Fricktal

Aufräumarbeiten nach Sturm Burglind: Warum sich die Forstbetriebe auf den Frost freuen

In Aargauer Wäldern sind nach den Stürmen im Januar die Aufräumarbeiten in vollem Gang. Wegen des nassen Bodens können die Forstarbeiter mit den schweren Maschinen nur auf den Wegen fahren.

In Aargauer Wäldern sind nach den Stürmen im Januar die Aufräumarbeiten in vollem Gang. Wegen des nassen Bodens können die Forstarbeiter mit den schweren Maschinen nur auf den Wegen fahren.

Der nasse Boden ist bei den Aufräumarbeiten im Wald nach Sturm Burglind eine Herausforderung – die Kältewelle kann dabei helfen.

Zu Jahresbeginn fegte der Sturm Burglind über den Aargau und hinterliess dabei beachtliche Schäden im Wald. Kantonsweit beläuft sich die Schadholzmenge auf 120 000 bis 190 000 Kubikmeter Holz. Das entspricht rund 30 bis 50 Prozent der Jahresnutzung im Kanton.

Die grössten Schäden entstanden in den südlichen und südöstlichen Kantonsteilen, doch auch das Fricktal war betroffen. Die Forstbetriebe der Region schätzten die Schäden kurz nach dem Sturm auf 15 bis 30 Prozent des normalen jährlichen Hiebsatzes (die AZ berichtete).

Seit gut sechs Wochen sind die Fricktaler Forstbetriebe nun mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Zunächst galt es, die Verbindungswege und Waldstrassen freizuräumen, dann die umgestürzten Bäume aus den Wäldern abzutransportieren. Dabei stellt die Wetterlage die Forstarbeiter vor eine Herausforderung.

So heftig fegte Sturm Burglind über die Region: 

«In den Beständen ist es viel zu nass, wir können nicht mit den grossen Maschinen hineinfahren», sagt etwa Kevin Schaffner, Forstwart im Forstbetrieb Mettauertal-Schwaderloch. Deshalb habe man bislang viel von Waldstrassen aus gearbeitet.

Ähnlich äussert sich Urs Vogt, Forstwart im Forstbetrieb Kaisten. «Die zugänglichen Gebiete konnten wir bereits zu einem grossen Teil aufräumen.» Nun hoffen Vogt und Schaffner, dass die prognostizierte Kältewelle in den kommenden Tagen eintrifft. Bei gefrorenem Boden wären auch Arbeiten in schwerer zugänglichen Waldgebieten möglich.

Förster bei den Aufräumarbeiten nach Sturm Burglind:

«Uns ist der Bodenschutz wichtig», betont Vogt. Zerstöre man mit schwerem Gerät den Waldboden, sei der Schaden langfristig grösser. Deshalb müsse und werde man Geduld haben, so Vogt weiter. Es gebe ohnehin genügend Arbeiten zu verrichten. «Derzeit schlagen wir Bäume, die von der Eschenwelke befallen sind.»

Aufträge an Externe nötig

Eine weitere Herausforderung stellt sich für die Forstbetriebe, wenn sie nicht alle notwendigen Maschinen selber besitzen. «Einen Vollernter zu bekommen, ist aktuell schwierig», sagt etwa Stefan Landolt vom Forstbetrieb Thiersteinberg, der die Waldungen von verschiedenen Gemeinden in der Region Frick bewirtschaftet. Und Kevin Schaffner sagt: «Man muss gut planen und manchmal auch warten, bis die Forstunternehmer freie Kapazitäten haben.»

Schnell voran mit den Aufräumarbeiten kam bislang der Forstbetrieb Wölflinswil, der auch die Wälder in Herznach, Oberhof und Ueken betreut. «Wir hatten glücklicherweise weniger Sturmschäden als andere Gemeinden», sagt Förster Werner Habermacher. Etwa 20 Prozent der Jahresnutzung seien dem Sturm zum Opfer gefallen. «Wir konnten aber fast alles mit den eigenen Maschinen aufräumen.»

Wo zusammenhängende Flächen betroffen gewesen seien, seien die Aufräumarbeiten bereits beendet, so Habermacher weiter. «Jetzt gehen wir die Streuschäden an.» Man räume jeweils dort auf, «wo wir ohnehin noch Holzschläge machen». Auch in Kaisten und beim Forstbetrieb Thiersteinberg ist man mit dem Stand der Aufräumarbeiten zufrieden.

Droht der Borkenkäfer?

Etwas Sorgen macht man sich beim Forstbetrieb Mettauertal-Schwaderloch. «Bei uns sind viele Nadelbäume betroffen», sagt Kevin Schaffner. Deshalb müsse man sich nun in den kommenden Wochen schon etwas beeilen, um bis im April oder Mai fertig zu sein. Denn Fichtenholz locke, wenn die Temperaturen im Frühling ansteigen, den Borkenkäfer an.

Schadensbilanz nach "Burglind"

Schadensbilanz nach "Burglind" (Beitrag vom Januar 2018)

Der starke Sturm Burglind wütete in vielen Solothurner Wäldern. Dabei entwurzelte er eine Vielzahl an Bäumen.

Auch andernorts ist man sich dieser Gefahr bewusst. «Das ist bei uns durchaus auch ein Thema», sagt Urs Vogt. Allerdings sieht er die Gefahr eher darin, dass sich der Borkenkäfer in Astmaterial einnistet, das auch nach den Aufräumarbeiten noch im Wald liegen bleibt.

Stefan Landolt bringt noch einen weiteren Aspekt ins Spiel. «Der Borkenkäfer ist ein Sekundärschädling», sagt er. Er befalle mit Vorliebe Bäume, die zwar noch stehen, deren Wurzelwerk jedoch vom Sturm geschädigt sei. «Sie können sich schlechter wehren.»

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