Biodiversität

Dank Brachen können sich bedrohte Tierarten zurückziehen und überleben

Markus Kasper erklärt das Projekt an einer Exkursion.

Markus Kasper erklärt das Projekt an einer Exkursion.

Mit dem Projekt Biodiversität im Melerfeld schafft der Natur- und Vogelschutz Möhlin finanzielle Anreize für Landwirte, ökologisch wertvolle Massnahmen für bedrohte Tiere und Pflanzen umzusetzen.

Durch Ferngläser beobachten die Teilnehmer der Exkursion zum Projekt Biodiversität im Melerfeld den Horizont und halten Ausschau nach Vögeln. «Ist das eine Feldlerche?», werden Projektleiter Markus Kasper und Naturschutzbiologe Lukas Merkelbach gefragt. Diese verneinen.

Die Feldlerche ist Sorgenkind der Naturschützer und Symbol für den Verlust an Vogelarten schweiz- und weltweit. In 20 Jahren sind im Melerfeld bei der Feldlerche die Brutpaare von 33 auf 3 Paare zurückgegangen. Den Tieren fehlen Rückzugsräume, und durch das Insektensterben hat sich das Nahrungsangebot verknappt. «Das ist leider nicht nur der Trend in Möhlin», sagt Kasper, Präsident des Natur- und Vogelschutzes Möhlin (NVM). Merkelbach wurde vom NVM als externen Berater hinzugezogen.

Im begrenzten Bereich zwischen Möhlin und Wallbach versucht der Verein in Zusammenarbeit mit den ansässigen Landwirten, die Biodiversität zu steigern.

Für den Ernteausfall gibt es eine Kompensation

Neben der Feldlerche stehen Steinkauz, Kreuzkröte, Wildbienen und seltene Ackerflora symbolisch für gefährdete, teils schon ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten. Die Förderung dieser fünf Arten unterstützt auch andere Arten, erklärt Merkelbach. Von der Förderung der Kreuzkröten profitieren etwa auch Gelbbauchunken und Laubfrösche.

Die wichtigsten Massnahmen sind das Anlegen von Buntbrachen und Rotationsbrachen, das Stehenlassen eines ungemähten Saums am Rande von Ackerflächen. Aber auch Kleinstrukturen wie Stein- oder Holzhaufen oder eine Holzscheune mit passendem Umfeld bieten neue Lebensräume für Tiere.

Bei Vertragsabschluss wird den Landwirten eine Kompensation für den Ernteausfall durch den NVM gezahlt, zusätzlich zu den kantonalen Geldern im Rahmen des Labiola-Programms. Die Anforderungen sind höher als bei Labiola.

Zudem spricht der NVM bei der Standortwahl mit. Der Vertrag läuft über acht Jahre, dafür übernimmt der Verein zusätzlich auch Kosten für die Ausarbeitung eines Gesamt-Bewirtschaftungsvertrags durch Agrofutura, die Kosten und das Anbringen von Nistkästen sowie die Kosten für Saatgut, Bäume oder Kleinstrukturmaterialien, sofern diese nicht von anderer Seite gezahlt werden. Über einen Zehnjahreszeitraum konnte der NVM Sponsoren für 330 000 Franken finden.

Eine Brache hat er schon vor dem Projekt eingerichtet, die jetzt im dritten Jahr ist, erzählt Landwirt Urs Kaufmann vom Talhof. Weitere Brachen wird er einrichten. Er erklärt, dass die Einnahmen durch die Brache zwar doppelt so hoch seien, aber die Brache auch doppelt so viel Aufwand bedeute. Probleme machten vor allem Neophyten.

Fast zwei Drittel der Landwirte machen mit

Für die Feldlerche und weitere bedrohte Arten des Kulturlandes sind insbesondere die Brachen wesentliche Rückzugsräume und Nahrungslieferanten.

Das Projekt läuft erst seit einem Jahr, daher gibt es noch keine Daten über Vogelbestände von der Erfolgskontrolle. Erfreulich ist, dass sich fast zwei Drittel der Landwirte am Projekt beteiligen.

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