Rheinfelden
Der «Güsel-Papst» gibt die Littering-Zange ab

Peter Scholer engagierte sich 16 Jahre lang als Präsident des Abfallverbandes. Jetzt nimmt er «voller Zufriedenheit» Abschied. Dass auch auf die Neuen viel Arbeit zukommt, bezweifelt er nicht.

Peter Rombach
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«Güsel-Papst Peter Scholer

«Güsel-Papst Peter Scholer

Genau genommen beschäftigte sich Peter Scholer über ein Vierteljahrhundert lang mit Abfällen und Umweltschutz im Gemeindeverband Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal (GAF). Nun hielt er die Zeit für gekommen, sich zur Hälfte der vierjährigen Legislatur vom Spitzenposten zu verabschieden. Das war gestern Abend an der Abgeordnetenversammlung in Arisdorf BL, wo er als Präsident nach 16 Jahren letztmals einen Jahresbericht vorlegte. «Jetzt werde ich ein normales Fricktaler GAF-Nutzungsmitglied», lächelte er.

Als Stadtrat in den GAF delegiert

«Anfangs habe ich von Abfall nichts gewusst», bekennt Scholer freimütig. Als Rheinfelder Stadtrat mit dem Ressort Bau, Umwelt und Energie wurde er von Amts wegen 1986 in den GAF geschickt, wo er auch in seiner Zeit als Vizeammann die Zusatzbelastungen durch den Präsidentenposten bravourös meisterte.

Dass sich die Aufgaben des Verbandes vor allem im vergangenen Jahrzehnt stark veränderten, bestätigt Scholer. «Damals eine spannende neue Aufgabe, alle mussten sich in die Themen reinknien, um die kreativen Möglichkeiten des GAF zu nutzen.» Also weg vom reinen Kehricht einsammeln, hin zu neuen Aktionsfeldern und mehr Bürgernähe. Seine Devise machte im Fricktal als geflügeltes Wort rasch die Runde: «Es gibt keinen Abfall, sondern nur Rohstoff am falschen Ort.»

Als Höhepunkte seines Wirkens sieht Peter Scholer die Einführung des Einheitssacks für Kehricht, das Fördern von Wertstoffsammlungen, um Altpapier, Glas, Metall oder Aluminium wieder einem Recycling-Prozess zuführen zu können. Als Meilenstein sieht er ferner die Einrichtung der Multisammelstelle beim Werkhof Schallen in Möhlin, wo die Bevölkerung fast alles abgeben kann, was nicht mehr gebraucht wird. Dass sich mittlerweile alle Verbandsmitglieder der Grüngutabfuhr bedienen und die Bio-Klappen in jenen Quartieren hohe Akzeptanz finden, wo die Bevölkerung keinen eigenen Garten hat, erfüllt ihn sichtlich mit Stolz. «Wieder eine Pionierleistung des GAF – allerdings erst nach monatelanger intensiver Überzeugungsarbeit.»

Mit gutem Beispiel voran

Information und Motivation der Bevölkerung gehört aus Scholers Sicht zur Aufgabe der Abfallwirtschaft. Wen wundert’s also, dass der Präsident nicht nur Mitarbeitende und Vertreter von Spezialfirmen auf Gewerbeschauen oder grössere Feste schickte, sondern höchstpersönlich zur Littering-Zange griff. Um beispielgebend voranzugehen und weggeworfene Plastikflaschen, Pommes-frites-Tüten, Bierdosen oder Kurioses wie Schuhe und Schlüpfer mit der Zange aufzuschnappen und zu entsorgen. «Unser Kampf gegen Littering als gesellschaftliches Problem geht weiter.» Wegen seines vielfältigen Einsatzes hatte Scholer bald mal einen Spitznamen weg, der ihm sogar gefällt: «Der Güsel-Papst.»

Der scheidende GAF-Chef deutet noch auf die Aktionen «Saubere Umwelt» an Schulen in der Region oder am Rheinfelder Festival der Kulturen. Oder auf die Präsenz am Rheinfelder Blumenfrühling, am Wildpflanzenmarkt Kaiseraugst, an diversen Energietagen. «Der GAF muss sich auch künftig in der Öffentlichkeit stark präsentieren und für seine Ziele werben.»

Der Verband ist kerngesund

Peter Scholer nimmt voller Zufriedenheit Abschied. «Im GAF wird es nie langweilig, er ist organisatorisch wie finanziell gut aufgestellt, also kerngesund.» Demnach der Erfolg einer 16-jährigen Präsidentschaft. Scholer: «Ideal zu übergeben.» Dass auch auf die Neuen viel Arbeit zukommt, bezweifelt er nicht.

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