Nationalratswahlen

Die Grünen Nationalratskandidaten im Vergleich: wer Schutzzölle lockern will und wer nicht

Wie ticken die Fricktaler Nationalratskandidaten?

Wie ticken die Fricktaler Nationalratskandidaten?

Klimaschutz ist zur Zeit das Thema Nummer eins. Das könnte dazu führen, dass der zweite Sitz des linken Lagers nicht an die SP – wie von Beobachtern erwartet –, sondern an die Grünen geht. Die AZ vergleicht die Spider-Profile der Fricktaler Kandidaten.

Grün grünt. Der Klimaschutz hat sich in den letzten Monaten zu einem zentralen Wahlkampfthema entwickelt und beschert den Grünen für die bevorstehenden Nationalratswahlen Rückenwind. Auch im Aargau. Andere Sorgen, etwa die Gesundheitskosten, sprechen ebenfalls dafür, dass die Linke zulegen kann. Ein weiterer Sitz für Rot-Grün im Aargau ist möglich.

Auch wenn Politauguren davon ausgehen, dass ein zusätzlicher Sitz im linken Lager eher an die SP fällt – unmöglich ist ein zweiter grüner Nationalrat aus dem Aargau nicht. Mit Andreas Fischer und Gertrud Häseli stehen auch zwei Fricktaler Grüne auf der Hauptliste, Häseli auf dem siebten, Fischer auf dem elften Listenplatz.

Wie ticken sie? Was unterscheidet die beiden? Eine Hilfestellung bieten Onlinewahlhilfen wie Vimentis. Sie zeigen sowohl die Positionierung auf der Links-Rechts-Achse wie auch auf einem Themen-Spider auf.

Fischer ist deutlich linker unterwegs als Häseli, die ihrerseits auf der Achse liberal-konservativ den höheren Ausschlag in Richtung liberal aufweist als Fischer. Beim Spider, der acht Themenbereiche abdeckt, zeigt sich, wenig überraschend, dass beide bei den Bereichen strikte Ausländerpolitik, strenges Rechtssystem, restriktive Finanzpolitik und freie Wirtschaft kleine Ausschläge haben. Dies sind Bereiche, in denen die bürgerlichen Politiker auf hohe Werte kommen.

Gertrud Häseli.

Gertrud Häseli.

Den Maximalausschlag haben beide Grünen beim klassischen grünen Bereich, dem Umweltschutz. Während sich Fischer auch einen umfassenden Sozialstaat wünscht, macht hier Häseli leichte Abstriche. Bei der aussenpolitischen Öffnung kommen beide auf einen ähnlichen Wert, der etwas unter jenem der beiden Fricktaler SP- und der beiden GLP-Kandidaten liegt.

Der Spider von Gertrud Häseli.

Der Spider von Gertrud Häseli.

Taucht man in die 73 Fragen ein, die dem Spider zugrunde liegen, so stimmen die beiden in zentralen Punkten – gerade beim Umweltschutz – überein. 14 Fragen beantworten sie jedoch diametral anders, das heisst der eine sagt (eher) ja, der andere (eher) nein. Das sind 19 Prozent aller Fragen.

Widerspruchsregelung bei der Organspende?

Während Fischer klar dafür ist, dass die Schweiz wirtschaftliche Handelshemmnisse wie Schutzzölle für landwirtschaftliche Importprodukte abschaffen soll, um Freihandelsabkommen mit neuen Märkten wie Südamerika oder Südostasien abschliessen zu können, ist Biobäuerin Häseli ebenso klar dagegen. Daran ändert auch die Einschränkung bei der Frage nichts, dass die Handelshemmnisse nur für diejenigen landwirtschaftlichen Produkte abgeschafft werden sollen, die ökologische und menschenrechtliche Standards einhalten.

Andreas Fischer.

Andreas Fischer.

Ein klares Nein kommt von Häseli auch zu einer Impfpflicht für Kinder im Kindergartenalter, Fischer kann sich das zumindest vorstellen. Er spricht sich klar für eine Widerspruchslösung in der Organspende aus, Häseli ebenso klar dagegen. Nichts hält der Möhliner dafür vom Vorschlag, den Leistungskatalog bei der obligatorischen Krankenkasse auf die lebensnotwendigsten Leistungen zu beschränken, um die Prämie senken zu können. Häseli ist hier eher dafür.

Gerade ältere Arbeitnehmer haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Fischer befürwortet einen verstärkten Kündigungsschutz für Arbeitnehmer über 55, Häseli ist eher dagegen. Ein +, also ein eher dafür, erhält der Vorschlag, Schüler sollen in allen Kantonen als erste Sprache eine Landessprache lernen, von Fischer; Häseli setzt hier ein -.

Der Spider von Andreas Fischer.

Der Spider von Andreas Fischer.

Viel diskutiert wird, ob gleichgeschlechtliche Paare in eingetragener Partnerschaft neu neben Stiefkindern auch fremde Kinder gemeinsam adoptieren dürfen. Fischer ist klar dafür, Häseli eher dagegen. Nichts hält die Wittnauerin vom Vorschlag, der Bund solle das Projekt Cargo sous terrain finanziell unterstützen; Fischer kann sich das zumindest vorstellen.

Während Häseli das Exportverbot von Rüstungsmaterial in Länder, in denen bewaffnete Konflikte ausgetragen werden, durch eine Einzelfallprüfung ersetzen will, kann Fischer mit diesem Vorschlag wenig anfangen. Klar dafür ist er, dass die Pauschalbesteuerung von reichen Ausländern in der Schweiz verboten wird; Häseli ist hier eher dagegen.

Summa summarum beantwortet Fischer 58 Fragen mit einem ++ oder --, also einem klaren Ja oder Nein, Häseli deren 38. Sie liegen, verglichen mit Fricktaler Kandidaten anderer Parteien im Mittelfeld. Den höchsten Klartext-Wert erreicht Carole Binder von der SP (65), den tiefsten Alfons P. Kaufmann von der CVP (8).

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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