Frick

Die Mehrfachbelastung ist zu gross: Daniel Suter tritt aus dem Grossen Rat zurück

Daniel Suter konzentriert sich in der Politik auf sein Mandat als Gemeindeammann.

Daniel Suter konzentriert sich in der Politik auf sein Mandat als Gemeindeammann.

Der Gemeindeammann von Frick ist bereits der vierte Grossrat aus der Region, der vorzeitig abtritt. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen im Kantonsparlament und die Fricktaler Vertretung dort.

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen: Kaum sind die Nationalrats- und Ständeratswahlen vorbei, bereiten sich die Parteien auf das nächste Wahlgrossereignis im Kanton vor – die Grossrats- und Regierungsratswahlen im nächsten Herbst.

Wer von den 17 Fricktaler Grossräten wieder antritt und wer abtritt, ist noch offen. Klar ist bereits: Der Bezirk Laufenburg wird weiterhin sieben Grossräte stellen, der Bezirk Rheinfelden zehn. Dies geht aus der Mandatszuteilung hervor, die der Regierungsrat Anfang November vorgenommen hat. Basis dafür war die neue Bevölkerungsstatistik. Danach kommt es im Aargau nur zu einer Verschiebung. Der Bezirk Brugg verliert einen Sitz, der Bezirk Lenzburg bekommt einen hinzu.

Klar ist ebenfalls: Von den 17 Fricktaler Grossräten, die im Herbst 2016 gewählt wurden, können höchstens 13 nochmals gewählt werden. Denn vier sind bereits zurückgetreten oder hören auf Ende Jahr auf.

Den Anfang machte Martin Steinacher (CVP) aus Gansingen. Er trat im Dezember 2017 zurück, die Legislatur war da gerade einmal knapp ein Jahr alt. Für Steinacher rutschte Werner Müller nach. Der Wittnauer erlebte damit sein Revival im Kantonsparlament, sass er doch schon von 2014 bis Ende 2016 im Grossrat.

Bei den Wahlen im Herbst 2016 wurde Müller dann aber überraschend abgewählt. Das lag allerdings nicht an Müllers Politik, sondern an der Tatsache, dass die CVP ihren zweiten Sitz an die SP verlor, die seither mit Elisabeth Burgener und Colette Basler in Aarau politisiert.

Zum zweiten Fricktaler Sesselrücken kam es im März 2019. Peter Koller (SP, Rheinfelden) trat zurück, Werner Erni aus Möhlin rutschte für ihn nach. Koller war über elf Jahre im Gremium und machte sich einen Namen als Bildungspolitiker.

Im Oktober gab Daniel Vulliamy (SVP, Rheinfelden) bekannt, dass er auf Ende Jahr nach 14 Jahren im Kantonsparlament aufhören wird. Für den Konsenspolitiker mit hoher Affinität zu Bildung, Kultur und Sport wird Andy Steinacher aus Schupfart im Grossrat Platz nehmen.

Am Dienstag gab nun mit Daniel Suter (FDP), Gemeindeammann von Frick, der vierte Fricktaler Grossrat seinen Rücktritt bekannt. Sein Rücktritt überraschte viele, ist Suter doch erst seit dieser Legislatur, also seit drei Jahren im Amt.

Sie treten nach nur drei Jahren im Grosen Rat zurück. Gefiel es Ihnen im Grossen Rat nicht?

Ich blicke auf drei spannende und lehrreiche Jahre im Grossen Rat zurück. Zugleich musste ich feststellen, dass die Mehrfachbelastung als Gemeindeammann, Unternehmer und Grossrat zu gross wurde.

Weshalb treten Sie gerade jetzt zurück?

Der sofortige Rücktritt beschert mir auf einen Schlag viel freie Zeit. Zugleich steht mit Bruno Tüscher ein junger und dynamischer Politiker bereit, der sofort nachrücken kann.

Sie sind mit dem Ziel angetreten, Frick zu stärken. Ist das gelungen?

Frick hat besonders durch seine vielfältigen Zentrumsfunktionen sehr viele Berührungspunkte mit dem Kanton, sei dies wegen des Oberstufenstandorts, der Funktion als öffentliche Verkehrsdrehscheibe oder als Sitzgemeinde des Stützpunkts der Kantonspolizei und als Kopfgemeinde der Polizei Oberes Fricktal. Das Amt als Grossrat bietet dazu viele Möglichkeiten, die zuständigen Personen in Regierung und Verwaltung persönlich kennen zu lernen, was bei Verhandlungen von Vorteil sein kann.

Was nehmen Sie aus Aarau mit?

Es war lehrreich zu erleben, wie die politischen Prozesse auf Kantonsebene ablaufen und auch, wie darauf Einfluss genommen werden kann.

Wie haben Sie die Arbeit des Parlaments erlebt?

Es ist kein Geheimnis, dass mir die Arbeit in der Exekutive der Gemeinde näher liegt als das Amt als Parlamentarier. Im Gemeinderat wird in einem Fünfer-Gremium um gute Lösungen gerungen, immer im Wissen darum, dass die getroffenen Entscheide später in der Bevölkerung mehrheitsfähig sein müssen.

Der Weg von der Idee bis zur Realisierung eines Projekts ist in einer Gemeinde viel kürzer als im Kanton. Dazu kommt der grosse Einfluss der Parteien im Parlament, der eine sachorientierte Politik manchmal erschwert.

Wie ist der Zusammenhalt der Fricktaler Grossräte?

Der Zusammenhalt der Fricktaler Grossräte ist stark. Besonders, wenn es um Fricktaler Interessen geht, ist in aller Regel eine parteiübergreifende Zusammenarbeit selbstverständlich.

Wie wichtig ist dieser regionale Gedanke?

Der Aargau gilt nicht von ungefähr als Kanton der Regionen. Das ist im Grossrat immer wieder gut spürbar.

Frick verliert nun seinen Grossrat wieder. Ist das nicht eine Schwächung für Frick und seine Anliegen?

Der Grossrat ist als Legislative in erster Linie dazu da, neue Gesetze zu verabschieden und bestehende Gesetze anzupassen. Nur bei ganz wenigen Geschäften im Grossrat ist eine einzelne Gemeinde besonders betroffen.

Bei 140 Parlamentariern darf der Einfluss des Einzelnen denn auch nicht überschätzt werden. Folglich ist damit kein Nachteil für Frick verbunden. Es ist jedoch sehr wichtig, dass die Interessen der Gemeinden als Ganzes im Grossrat vertreten sind. Mein Nachfolger Bruno Tüscher wird diese Interessenvertretung als Gemeindeammann von Münchwilen nahtlos weiterführen.

Wäre eine Vertretung im Grossrat nicht gerade mit Blick auf die anstehenden Entscheide wie den Mittelschulstandort wichtig?

Ich bin überzeugt, dass dieser Standortentscheid nach sachlichen Kriterien gefällt wird. Frick hat dabei sehr gute Karten. Das Bewerbungsdossier der Gemeinde Frick überzeugt mit einem Standort, der sowohl in Bezug auf die Nähe zum Bahnhof, als auch die Synergien mit dem direkt angrenzenden Oberstufenareal wie auch der kurzen Distanz ins Zentrum hervorragend ist.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger im Parlament?

Ich wünsche Bruno Tüscher viel Erfolg und dass er die Zeit im Parlament mit den vielen zwischenmenschlichen Kontakten über die Parteigrenzen hinaus geniessen kann.

Auf dem Grossratssitz von Daniel Suter wird Bruno Tüscher, Gemeindeammann in Münchwilen, Platz nehmen. Die vier Wechsel im Grossrat haben die Fricktaler Deputation verjüngt und beruflich etwas anders ausgerichtet. Keinen Einfluss haben die Verschiebungen dagegen auf den Frauenanteil der Fricktaler Grossratsfraktion, da für vier Männer vier Männer nachgerutscht sind. Der Frauenanteil bleibt damit bei 41,2 Prozent.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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