Um es genau zu nehmen: Es waren Forderungen über 1'198'977'366 Franken. Im Jahr davor waren es sogar rund 1,59 Milliarden Franken. Das Betreibungsamt ist für neun Gemeinden (siehe Tabelle unten) zuständig.

«Die hohe Summe aller Forderungen resultiert daraus, dass einzelne wenige mit einer hohen Forderungssumme betrieben wurden», sagt Beat Acklin, Leiter des Regionalen Betreibungsamtes. Das Spektrum der Forderungen reiche vom tiefen zweistelligen Bereich bis hin zu grossen Millionenbeträgen. «Die Betreibung mit der höchsten einzelnen Forderungssumme von 890 Millionen Franken wurde im Jahr 2017 eingeleitet.»

Angaben dazu, gegen wen sich die Forderungen in Millionenhöhe und insbesondere jene über 890 Millionen richten, macht Acklin aus Datenschutzgründen keine – auch nicht dazu, ob es sich bei den Betriebenen um Firmen oder Privatpersonen handelt.

Zwei Fälle sorgten für Aufsehen

Medial sorgten in den letzten Jahren vor allem zwei Fälle in der Region für grosses Aufsehen. Der eine ist jener der ASE Investment AG, die rund 2000 Geschädigte um 170 Millionen Franken betrogen hat. Das Obergericht bestätigte Ende Januar die Freiheitsstrafen gegen die beiden Hauptverantwortlichen, reduzierte aber das Strafmass gegenüber dem Bezirksgericht Laufenburg auf sieben respektive auf zwei Jahre und vier Monate. Ob die Beschuldigten das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen, ist noch offen.

Die Firma hatte ihren Sitz in Frick – allerdings nur bis 2007; dann verlegte sie ihn nach Engelberg. Das Geschäftslokal jedoch blieb in Frick. Die beiden Hauptverantwortlichen wohnen nicht (mehr) in einer der neun Gemeinden, für die das Regionale Betreibungsamt Frick zuständig ist.

Der zweite grosse Fall ist jener um den Basler Financier Dieter Behring, der im Fricktal wohnt. Der Schaden der rund 2000 Anleger beläuft sich auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Rund 1300 Anleger meldeten als Privatkläger ihre Ansprüche an. Das Bundesstrafgericht hatte Behring 2016 wegen gewerbsmässigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Dagegen legte der Financier Beschwerde ein. Diese wurde vom Bundesgericht im August 2018 abgewiesen. Ein Revisionsgesuch ist noch pendent. Behring bestreitet die Vorwürfe nach wie vor, wie er auf seiner Website schreibt.

Ob einer dieser beiden Betrugsfälle im Zusammenhang mit den Betreibungsforderungen steht, bleibt allerdings unklar.

Krankenkassenprämien und Steuern

Die Forderungen in Millionenhöhe bei den Betreibungsämtern bilden die (teure) Ausnahme. «Den Grossteil der Betreibungen machen die Prämien der Krankenkasse, die Steuern sowie die Forderungen der Billag AG aus», sagt Acklin. Insgesamt leiteten die Behörden im letzten Jahr 3277 Betreibungen ein – 42 mehr als im Jahr zuvor. Der Blick in die Statistik zeigt zudem: Seit sechs Jahren steigt die Zahl der Betreibungen Jahr für Jahr an; 2013 waren es erst 2779 Betreibungen. Die Zunahme hat laut Acklin verschiedene Gründe. Dazu zählen die Zahlungsmoral, niedrige Einkommen, der Umgang mit den Finanzen, das Bevölkerungswachstum, einschneidende Ereignisse wie Scheidung, Kündigung oder Krankheit sowie Liquiditätsprobleme bei Firmen.

Bei den Forderungen fällt auf: In den letzten beiden Jahren war die Gesamtsumme deutlich höher als in den Jahren zuvor. 2014 lag sie bei rund 472 Millionen, 2015 bei 529 Millionen und 2016 bei 473 Millionen Franken. Acklin spricht von einer Wellenbewegung bei den Forderungen. Diese sei davon abhängig, welche Forderungssummen im jeweiligen Jahr betrieben wurden. «Dabei sind auch Betreibungen, welche zur Unterbrechung von Verjährungsfristen dienen und teilweise jährlich eingeleitet werden», so Acklin. Der Grossteil der Betreibungen richtet sich dabei gegen Privatpersonen. «2018 wurden insgesamt 3168 Zahlungsbefehle ausgestellt», sagt Acklin. Davon gingen 2930 an Privatpersonen und 238 an Unternehmen. In den neun Gemeinden, für die das Betreibungsamt zuständig ist, leben zusammen gut 16 300 Personen. Rechnet man nun die Betreibungen auf die Einwohner um, so kommt man auf Betreibungen von 73 557 Franken pro Kopf.

5,46 Millionen eingegangen

Zwischen Forderungen und Einnahmen klafft ein grosses Loch. Total gingen im letzten Jahr beim Betreibungsamt «nur» 5,46 Millionen Franken ein – knapp 820'000 Franken davon in bar. Im letzten Jahr kam es laut Betreibungsstatistik zu 1322 Pfändungsvollzügen, 277 Rechtsvorschlägen und 976 Verlustscheinen. Insgesamt erteilte das Amt 3211 Auskünfte aus dem Betreibungsregister. 2017 waren es 3089.