Eiken
Dritter Rücktritt in zwei Monaten: Jetzt hat auch der Vizeammann genug

Etwas ist faul in der Gemeinde Eiken: Innerhalb von nur acht Wochen vermeldet die Gemeindekanzlei drei Rücktritte aus dem Gemeinderat. Vizeammann Beat Schöni hat seinen Rücktritt bekannt gegeben, nach nur zehn Monaten im Amt.

Marc Fischer
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So sah der Eiker Gemeinderat Anfang Jahr aus. Nun verbleiben nur noch Gemeindeammann Peter Balzer (Mitte) und Renata Thunig. Gerhard Zumsteg, Beat Schöni und Guido Schmidli (v.l.) haben ihren Rücktritt erklärt.

So sah der Eiker Gemeinderat Anfang Jahr aus. Nun verbleiben nur noch Gemeindeammann Peter Balzer (Mitte) und Renata Thunig. Gerhard Zumsteg, Beat Schöni und Guido Schmidli (v.l.) haben ihren Rücktritt erklärt.

AZ-Archiv

Etwas ist faul in der Gemeinde Eiken. Innerhalb von nur acht Wochen vermeldet die Gemeindekanzlei drei Rücktritte aus dem Gemeinderat.

Den Anfang machte im September Gerhard Zumsteg, der seit 2002 im Gemeinderat sitzt und zwischenzeitlich auch als Vizeammann amtete. Nur eine Woche später folgte die Demission von Guido Schmidli. Er war sieben Jahre lang Gemeinderat. Gestern nun hat auch Vizeammann Beat Schöni seinen Rücktritt bekannt gegeben – nach gerade einmal zehn Monaten in der Gemeindebehörde.

Rücktrittswelle kein Zufall

Alle drei Zurücktretenden machen in der offiziellen Mitteilung «persönliche und berufliche Gründe» für die Demission geltend. So sagt Beat Schöni denn auch: «Im kommenden Jahr verändert sich meine berufliche Situation. Wegen eines Grossprojekts steigt für mich die Arbeitsbelastung bei meinem Arbeitgeber.»

Die Arbeit im Gemeinderat habe er nicht unterschätzt, so der abtretende Vizeammann – auch wenn die Belastung vor allem im Sommer recht hoch gewesen sei. Es sei dabei vor allem darum gegangen, «Altlasten» wie ungelöste Projekte mit Nachbargemeinden aufzuarbeiten.

Im weiteren Gespräch wird deutlich, dass die Rücktrittswelle in Eiken dennoch kein Zufall sein kann. «Die persönlichen Gründe sind durchaus auch innerhalb des Gremiums zu finden», sagt Beat Schöni.

Und weiter: «Die Konstellation mit den alten und den neuen Gemeinderäten hat einfach nicht funktioniert. Das grösste Manko waren die Kommunikation und die Kommunikationswege innerhalb des Gremiums.»

Chance für Neuanfang

Auch Gerhard Zumsteg, der auf die längste Amtszeit der Zurücktretenden zurückblickt, sagt: «Die Arbeit verlief nicht mehr so reibungslos wie früher. In vergangenen Amtsperioden hat der Gemeinderat eher gemeinsame Ziele verfolgt.» Zumsteg führt dies darauf zurück, dass viele Gemeinderatsmitglieder weiter weg arbeiten und es schwierig ist, gemeinsame Termine zu finden.

Beat Schöni ist sich bewusst, dass «die aktuelle Situation sicher nicht förderlich ist für die Kandidatensuche». Für den ersten Wahlgang für die Vakanzen Zumsteg und Schmidli hat sich denn mit Renate Bitter auch erst eine Kandidatin angemeldet. Der Wahlgang findet am 30. November statt. Jeder Eiker Stimmberechtigte kann Stimmen erhalten. Für den freien Gemeinderatssitz von Beat Schöni und das vakante Amt des Vizeammanns geht die Kandidatensuche nun erst los. Hier werden die ersten Wahlgänge am 8. März stattfinden. Kandidaten können sich bis zum 23 Januar melden.

Ungeachtet der Gründe, die er für seinen Rücktritt anführt, macht der abtretende Vizeammann möglichen Nachfolgern aber auch Mut: «Wenn mich jemand fragt, rate ich ihm, die Herausforderung anzunehmen. Es ist auch die Chance für einen Neuanfang des Gemeinderats.» Gerhard Zumsteg hofft ebenfalls auf ein schlagkräftiges neues Gemeinderatsteam. «Es ist die Gelegenheit für einen Neustart in einem neuen Klima.»

Ammann nicht erreichbar

Nach den ersten beiden Rücktritten betonte Gemeindeammann Peter Balzer: «Es gibt keine besonderen Vorkommnisse innerhalb des Gemeinderats – und auch keinen Knatsch oder irgendwelche Zerwürfnisse. Es ist wirklich ein Zufall, dass in so kurzer Zeit zwei von uns den Rücktritt bekannt gegeben haben; es hat sich so ergeben.»

Auf den neusten Rücktritt und die Vorwürfe von Beat Schöni konnte Peter Balzer nicht angesprochen werden. Er war für die Aargauer Zeitung gestern nicht erreichbar. Gemeindeschreiber Marcel Weiss wollte «zu gemeinderatsinternen Vorgängen» keine Stellung nehmen.