Forstwirtschaft

Der Fricktaler Wald leidet unter dem Borkenkäfer und der Hitze

In Möhlin (im Bild) war der Vollernter bereits im Juni im Einsatz, in den Waldungen des Fortsbetriebs Thiersteinberg ist er in diesen Tagen unterwegs, um vom Borkenköfer befallene Bäume zu fällen.

Die Forstbetriebe beklagen hohe Ertragsausfälle. Wie ein Wald der Zukunft aussehen wird, ist offen.

Im Juni hofften die Fricktaler Förster noch auf einen Sommer mit gemässigteren Temperaturen und mehr Regen als im Vorjahr. Nun sind die Sommermonate vorbei – und die Hoffnung hat sich nicht wirklich erfüllt.

«Es war zwar etwas feuchter als 2018», sagt etwa der Rheinfelder Stadtoberförster Kurt Steck, «aber wir haben ein grosses Wasserdefizit im Boden.» Dieses habe sich in den letzten Jahren entwickelt – und nun weiter akzentuiert.

Durch die Hitze und die Trockenheit hätten die Bäume weniger Abwehrkräfte und könnten sich deshalb auch weniger gegen Schädlingsbefall wehren.

«Der Borkenkäfer grassiert weiter», so Kurt Steck. Philipp Küng, Betriebsleiter des Forstbetriebs Thiersteinberg, der Waldungen in den Gemeinden Eiken, Frick, Gipf-Oberfrick, Oeschgen, Sisseln, Wegenstetten und Wittnau bewirtschaftet, und Urs Steck, Leiter der Forstverwaltung Möhlin, bestätigen dies.

Hoher Ertragsausfall wegen Käferholz

Im Forstbetrieb Thiersteinberg ist der Vollernter im Einsatz, um Käfer-Bäume zu fällen. «Bislang sind wir schon bei 2500 Kubikmeter Käferholz», so Küng. «Aber es gibt sicher noch einiges mehr.»

In Möhlin war der Vollernter bereits im Juni unterwegs, und es wurden diesen Sommer ebenfalls bereits 2500 Kubikmeter Holz zwangsgenutzt. Weitere 1000 Kubikmeter Käferholz dürften gemäss Urs Steck noch anfallen. «Das entspricht dann total mehr als der Hälfte der geplanten Jahresnutzung.»

In Rheinfelden ist die Situation vergleichbar. Auch hier wird mehr als die Hälfte der Jahresnutzung auf Käferholz entfallen. «Bislang sind es schon 4000 Kubikmeter», so Kurt Steck. Dies ist gar noch mehr Käferholz als im Vorjahr.

Damals mussten zwar rund 5000 Kubikmeter Holz zwangsgenutzt werden – die Hälfte jedoch aufgrund von Sturmschäden.

Dass dies ins Geld geht, rechnet Kurt Steck vor. Gesundes Holz könne man für 80 bis 90 Franken pro Kubik kaufen, Käferholz für 30 bis 40 Franken. «Allein in Rheinfelden bedeutet das für dieses und das vergangene Jahr je einen Ertragsausfall von 250 000 Franken.»

Während die Borkenkäfer Nadelbäume – allen voran Fichten – befallen, gehen Hitze und Trockenheit auch an den Laubbäumen nicht spurlos vorüber. Kurt Steck spricht von verdörrenden Kronen, die vor allem bei Buchen auftreten.

Das Risiko von herabfallenden Ästen nähme dadurch zu. Sperrungen wie etwa im Hardwald im Baselbiet seien aber noch nicht notwendig. Auch Philipp Küng spricht von einzelnen Buchen, die vertrocknet sind. «Die Zahl dieser Einzelbäume steigt, aber in unseren Waldungen sind es noch nirgends zusammenhängende Flächen», so Küng.

Auch in Möhlin fallen Laubbäume der Trockenheit zum Opfer, vor allem entlang des Rheins, wie Urs Steck sagt. Da dort auch der Wanderweg verläuft, «müssen wir dies im Auge behalten», so Steck. Allenfalls sei es im kommenden Frühling nötig, dort aus Sicherheitsgründen Bäume zu fällen.

Für die Zukunft ist Vielfalt gefragt

Mit der Buche ist jene Baumart von den Wetterauswirkungen betroffen, die als Hauptbaumart der Region gilt und die man über Jahrzehnte hinweg für ideal angepasst hielt. Die Förster sind deswegen besorgt. Grundsätzlich müsse man sich nun Gedanken machen, wie der Wald in Zukunft aussehen werde, so die drei Förster unisono.

Denn für eine Erholung des Waldes bräuchte es in den nächsten Jahren kältere Temperaturen und vor allem länger anhaltende Regenperioden. «Man muss jedoch eher befürchten, dass es in den nächsten Jahren so weitergeht wie 2018 und 2019», so Kurt Steck.

Dennoch dürfe man nun nicht in Hysterie verfallen und Panik machen. Der Wald verändere sich immer wieder. «Möglicherweise sind die Eichen die Klimagewinnerinnen.» Dies sieht auch Urs Steck so. Auch Zirbelbäume oder Edelkastanien könnten zur Alternative werden, sagt er. Kurt Steck nennt zusätzlich noch Nussbäume.

Im Forstbetrieb Thiersteinberg pflanzt man seit rund zwei Jahren auch Baumhasel. «Die Erfahrungen sind bislang gut», so Philipp Küng. Allerdings sei der Zeitraum für eine abschliessende Beurteilung noch zu kurz. Klar ist für ihn: «Für die Zukunft braucht es Vielfalt und keine Monokulturen.»

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Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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