Angefangen hat alles mit einem simplen Gedanken: «Wir wollten einfach nicht gänzlich auf Kultur im Dorf verzichten», sagt Martin Schmid, Inneneinrichter aus Gipf-Oberfrick. Als vor über 15 Jahren also das Kulturlokal «Galerie zur Hofstatt» geschlossen wurde, machten sich «einige findige Gipf-Oberfricker», wie Schmid sagt, Gedanken zur Zukunft. «Das schwierigste war, ein geeignetes Lokal für die Anlässe zu finden.» Die Turnhalle wurde als zu gross taxiert, eine Alternative gab es nicht.

Also wurde aus der Not eine Tugend gemacht: «Wir kamen auf die Idee, selbstständige Handwerker im Dorf anzufragen, ob wir ihre Räumlichkeiten nutzen dürfen», erzählt Schmid. Die Anlässe in diesem speziellen Rahmen sind heute das Markenzeichen des Vereins «Kul’tour». Schmid ist Gründungsmitglied und Vizepräsident des Vereins, der am Sonntag sein 15-Jahre-Jubiläum feiert. Mit Konzerten von «Sunny Mountain Grass» und «Caorán» im Jugendtreff Freakhall.

Das Spektrum erweitert

Schmid erinnert sich gut an die Anfangszeit. Daran, wie schwierig es teilweise war, an die Künstler heranzukommen. «Wir waren als Veranstalter damals völlig unbekannt», sagt er. Das Konzept mit den Handwerksbetrieben aber erwies sich als Vorteil: «Es gab viele Künstler, die neugierig waren und das gerne ausprobierten.» Anfangs kamen die Künstler ausschliesslich aus den Bereichen Klassik, Lesung und Theater. Mittlerweile hat der Verein sein Spektrum erweitert. Gleichzeitig sei es einfacher geworden, Künstler zu engagieren, sagt Schmid. Dafür gibt es heute eine andere Herausforderung: Handwerksbetriebe zu finden, die bereit sind, einen Teil ihrer Räumlichkeiten für einen Anlass zur Verfügung zu stellen. «Einige machen sehr gerne mit, andere muss man eher überzeugen», sagt Schmid mit einem Lachen.

In seinem Ressort ist er für die Lokalsuche verantwortlich. Es gehe ihm darum, zusammen zu führen, was zusammen passe, erklärt er und vergleicht den Prozess mit der Innenraumgestaltung. Etwas Kreativität ist gefragt, etwas Vorstellungsvermögen auch. «Die grösste Freude bereitet mir, wenn es mir gelingt, eine passende Lokalität zu finden», sagt Schmid. Wenn etwa in der Schreinerei ein Konzert mit Holzinstrumenten stattfinden kann. «Diese Freude ist meine Motivation.»

Das Ziel bleibt das gleiche

Deshalb lässt er sich auch nicht entmutigen, wenn die Euphorie beim Besitzer einer Lokalität anfangs vielleicht etwas fehlt. «Ein solcher Anlass kann einem Unternehmen viel bringen», ist Schmid überzeugt. Es sei etwa möglich, die eigenen Kunden dazu einzuladen und sie in einem anderen Rahmen kennen zu lernen. Oder es sei die Gelegenheit, in einem Lagerraum Ordnung zu schaffen, fügt Schmid mit einem Lachen an.

Der Verein wird heute von sechs Vorstandsmitgliedern geleitet und zählt rund 30 Mitglieder. Das Ziel ist – da bleibt man dem Startgedanken treu – in Zukunft weiterhin Kultur nach Gipf-Oberfrick zu bringen. Und auch das Konzept mit den unkonventionellen Lokalen soll beibehalten werden. «Um diese Eckpfeiler herum sind wir offen für Ideen», sagt Schmid. Die Mission Kultur ist noch nicht abgeschlossen.