Rheinfelden

Die Schnellstarterin Claudia Rohrer hat von der Politik noch lange nicht genug

Claudia Rohrer – hier an der 1.- Mai-Feier 2018 in Rheinfelden – führt seit gut einem Jahr auch ihre Fraktion an.

Claudia Rohrer – hier an der 1.- Mai-Feier 2018 in Rheinfelden – führt seit gut einem Jahr auch ihre Fraktion an.

Claudia Rohrer ist seit 2019 Co-Präsidentin der SP-Fraktion – jetzt tritt sie bei den Wahlen wieder an.

Das Fricktal läuft im Grossen Rat an der Spitze mit – und dies gleich im doppelten Sinn. Zum einen führen aktuell mit Désirée Stutz (SVP), Alfons P. Kaufmann (CVP) und Claudia Rohrer (SP) gleich drei Fricktaler ihre Fraktionen an; fast die Hälfte der Fraktionspräsidien ist damit in Fricktaler Hand. Zum anderen stellte das Fricktal mit Bernhard Scholl (FDP) 2018 den Grossratspräsidenten, also den höchsten Aargauer – und wird 2022 mit Elisabeth Burgener (SP) schon die nächste Grossratspräsidentin haben.

Dass Rohrer nach nur zwei Jahren im Grossen Rat per 2019 bereits zur Fraktions-Co-Chefin gewählt wurde, zeigt, dass sich die Rheinfelderin in Aarau schnell einen Namen als versierte Politikerin gemacht hat – und dies weit über die Parteigrenzen hinaus.

Genug von der Politik hat Rohrer, die als selbstständige Rechtsanwältin arbeitet, noch lange nicht. «Vier Jahre sind noch nicht genug», sagt sie. Natürlich trete sie im Herbst bei den Wahlen nochmals an. Sie wolle die Erfahrung weiter ausbauen und «meine politische Kraft nutzen». Während viele ihrer Grossratskollegen offen lassen, ob sie bei einer Wiederwahl die ganze Amtsperiode machen, geht Rohrer «aktuell davon aus». Die 52-Jährige sagt aber auch: «Das Leben ist abwechslungsreich.»

Das lässt sich in der laufenden Legislatur vom Leben des Grossen Rates selber nur bedingt sagen – er tagte bislang nicht allzu oft. Dies kritisiert Rohrer auch. «Unser Parlament sieht sich aus meiner Sicht zu selten und hat seine Hauptaufgabe, das miteinander Sprechen und einander Zuhören im Plenum fast verlernt.» Sie kenne kein Parlament der Nordwestschweiz, das sich so wenig treffe. «Die politische Arbeit wird dadurch erschwert, vor allem über die Parteigrenzen hinaus», ist sie überzeugt. Es sei sehr schwierig, politische Kontinuität zu erzielen, «die Tagespolitik wird häufig zum Treiber des Parlaments».

Viele Entscheide kann Rohrer nicht nachvollziehen

In der Tagespolitik gehört die linke Politikerin oft zu den Verlierern - das Parlament entscheidet vielfach anders, als es Rohrer lieb ist. «Es gibt viele Entscheide, die ich nicht nachvollziehen kann», sagt sie und nennt als Beispiel die Kürzung der Ausbildung für die Friedensrichter, die Höhe der eingesetzten Mittel für die Prämienverbilligung oder die Erschwerung der Einbürgerung für integrationswillige und gleichzeitig armutsbetroffene Menschen.

Wie die anderen Grossräte auch, erlebt sie die Zusammenarbeit unter den Fricktaler Grossräten als offen. Es bestehe die Bereitschaft, Fragen miteinander zu diskutieren, sagt sie. «Wir werden auch als Region erlebt, die überparteilich den Zusammenhalt sucht.» Wie es weitergehe mit Fragen beispielsweise zu Schulstandorten und wie man da Lösungen finde, «wird die Zukunft zeigen».

Als positives Beispiel für den Zusammenhalt unter den Fricktaler Grossräten in der laufenden Legislatur nennt sie den gemeinsamen Einsatz für das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF). Hier stand 2018 zur Diskussion, ob das Spital Laufenburg in ein Pflegeheim und ein Ambulatorium umgewandelt wird, also ob Laufenburg als Akutspital geschlossen wird. Nach massiven Protesten der Bevölkerung, der Ärzte und der Politik entschied die Spitalleitung, dass Laufenburg ein Akutspital bleibt. Einzig die stationäre Chirurgie wurde in Rheinfelden konzentriert.

Der Verkehr macht ­Probleme

Das Fricktal beurteilt Rohrer als Region, die teilweise wächst, als Region auch, in der die Menschen gerne wohnen. «Das führt zu Verkehrsproblemen sowohl beim Individualverkehr als auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln», sagt die SP-Politikerin. Sie stellt aber auch fest, dass sich die einzelnen Gemeinden teilweise sehr unterschiedlich entwickeln, «auch das Fricktal ist keine homogene Region».

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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