Coronavirus
Erstmals Kurzarbeit im Fricktaler Skigeschäft – «für mich ist der Winter 2020/21 gestorben»

Die vom Kanton beschlossenen Ladenschliessungen gehen den Fricktaler Wintersporthändlern an die Substanz. Ware liegt im Laden bereit, stattdessen wird auf Nachbarkantone ausgewichen.

Hans Christof Wagner
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Daniel Waldmeier von Wernli Sport kann im Moment weder Ski verkaufen noch vermieten.

Daniel Waldmeier von Wernli Sport kann im Moment weder Ski verkaufen noch vermieten.

Dennis Kalt (Frick, 8. Januar 2021

«Diesen Antrag auszufüllen, hat mir wehgetan und meinen Stolz verletzt», bekennt Daniel Waldmeier, Inhaber und Geschäftsführer von Wernli Sport in Frick: «Das gab es noch nie, dass ich für meine Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen musste», berichtet er. Waldmeier hat sich dazu durchgerungen, um niemand von seinen Leuten entlassen zu müssen. Bevor alle herumsitzen und Däumchen drehen, schränkte der Chef die Präsenz seiner Angestellten lieber ein.

Auf der Website des Fricker Sportgeschäfts ist der Grund genannt, den Waldmeier zu dieser Premiere veranlasst hat: «Aufgrund des kantonalen Entscheides vom 18. Dezember 2020 werden wir den Verkauf und die Winterartikelvermietung bis zum 22. Januar schliessen müssen. Werkstatt und Skiservice bleiben offen.» Seit drei Wochen sind auch die Sportgeschäfte im Aargau geschlossen. Daher können sie aktuell Ski und Wintersportartikel weder verkaufen noch vermieten.

Ein Tropfen auf den heissen Stein

«Das schmerzt uns sehr, es geht im Moment gar nichts», sagt Waldmeier. Rolf Weidmann von Longo-Sport in Möhlin berichtet, er sei aktuell nur sporadisch im geschlossenen Geschäft und dass er das Ladentelefon umgeleitet habe. Vereinzelt riefen Kunden an, bestellten per Telefon oder Internet Wintersportartikel und holten diese in Möhlin ab. «Aber das ist auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt er. Das könne die Einbrüche nicht wettmachen. «In normalen Jahren erziele ich in den Monaten Dezember bis Februar die Hälfte meines Umsatzes», rechnet Weidmann vor.

«Es ist hart für uns»

Und nennt es eine «Schweinerei», dass der Aargau mit den beschlossenen Ladenschliessungen beim Lockdown noch weiter gehe als der Bund. Ob seine Kunden als Konsequenz in Nachbarkantone ausweichen, wo die Sportgeschäfte offen bleiben dürfen, vermag er nicht einzuschätzen. Regina Senn, Geschäftsleiterin von Schreiber Sport in Wegenstetten, aber weiss es: «Auf jeden Fall weichen die Leute jetzt aus, bei uns auf Baselland.» Die Kantonsgrenze sei ja zum Greifen nah, «allein nach Gelterkinden sind es mit dem Auto vielleicht zehn Minuten». Senn sagt: «Es ist hart für uns. Die schönste Ware liegt im Laden bereit und niemand interessiert sich dafür.» Die Artikel seien bereits im Februar 2020 bestellt worden – noch vor dem ersten Lockdown.

90 Prozent Einbrüche im Werkstattbereich

Werkstatt und Skiservice bleiben offen – doch auch da tröpfeln die Kunden aktuell nur. «Harzig» läuft es dort für Senn. Auf «noch zehn Prozent vom normalen» schätzt Weidmann die Zahl der Serviceaufträge. «Die können an einem halben Tag erledigt werden.» Um 75 Prozent sind sie bei Sport Wernli eingebrochen. Wäre es anders, hätte Waldmeier wohl keine Kurzarbeit angemeldet. «Ich kann die Zurückhaltung der Leute beim Skifahren nachvollziehen», räumt Weidmann ein: «Ich gehe im Moment auch nicht. Für mich ist der Winter 2020/21 gestorben.»