Die gute Nachricht zuerst: Der Referenzzinssatz ist auf ein Rekordtief von 1,75 Prozent gesunken. Für die meisten Mieter in der Schweiz bedeutet das, dass sie einen Anspruch auf Mietreduktionen haben. Ein Blick in den Mietvertrag lohnt sich zurzeit also. Denn dort ist festgeschrieben, auf welchem Referenzzinssatz der aktuelle Mietzins beruht. Ein Anspruch auf Reduktion besteht, wenn die Grundlage im Vertrag höher als 1,75 Prozent ist.

Eingeschriebenes Gesuch

Das dürfte auch bei vielen Mietverhältnissen im Fricktal der Fall sein. Die Aargauer Zeitung hat bei den grossen Vermietern in der Region nachgefragt. Überall geben die Verantwortlichen den gleichen Satz zu Protokoll: «Ja, die meisten Mieter mit laufenden Verträgen haben einen Anspruch auf eine Reduktion ihrer Miete.» Aber was müssen Mieter tun, um diese Reduktion auch zu erhalten? Hier kommt die schlechte Nachricht ins Spiel: Von alleine passiert nämlich gar nichts.

«Die Mieter müssen ihren Anspruch mit einem schriftlichen Gesuch an die Verwaltung geltend machen», sagt Margot Töppler, Immobilienbewirtschafterin bei der Wincasa in der Wohnüberbauung Augarten in Rheinfelden. Selbiges heisst es bei der Erla Immobilien AG in Laufenburg und bei Varioserv (Liebrüti, Kaiseraugst). «Von uns aus machen wir nichts», sagt Christoph Weber von Varioserv.

Wer laut Mietvertrag einen Anspruch auf eine tiefere Miete hat, muss also per eingeschriebenen Brief ein Senkungsgesuch stellen. Einen Musterbrief hat unter anderem der Mieterverband auf seiner Homepage aufgeschalten. Die Gesuche würden dann einzeln geprüft und innerhalb von dreissig Tagen beantwortet, sagt Töppler.

Drei Faktoren zur Beurteilung

Neben dem Hauptfaktor Referenzzinssatz spielten auch andere Faktoren eine Rolle, ob ein Mieter eine Reduktion erhält, erklärt Marc Friedrich, Immobilienbewirtschafter bei Erla Immobilien. «Einerseits ist das die Teuerung, andererseits auch die Allgemeinkosten.» Diese drei Faktoren würden aufgerechnet und der Mietzins entsprechend angepasst.

So kann es auch sein, dass sich der Mieter mit seinem Gesuch ins eigene Fleisch schneidet. Dann nämlich, wenn die Allgemeinkosten und Teuerung höher sind als die Senkung des Referenzzinssatzes. Wobei die Teuerung in den vergangenen Jahren niedrig oder sogar negativ gewesen sei und somit nicht zum Tragen komme. «Die Chancen, dass ein Gesuch gutgeheissen wird, stehen also gut», sagt Friedrich. Das sagt auch Christoph Weber von Varioserv. Einzig bei Wohnungen mit ohnehin sehr niedrigem Mietzins könne keine Reduktion gewährt werden, weil die Rentabilität nicht mehr gewährleistet sei.

Jeder Zehnte stellt Gesuch

Rund 1000 Wohnungen vermietet Varioserv in der Kaiseraugster Liebrüti. «Erfahrungsgemäss stellen etwa 10 bis 15 Prozent ein Gesuch», sagt Weber. Marc Friedrich stellt diesbezüglich «tendenziell eine Zunahme» fest: «Die Leute sind sensibler geworden und reagieren eher – gerade auch auf die Berichterstattung der Medien.»

Übrigens: Konsequenzen im Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter hätten die Gesuchsteller keine zu erwarten: «Es ist das gute Recht der Mieter, ein solches Gesuch zu stellen», beteuern sämtliche befragten Immobilienbewirtschafter.