Frick/Rheinfelden

«Die Situation ist schwierig»: Mitarbeiter der gescheiterten OVS blicken in ungewisse Zukunft

Für die Angestellten von OVS – hier die Filiale in Rheinfelden – ist die Ungewissheit nach dem Aus belastend.

Für die Angestellten von OVS – hier die Filiale in Rheinfelden – ist die Ungewissheit nach dem Aus belastend.

Seit Ende Mai ist klar: Die italienische Modekette OVS ist in der Schweiz gescheitert. Die Angestellten haben mit der Situation nach dem Aus besonders stark zu kämpfen. Wir haben uns bei den Filialen in Frick und Rheinfelden umgehört.

Ein gelbes Schild mit der Aufschrift «Jetzt oder nie» hängt im Schaufenster der OVS-Filiale in der Marktgasse in Rheinfelden. Seit Ende Mai ist klar: Die Modekette befindet sich in der Nachlassstundung; erste Filialen wurden in der Zwischenzeit bereits geschlossen, in anderen läuft der Liquidationsverkauf. Vom Aus sind auch die zwei Fricktaler Geschäfte im A3-Center in Frick und in der Rheinfelder Marktgasse betroffen (die AZ berichtete).

Nicht nur die Ausverkauf-Schilder deuten auf die Situation hin, auch in den Läden gibt es offensichtliche Hinweise. In Frick etwa stehen mehrere nackte Schaufensterpuppen im Laden, daneben einige Kartonschachteln mit leeren Kleiderbügeln. In Rheinfelden ist der obere Stock der Filiale geschlossen, ein Wühlfach mit Socken und Unterwäsche versperrt den Weg.

Auch im unteren Geschoss sind viele Kleiderständer halb leer. An anderen hängt Wintermode, die extra für den Liquidationsverkauf noch angeliefert wurde. Die Ware ist um bis zu 70 Prozent reduziert.

Mehrere Frauen sind im Laden und durchstöbern die Regale. Die Verkäuferin fragt jeweils beim Bezahlen, ob die Grösse passe, weil gekaufte Ware nicht mehr umgetauscht werden könne. «Ich kaufe auf Geratewohl – bei diesen Preisen», antwortet eine Kundin.

Gute Wünsche von den Kunden

Das Aus der Modekette ist ein häufiges Gesprächsthema. Viele Kunden wünschen den Angestellten etwa alles Gute für die Zukunft. «Ich war schon regelmässig im Charles Vögele einkaufen und bin auch hierher gekommen, als die Filiale übernommen wurde», sagt eine Kundin. «Es ist schade, dass das Geschäft jetzt zu geht.»

«Es ist schön, dies von teilweise langjährigen Kunden zu hören. Die guten Wünsche machen es etwas einfacher», sagt eine ältere Verkäuferin, die anonym bleiben möchte. Spurlos geht das Ganze nicht an den insgesamt elf Angestellten an den beiden Standorten vorbei. «Die Situation ist schwierig», sagt die Verkäuferin. Auch sie wüssten nicht, wie lange es mit den Fricktaler Filialen noch weitergehe.

«Wir müssen eigentlich jeden Tag damit rechnen, dass der Entscheid kommt und die Filiale geschlossen wird», sagt eine Angestellte in Frick. Diese Ungewissheit sei belastend. Hinzu komme die Stellensuche. «Gerade die jüngeren Angestellten sind auf den Job angewiesen und sind unter Druck, rasch etwas Neues zu finden», sagt die Verkäuferin in Rheinfelden.

Angestellte auf Jobsuche

Und trotzdem: An beiden Standorten ist zumindest etwas Zweckoptimismus zu spüren. «Als wir über die Nachlassstundung informiert wurden, hatte ich eine Krise», gibt die Verkäuferin in Rheinfelden offen zu. Aber sie sei seit vielen Jahren im Städtchen in der Modebranche tätig. «Ich bin sicher, dass wieder irgendwo ein Türchen aufgeht.»

Das hofft auch die Angestellte in der Filiale in Frick. «Es war anfangs sicher nicht einfach, sich noch für die Arbeit zu motivieren», sagt sie. «Aber jetzt versuchen wir, das Beste daraus zu machen.» Dabei helfe unter anderem das positive Feedback der Kunden – aber auch, dass während des Ausverkaufs viel los ist im Laden. «So haben wir immer etwas zu tun und gar nicht gross Zeit, ständig darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll», sagt die Verkäuferin.

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