Nationalratswahlen

Eine, die ihre Chancen packt – diese Aargauerin will für die SP möglichst viele Stimmen sammeln

Seit 2017 ist sie im Magdener Gemeinderat – jetzt kandidiert Carole Binder-Meury für den Nationalrat.

Seit 2017 ist sie im Magdener Gemeinderat – jetzt kandidiert Carole Binder-Meury für den Nationalrat.

Carole Binder-Meury möchte bei den Nationalratswahlen möglichst viele Stimmen für die SP sammeln.

Sie kannte weder die Nummer noch die Stimme am anderen Ende der Telefonleitung. «Erst dachte ich, der Mann sei falsch verbunden», sagt sie heute mit einem Lachen. Aber nein: Rolf Schmid, Präsident der SP Bezirk Laufenburg, suchte im vergangenen Herbst tatsächlich sie – Carole Binder-Meury, Gemeinderätin aus Magden. Nach dem Telefonat trafen sie sich in Magden und er fragte sie, ob sie gemeinsam mit ihm und für die Fricktaler SP-Bezirksparteien für den Nationalrat kandidieren wolle. Die 49-Jährige musste erst einmal leer schlucken. Aber: «Wie oft wird man so etwas denn schon gefragt?», sagt sie und es ist klar, wie ihre Antwort darauf ausfällt, ohne dass sie es sagt: selten bis nie. Aber Binder ist eine, die ihre Chancen packt.

Nach Rücksprache mit ihrem Mann und den Kindern – Binder ist Mutter eines Sohns und einer Tochter im Teenageralter – entschied sie sich also für eine Kandidatur. «Mir war wichtig, dass meine Familie dahinter stehen kann», sagt sie. Hätten es die Kinder etwa peinlich gefunden, die eigene Mutter von Plakatwänden lächeln zu sehen – sie hätte abgelehnt. Das Gegenteil aber ist der Fall: «Ich spüre in der Familie grossen Rückhalt. Dafür bin ich dankbar.»

Eine neue Erfahrung

Ihren Wahlkampf startete Binder Anfang Januar, als sie gemeinsam mit anderen SP-Vertretern am Bahnhof in Rheinfelden Dreikönigskuchen verteilte. Weitere Aktionen folgten, vor kurzem etwa versuchte sie sich im Tür-zu-Tür-Wahlkampf. Mit gemischten Gefühlen. «Ich möchte ja niemanden nerven», sagt sie, fast schon entschuldigend. Immerhin seien «einige tolle Gespräche» entstanden.

Der Wahlkampf ist eine neue Erfahrung für Binder. Zu ihrem Amt im Gemeinderat kam sie, damals Schulpflegepräsidentin an der Kreisschule Unteres Fricktal, 2016 durch eine Anfrage ihres Vorgängers Urs Manser. Die Geschichte wiederholt sich: Auch da stellte sie sich nämlich die Frage, wie oft sich denn so eine Chance biete – und sagte zu. «Daraufhin verteilten wir im Dorf ein paar Flyer und das wars dann auch schon», sagt Binder.

Die Schulpflege ist ein wichtiges Stichwort. Bildung ist Binders politisches Steckenpferd und gleichzeitig ihr Beruf – ihr «Lebensthema», wie ihre Partei bei ihrer Nomination schrieb. Nach Erlangen der Matur absolvierte sie in Zofingen die Ausbildung zur Primar- und Reallehrerin. Heute arbeitet sie als Stellvertreterin an der Kantonalen Schule für Berufsbildung. Sie ist deshalb nah dran am Thema, kann oft aus Erfahrung sprechen. Etwa dann, wenn es um den Berufseinstieg junger Menschen geht.

Hohe Hürden beim Berufseinstieg

Hier sieht Carole Binder hohe Hürden, nein: zu hohe Hürden. «Ich kenne Schülerinnen und Schüler, für die ich die Hand ins Feuer gelegt hätte, dass sie eine super Lehre absolvieren würden – die aber wegen einer schlechten Note die Lehrstelle nicht bekommen haben, sich gar nicht erst in einer Schnupperlehre vorstellen und beweisen durften.» Überzeugung und Freude könnten Energien frei setzen, seien ein wichtiger Motor, sagt sie, und: «Dadurch und mit zusätzlicher guter Betreuung und Unterstützung während der Lehre könnten schulische Defizite wettgemacht werden.»

Binder wünscht sich daher, die Betriebe würden künftig mehr den Menschen sehen und weniger Noten und Resultate von Multichecks. «Wir müssen das System, in dem vor allem die schulische Leistung zählt, überdenken.» Denn: «Uns gehen heute gute Arbeitskräfte durch die Lappen.» Das ist eines der Themen die auf ihrer politischen Agenda stehen – und die sie als Nationalrätin angehen würde.

«Kein schlechter Platz»

Ihr primäres Ziel sei es nun aber erst einmal, Erfahrungen zu sammeln und im Fricktal möglichst viele Stimmen für die SP zu holen. Sie startet von Listenplatz sieben, «für eine unbekannte Kandidatin sicher kein schlechter Platz», wie sie sagt. Aber da sind weiter oben halt schon einige bekanntere Namen. Ihre Wahlchancen bezeichnet Binder daher als minim.

Natürlich hat sie sich trotzdem überlegt, welche Auswirkungen eine Wahl auf ihr Leben hätte, auf ihre Familie vor allem. «Die Kinder sind aber in einem Alter, wo sie auch mal ohne ihr Mami auskommen», sagt Binder. Beruflich sieht sie sich ohnehin in einer «Luxussituation» – kann sie doch selbst entscheiden, wann und wie oft sie als Lehrerin einspringt. «Die Wahl würde ich sicher annehmen», sagt Binder. Wie oft bietet sich denn schon so eine Chance?

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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