Zeihen

Einwohner fordern Entschädigung – weil Trinkwasser nach Gülle stank

«Das Hahnenwasser stank nach Gülle», schreibt Alexander Wenk in einem Leserbrief. (Symbolbild)

«Das Hahnenwasser stank nach Gülle», schreibt Alexander Wenk in einem Leserbrief. (Symbolbild)

2019 kam es zu einem Vorfall mit Gülle im Trinkwasser – jetzt wollen zwei Zeiher Geld von der Gemeinde.

Zwei Einwohner fordern von der Gemeinde Zeihen eine finanzielle Entschädigung. Hintergrund ist ein Vorfall von vor ziemlich genau einem Jahr. Alexander Wenk erinnert sich noch gut daran. «Auf ein Mittagessen kam ich nach Hause und wunderte mich, dass stilles Mineralwasser aufgetischt war», schreibt der Zeiher in einem Leserbrief. Die Erklärung: «Das Hahnenwasser stank nach Gülle», wie er bei einem Test selber habe feststellen können. Auf seinen Berg- und Velotouren habe er Erfahrung mit Geschmacks- und Sichtkontrolle von Wasser gemacht, schreibt Wenk weiter. «Auf Touren bis Kroatien runter musste ich oft aus Bergbächen und zweifelhaften Brunnen trinken und habe noch nie eine Beeinträchtigung daraus erlitten. Aber Wasser mit diesem Geschmack kam sicher nie in meine Flasche.»

Nun fordert Wenk gemeinsam mit Heiner Keller von der Gemeinde eine nachträgliche Entschädigung. «Wenn ich in einem Restaurant etwas Verdorbenes bekomme und dies bemängle, wird mir der Wirt den Preis erlassen oder eine andere Wiedergutmachung anbieten», schreibt Wenk. Die Entschädigung sollen alle Einwohner Zeihens erhalten. «Vom Überschuss aus der Rechnung 2019 sollen im Zeichen der Coronakrise pro Einwohner 200 Franken zurückbezahlt werden», schreibt Keller. «Damit werden alle unterstützt und für das Ungemach mit dem verunreinigten Trinkwasser entschädigt.»

Die Gemeinde prüft Massnahmen

Auch bei der Gemeinde ist der Vorfall vom Mai 2019 noch in Erinnerung. In einer Mitteilung schrieb sie damals von einer «geschmacklichen Beeinträchtigung». Das Grundwasserpumpwerk Zwimatt und die Quelle Iberg wurden vorübergehend vorsorglich vom Netz genommen. «Die untersuchten Proben zeigten jedoch keine mikrobiologischen Verunreinigungen», hiess es weiter. Die Beeinträchtigung stehe wohl mit der Abschwemmung von Gülle in Zusammenhang. Untersuchungen einige Tage später ergaben wieder eine einwandfreie Trinkwasserqualität. «Für diesen Vorfall kann niemand verantwortlich gemacht werden – ausser Petrus», sagt Gemeindeammann Christian Probst. «Der Landwirt hat sich rechtmässig verhalten. Er hat ausserhalb der Schutzzone Jauche ausgebracht. Das Unglück entstand, weil es danach sehr stark zu regnen begann. Dieser Regen konnte nicht versickern und ist oberflächlich abgelaufen.»

Entsprechend hält Probst auch wenig von der Idee einer Entschädigung. Er beruft sich auf das Wasserreglement und darin auf den Absatz Trinkwasserverunreinigungen. «Demnach haben Abonnenten in der Regel keinen Anspruch auf Kürzung des Wasserzinses», so Probst. Wegen der geschmacklichen Beeinträchtigung habe der Gemeinderat keine weitere Reklamation aus der Bevölkerung erhalten. Es sei zudem immer genügend Wasser zur Verfügung gestanden. «Die Bevölkerung musste also keine Einschränkungen erdulden», sagt Probst. Er verweist weiter auf eine bereits erstellte Analyse zur Situation bei der Quelle Iberg – samt Massnahmen: «Ein Projektierungskredit wird an der Gemeindeversammlung im Herbst vorgelegt.»

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Autor

Nadine Böni

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