegenstettertal pädagogische und regionalpolitische Zweifel. Die Gemeinde wollte das Votum öffentlich machen aber die anderen Partner hätten darauf bestanden, dass Stillschweigen vereinbart wird.

Die Kreisschule Wegenstetten-­Hellikon hätte künftig gerne als Aussenstandort der Schule Gipf-Oberfrick fungiert, was ihr das Überleben ermöglicht hätte. Nun besuchen die Gipf-Oberfricker Oberstufe nicht nur Schüler aus der Standortgemeinde, sondern auch aus Oberhof, Wölflinswil und Wittnau. Daher wurden auch die ­Gemeinderäte der drei zu einer ­allfälligen Fusion mit dem ­Wegenstettertal befragt. Zwei sagten Ja, einer stimmte mit Nein. Wer der Nein-Sager in dem Trio war, darüber war Stillschweigen vereinbart worden. Jetzt ist es doch durchgesickert: Es war Wittnau, das ablehnte und so das Aus für das gemeinsame Schulprojekt Thierstein besiegelte. Denn ausgemacht zwischen den Beteiligten war: Wir ziehen das nur einstimmig durch. Sollte auch nur eine ­Gemeinde nicht wollen, ist es gestorben.

Einstimmiger Beschluss im Wittnauer Gemeinderat

Auch im fünfköpfigen Gemeinderat Wittnau sei die Ablehnung der Schulkooperation mit dem Wegenstettertal einstimmig erfolgt, wie die grüne Gemeinderätin Gertrud Häseli berichtet. «Wir waren sämtlich der Meinung, dass pädagogische und ­regionalpolitische Gründe dagegensprechen», sagt sie. Pädagogische – «weil Ressourcen nach Wegenstetten abgezogen worden wären. Da hätten wir verloren.» Regionalpolitische – weil es «keinen Sinn macht, über Bezirksgrenzen hinweg Schulverbünde zu gründen.» Knackpunkt sei gewesen, dass kein Austausch von Lehrern und Schülern vorgesehen war: Häseli: «Es war rein um den Erhalt des Wegenstetter Standorts gegangen.»

Vorwurf der «Geheimniskrämerei»

Dass der Gemeinderat Wittnau sich erst jetzt erklärt und nicht von Anfang an zu seinem Votum öffentlich stand, empfindet Emanuel Suter aus Gipf-Oberfrick als «Geheimniskrämerei». Wie er trotz Stillschweigen vom Votum Wittnaus erfahren hat, will er nicht preisgeben. Er hat seinem Unmut jetzt in einem Leserbrief Luft gemacht. Darin wirft er Wittnau «unsolidarisches Verhalten» vor. Er scheibt: «Sitzen wir nicht alle im selben Boot? Wären wir nicht alle froh, wenn wir den Oberstufenstandort in unserer oder zumindest einer nahe gelegenen Gemeinde halten könnten?» Die Fusion wäre doch eine «Bereicherung für beide Schulen» gewesen. Auf Nachfrage sagt er: «Ich finde es unglaublich, wie eine einzelne Gemeinde dem ganzen Wegenstettertal die Zukunft als Oberstufenstandort verbauen kann.»

Suters Vorwurf: Wittnaus Gemeinderat habe mit seinem Votum dazu beigetragen, dass das Wegenstettertal mit grosser Sicherheit seinen Oberstufenstandort verliert und damit gleich mehrere Fricktaler Gemeinden – Zeiningen, Zuzgen, Wegenstetten und Hellikon – an Attraktivität verlieren. Er führt in seinem Leserbrief aus, dass sich Häseli für eine radikale Verkleinerung bei der Anzahl Fricktaler Gemeinden stark gemacht habe. Dass es künftig nur noch fünf grosse geben solle. Mit anderen Worten: Hat Häseli Nein zum Thierstein-Projekt gesagt, um Gemeinden zu schwächen und sie so zu Fusionen zu zwingen?

Richtung Frick und «nicht über den Berg»

Häseli will das so nicht stehen lassen, verweist auf den einstimmigen Beschluss im Gemeinderat, relativiert: «Mit den fünf Gemeinden sind die fünf Teilregionen gemeint, welche der Fricktal Regio Planungsverband lanciert hat», sagt sie. Und dieser empfehle die Orientierung von Gipf-Oberfrick, Oberhof, Wölflinswil und Wittnau in Richtung Frick und «nicht über den Berg», wie Häseli sagt.

Zudem könne die Frage, was dann mit den leerstehenden Schulräumen in Wegenstetten passieren soll, besser im Rahmen dieser Teilregionen gelöst werden, führt Häseli aus, die für die Grünen auch im Grossen Rat des Kantons Aargau sitzt. «Mittelfristig» sei der Standort Gipf-Oberfrick zwar sicher, hält der Leserbriefschreiber Suter fest. Aber langfristig? «Wenn es langfristig nicht hält, ist Frick unsere Option», sagt Häseli. Das sei politisch zwar nicht gewünscht, aber organisatorisch aufgrund der Nähe möglich und sinnvoll.

Die Wittnauer Gemeinde­rätin sagt: «Wir hätten kein Problem damit gehabt, unser ­Votum von Anfang an öffentlich zu machen.» Aber die anderen Partner hätten darauf bestanden, dass Stillschweigen vereinbart wird.

Suter appelliert in seinem Leserbrief an die Wittnauer, «das Thema an ihrer nächsten Gemeindeversammlung aufzunehmen, die Entscheidung des Gemeinderats zu revidieren und so der Oberstufe Wegenstetten eine Zukunft zu ermöglichen sowie die Oberstufe Gipf-Oberfrick langfristig zu sichern.»

Gertrud Häseli stellt für den Gemeinderat klar: «Damit gehen wir nicht an die Gmeind. Eine Verschlechterung für unsere Schüler macht für uns keinen Sinn.»

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