Er kann es, zum Glück, nicht lassen. Heinz Picard, 81, hat ein weiteres Buch geschrieben. Nach vier reinen Dingsda-Bänden, in denen er die Leser mit in die Welt des Vergessens nahm, legt er nun einen Band mit 12 Gedichten und 19 Kurzerzählungen vor. Sie sind, typisch Picard, mit viel Liebe zum Detail geschrieben – und sie sind vor allem mit einer gehörigen Portion Humor ausgestattet. «Humor ist das Wichtigste im Leben», ist der pensionierte Bezirksschullehrer überzeugt. «Er hilft einem auch in schwierigen Momenten.» Sein Humor zeigt sich dabei nicht selten als Ironie – etwas, das nicht jeder versteht, das jedoch seinen Erzählungen das gewisse Etwas gibt.

«Gehhilfen» heisst das neue Buch und genau das will es auch sein. Eine Gehhilfe aus dem Alltag – für den Alltag. Wenn seine Erzählungen dem einen oder anderen als Gehhilfe dienten, so sei das wunderbar, sagt Picard. «Allerdings gebe ich keine Rezepte ab, sondern nur Gedankenanstösse.»

Ein solcher Gedankenanstoss ist jene Geschichte, die dem Buch auch seinen Namen gab. Sie handelt von Picards Mutter, der die Ärzte einen Unterschenkel amputieren mussten. Sie trug es mit Fassung, fand, man könne auch so gut und vor allem eigenständig weiterleben – halt einfach mit einer Gehhilfe, einer Teilprothese. Auch wenn sie mehr als einmal zu Hause umfiel, auch wenn sie warten musste, bis einer der Söhne, die längst nicht mehr zu Hause wohnten, vorbeikam und ihr half, aufzustehen – ein Übertritt in ein Pflegeheim kam für sie nicht infrage. «Mit einer Gehhilfe kann man viel erreichen», sagt Picard. Seiner Mutter hat sie die Selbstständigkeit bewahrt, hat sie mutig gemacht – und in ihrem Willen noch eiserner.

Geschichten aus dem Alltag

Die Geschichten, die Picard erzählt, sind Geschichten aus dem Alltag heraus. Sie handeln von Alltagsbegebenheiten und oft auch von seinem Enkel. «Das Schreiben ist für mich ein Verarbeiten der Erinnerungen», sagt er. Er nehme sie hervor, schaue sie nochmals genau an, in einem versöhnlichen Grundton, und schreibe sie dann auf. Natürlich in der Hoffnung, dass sie auch andere interessieren, dass es jemanden da draussen gibt, dem Ähnliches widerfahren ist.

Ein Teil der Gedichte ist in Mundart geschrieben. «Mich hat fasziniert, dass ich auf Mundart frei von strengen orthografischen Regeln schreiben kann», sagt er, lacht verschmitzt. «Genau so, wie mir der Schnabel gewachsen ist.» Auf Mundart hält Picard im Buch, folgerichtig, auch fest, wen er mit seinen Gedichten ansprechen will: «Gschribe sinds für Chind und Grossi, wos blibe sind.»

Das Buch ist derzeit im Druck und wird in den nächsten Tagen angeliefert. Es sei schon auch ein «erlösendes Gefühl», das neue Werk abgeschlossen zu haben, erzählt er, schmunzelt spitzbübisch und fügt an: «Auch für meine Familie, denn wenn ich im Schreibprozess bin, bin ich schon sehr abwesend.»

Ob er nun sofort ein weiteres Buch in Angriff nehmen wird, lässt Picard offen. «Ich will nicht, dass es ein Müssen ist. Das Projekt darf langsam wachsen.» Vielleicht ist das, was da wachsen wird, dann auch ein Roman. Einen solchen zu schreiben, nahm er sich bereits nach dem letzten Dingsda-Band vor. «Das reizte mich sehr.» Er wusste auch schon, wo er seinen Roman ansiedeln wollte: Im Elsass, dort also, wo sein Vater aufgewachsen ist. Nur: Einen Bezug zum Elsass hatte Picard nie aufgebaut; seine Eltern fuhren mit den Kindern ein einziges Mal ins Elsass. «Meiner Mutter gefiel die Gegend nicht, was sie auch klar kommunizierte, und so kehrte mein Vater wieder um.» Um ein fundiertes Bild über die Region zu bekommen, hätte er sich in Archive vertiefen und das Elsass intensiv bereisen müssen. «Das Alter, das Alter», meint er nur – natürlich, wie es sich für ihn gehört, mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Wohin ihn das Alter führt – man darf gespannt sein.

Buchvernissage am Sonntag, 21. Oktober, 11 Uhr, Kornhauskeller Frick.