Standortfrage

Auch ohne Möhlin eine Mittelschule Fricktal in Rheinfelden? Ja, sagen Grossräte, das soll geprüft werden

Grossräte befürworten, wenn die Stadt Rheinfelden prüft, ob sie auch ohne Möhlin als Standort für die Mittelschule Fricktal in Frage kommt.

Es ist die regionale Politfrage im kommenden Jahr: Wo wird die Mittelschule Fricktal gebaut? Als Standort beworben haben sich Frick, Stein und Rheinfelden/Möhlin mit einem gemeinsamen Standort beim Bahnhof Möhlin. Nur: Die Möhliner haben die Testplanung für das betreffende Areal am Wochenende wuchtig abgelehnt.

Was nun? Rheinfelden und Möhlin wollen gemeinsam analysieren, ob eine Mittelschule beim Bahnhof Möhlin gleichwohl möglich ist, einfach auf dem Rheinfelder Teil des Areals. Als weitere Option wurde kurz vor der Abstimmung das Engerfeld in Rheinfelden ins Spiel gebracht, wo heute schon das Berufsbildungszentrums Fricktal domiziliert ist. Hier ist allerdings die Frage, ob das noch verfügbare Areal für die Mittelschule genügend gross ist (AZ von gestern).

Möhlin ist wohl draussen – oder doch nicht?

Sollte sich das Engerfeld als Option erweisen, ist es für den Grünen-Grossrat Andreas Fischer aus Möhlin wichtig, dass dies nicht auf Kosten des Berufsbildungszentrums geht. Dieses gewinne gerade auch durch die Ansiedlung der Gesundheitsberufe an Beachtung.

Fischer, der zu den Gegnern der Testplanung gehörte, sagt aber auch: Eine Mittelschule auf dem Areal beim Bahnhof Möhlin sei nach wie vor möglich – ob nun auf Rheinfelder Boden oder auf dem Boden beider Kommunen. «Das Nein zur Testplanung richtete sich nicht gegen eine Mittelschule. Eine solche kann auch ohne Testplanung realisiert werden», ist er überzeugt.

Désirée Stutz, SVP-Grossrätin ebenfalls aus Möhlin, sieht das etwas anders. «Das Stimmvolk hat Nein zur Testplanung gesagt. Wenn man nun einfach weitermacht, als wenn nichts wäre, politisiert man am Volkswillen vorbei.» Auch Bernhard Scholl (FDP), dritter Grossrat aus Möhlin, glaubt: «Möhlin ist wohl draussen.»

Ob eine Mittelschule beim Bahnhof Möhlin nun noch Sinn macht und möglich ist, hält Stutz für fraglich. «Ziel der Testplanung war es ja gerade, zu sehen, wie man das Gebiet möglich ressourcenschonend erschliessen kann und wo die Mittelschule am optimalsten platziert würde.» Für die SVP- Politikerin ist gleichzeitig aber auch klar: «Die Fakten sprechen dafür, dass die Mittelschule in unserer Region angesiedelt würde.»

Für Béa Bieber, GLP-Grossrätin aus Rheinfelden, hat der Entscheid in Möhlin die Ausgangslage für eine Mittelschule im Raum Möhlin/Rheinfelden «nicht gerade verbessert». Es liege nun aber an den beiden Gemeinden, zu prüfen, ob und unter welchen Prämissen eine Mittelschule noch möglich sei.

Ähnlich beurteilt es CVP-­Grossrat Alfons P. Kaufmann aus Wallbach. Er macht «zumindest ein grosses Fragezeichen» dahinter, ob eine Mittelschule beim Bahnhof Möhlin nun noch Sinn macht. Die Option Engerfeld zu prüfen, findet er sinnvoll. Dass Rheinfelden nach dem Nein aus Möhlin die Flinte ins Korn wirft, ist für ihn der falsche Weg. «Rheinfelden hat sicher noch Chancen», glaubt er.

Einen Vorentscheid will der Kanton im nächsten Jahr fällen. In der zuständigen Grossratskommission jedenfalls, der Kaufmann ebenfalls angehört, ist die Mittelschule Fricktal noch kein Thema.

Rheinfelden sei Zentrumsgemeinde, sagt Claudia Rohrer, SP-Grossrätin aus Rheinfelden. Deshalb findet sie es sinnvoll, wenn die Stadt prüft, ob sie als Standort nach wie vor in Frage kommt. Für Rohrer ist aber auch klar: «Die Mittelschule ist ein regionales Thema. Sie muss an dem Standort zu stehen kommen, der am besten geeignet ist.» Welcher dies ist, könne man im jetzigen Stadium noch nicht beantworten.

Gute Erreichbarkeit ist wichtiges Kriterium

Für die SP-Grossrätin muss der künftige Mittelschulstandort vor allem drei Kriterien erfüllen: Er muss erstens, gut erreichbar sein – mit dem öffentlichen Verkehr, aber auch mit dem Velo oder zu Fuss. Zweitens muss er über ein genügend grosses Einzugsgebiet verfügen, um, drittens, eine gute Grösse zu bekommen. Für Béa Bieber sind neben einer guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr gute Rahmenbedingungen entscheidend und Andreas Fischer sieht als wesentliches Kriterium, dass die Schule im oder nahe beim Siedlungsgebiet liegt.

Bernhard Scholl bringt als zusätzlichen Faktor die Kostenfrage ins Spiel – und die Umsetzungsmöglichkeit. «Wenn die Einwohner die Schule nicht wollen, dann wird es schwierig.»

Für Alfons P. Kaufmann ist klar: «Jeder Standort hat Vor- und Nachteile – je nach Parametern, die man anwendet.» Er macht zwei Beispiele. Eine Mittelschule im Raum Rheinfelden/Möhlin könnte eine Kooperation mit dem Baselbiet ermöglichen, falls dort dereinst ein Platzproblem bestünde. Eine Mittelschule in Stein wiederum könnte einen positiven Einfluss auf die Erschliessung des Sisslerfeldes haben, eine der grössten und wichtigsten unbebauten Industrieflächen im Aargau.

Désirée Stutz will sich, wie alle befragten Grossräte, erst festlegen, wenn die Botschaft im nächsten Jahr vorliegt. «Ich werde die Vorlage genau prüfen und mich dann festlegen», sagt sie und macht klar: «Sollte eine ­Variante beim Bahnhof Möhlin auf Rheinfelder Boden möglich sein, gilt es sicherzustellen, dass nicht Möhlin einen Grossteil der Lasten zu tragen hat.»

Einig sind sich die Grossräte in einem Punkt: «Es gilt, den besten Standort zu finden», formuliert es Andreas Fischer und Alfons P. Kaufmann sagt: «Für mich ist zentral, dass im Sommer 2028 eine Mittelschule im Fricktal eröffnet wird. Wo dies sein wird, wird die weitere Planung zeigen.»

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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