Konstantin-Wecker-Trio

Die grenzüberschreitenden Kulturtage in Laufenburg sind mit einem Highlight gestartet

Konstantin Wecker.

Konstantin Wecker.

Eigentlich hat man sich das Konstantin-Wecker-Trio anders vorgestellt. Das Publikum in der Stadthalle reagiert aber mit Nachsicht, als zuerst Stadtammann Herbert Weiss, Bürgermeister Ulrich Krieger und Renata Vogt, Präsidentin des Kulturausschusses, auf der Bühne über das Zustandekommen des Wecker-Konzertes sprechen.

Vogt hätte gerne «etwas Besonderes» zum Jubiläumsjahr gehabt, blickte Krieger auf ein Gespräch mit ihr zurück. «Den Wecker wollte ich schon immer», soll sie gesagt haben. «Hätte ich ihn vor 30 Jahren gesehen, wäre ich umgeflogen», erklärt Vogt. Am Montag aber bleibt sie standhaft, freut sich über den prominenten Gast. «Wir sind nicht das Konstantin-Wecker-Trio», ist dann noch von der Bühne zu hören, ehe der echte Wecker diese betritt.

Konstantin Wecker, 72 Jahre alt, in Jeans und überhängendem Hemd gekleidet, beginnt solo am Flügel mit «Willy», dem Lied über einen Jugendfreund aus den 1968er-Jahren. Sofort wird klar, wohin die Reise geht und wo Wecker politisch steht. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht von der «braunen Sosse», die weggespült werden soll, von unverbesserlichen Nazis, vom Kapitalismus, der sich «wie ein Monster auf die Menschheit gestürzt hat», vom nicht minder netter beschriebenen Neoliberalismus und schliesslich von den «führenden Politikern» Putin und Co., die für ihn «das letzte Aufbäumen des Patriarchats» bedeuten.

Tosender Applaus, aber was hat Wecker diesen Zuständen entgegenzuhalten? «Lass uns den Hass besiegen durch Liebe und Zärtlichkeit», schlägt er vor, und: «Ich fordere eine Revolution der Zärtlichkeit.» Zärtlichkeit, Mitgefühl, die Poesie als Widerstand sind die Felder, auf denen er sich bewegt. Musikalisch ist er im Chanson daheim, aber weder im französischen noch im englischen, eher bei Franz Schubert, den er als seinen «Liedermacherziehvater» bezeichnet und von dem er prompt «Der Leiermann» singt.

Eine Welt ohne Waffen und Grenzen

Die Vorträge haben oft etwas Klassisches, Anrührendes, wodurch Wecker zwischendurch ohne Überleitungen sich auf den Stuhl setzen und Gedichte lesen kann, ohne, dass der rote Faden verloren geht. Gemütlich ist es, aber nicht allzu sehr, denn die Welt schiebt immer noch die drängenden Fragen wie vor 50 Jahren vor sich her. Wecker sucht nach Antworten, setzt sich für eine Welt ohne Waffen und Grenzen ein. Ein Utopist also? Ein naiver Spinner, wie er sich selber auf der Bühne hinterfragt? Nein, sondern einer, der Visionen hat. Der auch den Mut hat, über die Dinge zu singen, die falsch laufen. Vom Publikum bekam er viel von dem zurück, was er während seiner Karriere einfordert: Respekt, Zuneigung und Liebe.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1