Fricktal
Aufatmen bei den Verantwortlichen: Erste Kirchgemeinde sagt Ja zum Pastoralraum-Projekt

Mit Frick/Gipf-Oberfrick sagt die erste Kirchgemeinde Ja zum Start in das Pastoralraum-Projekt. Ein Nein von Frick/Gipf-Oberfrick hätte das Projekt gestoppt oder doch zumindest um ein bis zwei Jahre zurückgeworfen, noch bevor es überhaupt begonnen hat. Folgen nun weitere?

Thomas Wehrli
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Martin Linzmeier, hier in der Kirche Gipf-Oberfrick, wird die Projektleitung für den Pastoralraum «AG20» übernehmen..Archiv

Martin Linzmeier, hier in der Kirche Gipf-Oberfrick, wird die Projektleitung für den Pastoralraum «AG20» übernehmen..Archiv

Thomas Wehrli

Die Blockade, in die der Pastoralraum «AG 20» bereits vor dem Projektstart zu rutschen droht, ist – zumindest vorerst – abgewendet: Mit Frick/Gipf-Oberfrick hat die weitaus grösste der sieben beteiligten Kirchgemeinden am Mittwochabend Ja zur Projektierung gesagt – und die Gläubigen taten dies deutlicher als erwartet: Von den 84 anwesenden Stimmberechtigten lehnten nur acht den Projektierungskredit ab.

Ein Nein von Frick/Gipf-Oberfrick hätte das Projekt gestoppt oder doch zumindest um ein bis zwei Jahre zurückgeworfen, noch bevor es überhaupt begonnen hat. Denn mit Kienberg, Wittnau und Wölflinswil haben bereits drei Kirchgemeinden den Kredit verworfen. Und die Stimmung in den noch ausstehenden Kirchgemeinden ist, vorsichtig formuliert, nicht eben überschwänglich.

Bischofsvikar Christoph Sterkman, der vom Bistum aus für die Pastoralräume im Fricktal zuständig ist, nimmt die Zustimmung von Frick/Gipf-Oberfrick «mit Genugtuung zur Kenntnis», wie er auf Anfrage schreibt. Mehr will er derzeit dazu nicht sagen. Sobald alle Kirchgemeinden entschieden haben, werde er «Kontakt mit den Kirchenpflegepräsidien bezüglich der weiteren Schritte aufnehmen».

Markus Schmid, Präsident der Kirchenpflege Frick/Gipf-Oberfrick, ist froh, dass die Diskussionen in einem «guten Geist» abgelaufen sind «und wir den Anwesenden klar machen konnten, dass wir das Projekt brauchen, um mehr zu wissen und dadurch die Gestaltung des Pastoralraums selbst in die Hände nehmen können».

Linzmeier wird Projektleiter

Denn, das betont Schmid, genau dies ermöglicht das Ja: mitzugestalten. Man habe ja am Mittwoch nicht über die Bildung des Pastoralraums abgestimmt, sondern lediglich über den Projektstart, um damit die Grundlagen für den künftigen Pastoralraum zu erarbeiten. Die Abstimmung über die Errichtung des Pastoralraums selber folge erst danach.

Diese Abstimmung dürfte frühestens 2019 anstehen. Martin Linzmeier, Gemeindeleiter in Gipf-Oberfrick, rechnet ab Projektstart mit ein bis eineinhalb Jahren, bis ein Konzept vorliegt. Er wird daran federführend mitarbeiten, denn seit Mittwoch ist klar: Linzmeier wird, stimmen die Kirchgemeinden zu, die Projektleitung übernehmen.

Bislang standen stets zwei Namen im Raum: Linzmeier und Bernhard Lindner, Gemeindeleiter von Oeschgen. Lindner hat sich in dieser Woche entschieden, dass er nicht mehr für die Projektleitung zur Verfügung steht.

Die Klarheit, wer das Projekt leitet, bringt eine weitere Klarheit mit sich: Linzmeier wird auch der künftige Gemeindeleiter von Frick, Gipf-Oberfrick und Oeschgen sein. Denn das Bistum will die heute drei Leitungseinheiten – Martin Linzmeier, Bernhard Lindner und Pfarrer Thomas Sidler, der Ende Juni 2018 pensioniert wird – auf eine reduzieren. Und Bischofsvikar Christoph Sterkman sagte schon im Vorfeld der Pastoralraum-Debatte: Wer Projektleiter wird, ist im Pastoralraum auch als Gemeindeleiter gesetzt. Markus Schmid bestätigt: «Die Leitung der Pfarreien Frick, Gipf-Oberfrick und Oeschgen wird Martin Linzmeier übernehmen.»

Das wiederum heisst für Frick: Gesucht wird als Nachfolger von Pfarrer Sidler «ein priesterlicher Mitarbeiter», so Schmid. An ihn dürfte dann die Pfarrverantwortung für die drei Pfarreien übergehen. Dies allerdings ist nicht Sache der Kirchgemeinden, sondern des Bischofs.

Mit einer Priester-Vakanz rechnet Schmid derzeit nicht. «Die Gespräche mit Bischofsvikar Christoph Sterkman haben bereits stattgefunden und die Ausschreibung in der Kirchenzeitung ist am Laufen», sagt er. «Die Voraussetzungen für einen nahtlosen Übergang sind also geschaffen; wir sind gespannt auf die Bewerbungen für diese Stelle.»

Noch ist nichts entschieden

Dass nun Klarheit über die Projektleitung besteht, begrüsst Schmid. Denn gerade in Wittnau wurde moniert, dass man über ein Projekt abstimme, ohne zu wissen, wer es leiten wird. «Durch diese Klarheit sollten die Chancen deutlich erhöht sein», wagt Schmid einen Blick auf die noch ausstehenden Kirchgemeindebeschlüsse. Schmid betont aber auch: Für ihn seien beide, Linzmeier wie Lindner, «bewährt, bestens bekannt» und damit geeignete Papabili gewesen.

Während Herznach-Ueken gestern Abend abgestimmt haben (das Ergebnis lag zu Redaktionsschluss noch nicht vor), folgen heute Hornussen-Zeihen und am Montag Oeschgen. Schmid hofft, dass das Ja aus Frick/Gipf-Oberfrick eine Signalwirkung auf die Kirchgemeinden hat, die noch nicht abgestimmt haben. Linzmeier wünscht sich ebenfalls, dass das Votum aus Frick den verbleibenden Kirchgemeinden «Mut macht, Ja zu sagen». Denn die Bedenken und Fragen seien die Gleichen. «Das Projekt soll Antworten bringen und Bedenken ausräumen.»

Sollten die anderen Kirchgemeinden Ja sagen und das Projekt, wie vom Bistum gewünscht, Anfang 2018 starten, kommen viel Arbeit und noch mehr offene Fragen auf Linzmeier zu. So etwa, wie man die Kirchgemeinden, die Nein gesagt haben, in den Prozess einbindet.

Klärung mit Nein-Gemeinden

Eine zentrale Frage lautet für Linzmeier denn auch: «Unter welchen Voraussetzungen ist es Wittnau, Wölflinswil und Kienberg möglich, mitzumachen.» Es werde Aufgabe von Sterkman sein, das mit den Kirchgemeinden zu klären. «Wenn ich etwas dazu beitragen kann, bin ich dazu bereit.»

Dass sich Linzmeier als Projektleiter zur Verfügung stellt, hat einen pragmatischen und einen inhaltlichen Grund. Zum einen arbeitet er derzeit in einem 80 Prozent-Pensum und hat somit noch die 20 Prozent Kapazität, die für die Projektleitung veranschlagt sind.

Zum anderen geht es ihm darum, in eine gute Zukunft zu gehen und das Heft selber in der Hand zu behalten. «Es geht darum, die Zukunft unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen zu gestalten», sagt er. «Unter uns Seelsorgenden waren wir uns einig, dass das Projekt besser jemand leitet, der sich in der Region auskennt, die Bedürfnisse und Eigenheiten der Kirchgemeinden und Pfarreien ernst nimmt.»

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